Waiblingen

Angst vor Giftködern für Hunde

Hund
Symbolbild. © Büttner / ZVW

Waiblingen-Neustadt. Hund Mucki ist gerade noch einmal davongekommen. Am Fuß des Söhrenbergs bei Neustadt hatte der ungarische Puli offenbar ein Stück Fleischwurst gefressen und sich danach mehrfach übergeben. Die Initiative „Hundefreunde Söhrenberg“ wehrt sich jetzt gegen Giftköder und hat eine Prämie für Zeugen ausgerufen.

Hundehalter in Neustadt und Hohenacker leben derzeit in großer Sorge. In den Ortschaften könnte ein Hundehasser umgehen, der Giftköder versteckt, so die Befürchtung. Eines Freitags ging Michaela H. mit ihrem Mucki, einer Bekannten und deren Hund spazieren. Am Wegesrand fand der vierbeinige Angehörige der ungarischen Puli-Rasse ein Stück Wurst, das er umgehend verzehrte. Schon kurz danach wurde er auffällig träge. „Er trottete nur noch hinter uns her, was sonst gar nicht seine Art ist.“ Ein paar Meter weiter, auf Höhe des Wasserreservoirs, übergab er sich das erste Mal. Dann noch einmal und noch einmal, bis der Hund kollabierte.

Beim Friedhof fanden die Hundehalterinnen eine Frau, die sich spontan bereiterklärte, mit ihnen zur Tierärztin zu fahren. Vorab kündigte Michaela H. den Notfall in der Praxis an. Als sie eine Dreiviertelstunde nach dem Verzehr der Wurst eintraf, war schon alles vorbereitet. Mucki bekam sofort Spritze und Infusion, Kohletabletten für zu Hause und Frauchen den Auftrag, stündlich das Zahnfleisch zu kontrollieren. Dass Mucki sich so gründlich übergeben hatte und so schnell zur Veterinärin gebracht wurde, hat ihn vielleicht gerettet. Jedenfalls berappelte er sich relativ rasch wieder und war nach zwei Tagen wieder der Alte. Der Hund einer Bekannten von Michaela H. fand wenig später in einem Maisfeld ein „akkurat abgeschnittenes“ halbes Stück Fleischwurst, das die Halterin entsorgte.

Polizei: Zwei belegte Fälle in Neustadt und Hohenacker

Im Fall von Mucki hat der Polizeiposten Hohenacker ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Wie Rudolf Bihlmaier von der Polizeipressestelle in Aalen bestätigt, gab es 2015 bereits zwei belegte (Gift-)köderfunde im Bereich Neustadt und Hohenacker. Im einen Fall wurde Rattengift nachgewiesen, im anderen steckten Metallschrauben in einem Wurststück. „Wir werden den Fall aufarbeiten“, versichert der Polizeisprecher. Doch die Aufklärungsquote ist gering. Oft lässt sich der Einsatz von Giftködern nicht eindeutig nachweisen, selten ist er so offensichtlich wie bei den genannten Fällen. Nur als Beispiel: Es kam schon vor, dass ein Hund Weintrester gefressen hat und daran verendet ist. Vergiftet wurde er allerdings nicht. So können Hunde Giftiges oder Verdorbenes auf Feld und Flur finden, was mit Giftködern nichts zu tun hat. Auch Stoffe, die Landwirte auf Äcker aufbringen.

Nicht in jedem weggeworfenen Vesperbrot steckt Gift

Aus verständlichen Gründen sind Hundehalter nach Giftköder-Funden beunruhigt. Schon wird berichtet, es seien „Fleischbollen“ gefunden worden. Ob sie in böser Absicht ausgelegt wurden? Nicht in jedem weggeworfenen Vesperbrot oder wild entsorgten Essensresten steckt Gift. Doch aus Neustadt wird auch von verendeten Füchsen berichtet. Hundebesitzer aus Waiblingen und Umgebung haben jedenfalls beschlossen, dass die Sache ein Ende haben muss. Durch eine breite Öffentlichkeit und Plakatierung soll sich der Täter oder die Täterin nicht mehr unbeobachtet fühlen können und im besten Fall das Auslegen der Köder unterlassen. Ein gutes Dutzend Schilder haben die „Hundefreunde Söhrenberg“ aufgestellt, um zu warnen und Zeugen um sachdienliche Hinweise zu bitten. Vor der Platzierung der Schilder holten sie sich die Erlaubnis von Stücklesbesitzern und Ortschaftsverwaltung. Für eine Belohnung sammelten sie Spenden und bekamen dabei viel Resonanz. Gabriele Pfander: „Es ist alles dabei, viele kleinere Beträge und große Einzelspenden.“ Die Sache liege den Leuten am Herzen.

Auf ihrem Plakat schreiben die Hundefreunde: „Wir sind der Meinung, dass niemand einem anderen Lebewesen solch ein Leid zufügen darf.“

Die Polizei rät

Wenn die Polizei erfährt, dass Giftköder gefunden wurden, und es sich zweifelsfrei um solche handelt, macht sie die Fälle öffentlich. Bei Verdachtsfällen, wovon es – beileibe nicht nur in Waiblingen – viele gibt, sieht sie von einer Veröffentlichung ab, um einer Hysterie vorzubeugen.

Wer verdächtige Lebensmittel findet, die offensichtlich mit Chemikalien oder scharfen Gegenständen präpariert wurden, wird gebeten, diese bei der Polizei abzugeben.

Aber bitte nicht jedes weggeworfene Wurstbrot!

Besteht auch aus Sicht der Polizei der Verdacht, dass mit Chemikalien oder giftigen Stoffen manipuliert wurde, kann die Polizei den Fund zur Untersuchung ins Labor schicken.

Grundsätzlich empfiehlt die Polizei, Hunde an der Leine zu führen und stets darauf zu achten, was sie aufnehmen. Was sich bei Leinen-Abstand eher kontrollieren lasse.