Waiblingen

Anklage auf versuchten Totschlag gegen Waiblinger Brandstifter wackelt

Landgericht
Vor dem Landgericht Stuttgart wurden jetzt die Plädoyers im Fall des Waiblinger Brandstifters gehalten. © ALEXANDRA PALMIZI

Der Staatsanwalt fordert im Landgerichtsprozess gegen den Brandstifter aus der Neustädter Straße fünf Jahre Gefängnis. Die Verteidiger halten dagegen, weil sie meinen, zwei Jahre würden auch ausreichen.

Einig sind sich die Prozessbeteiligten allerdings darüber, dass neben der Haftstrafe eine Unterbringung des Familienvaters in einer Entziehungsanstalt angeordnet werden soll. Doch über den versuchten Totschlag beim Waiblinger Dachspektakel in der Neustädter Straße mit Würfen eines Dachfensters und Ziegeln auf Polizeibeamte ließe sich „trefflich streiten“, stellte der Vorsitzende Richter der Schwurgerichtskammer, Rainer Gless, fest.

In Sachen schwere Brandstiftung war die Beweisaufnahme dagegen relativ unkompliziert, nachdem aus dem Stück Stoff und dem Lappen am Ende der Küchenvorhang wurde, den der 36-Jährige in den Toaster gesteckt hat, weil ihn seine Lebenspartnerin aus dem Haus werfen wollte. Aus Verzweiflung und in der Angst, Frau und Kinder sowie das Reihenmittelhaus zu verlieren, in welchem er viel ausgebaut und aufgebaut hatte, trank sich der Mann bis zur Tatzeit 2,3 Promille Alkohol an und versetzte sich gleichzeitig in einen Kokain-Rausch.

Gutachter sieht eine „akute Belastungsreaktion“

Die Polizeibeamten, vor denen der gelernte Dachdecker aufs Dach flüchtete, habe er aus der Sicht von Richter Gless nur als „Störenfriede“ empfunden, bevor er das 21 Kilo schwere Dachfenster und etliche Dachziegel aus sechs bis sieben Meter Höhe hinunterwarf. „Zielgerichtet“ auf Polizeibeamte des Großeinsatzes, wie es an mehreren Stellen der Ermittlungsakte und dann auch in der Anklage hieß, nicht unbedingt.

An der Zielgerichtetheit hegt das Gericht so seine Zweifel, vor allem, nachdem es den ärztlichen Direktor der psychiatrischen Abteilung im Klinikum Ludwigsburg, Professor Dr. Hermann Ebel, gehört hat, der beim Angeklagten von „erheblich verminderter Schuldfähigkeit“ im berauschten Zustand ausging. Psychische Erkrankung konnte er bei dem 36-Jährigen keine finden, sondern sah in der Tat vom 8. September vergangenen Jahres gegen 19.15 Uhr eine „akute Belastungsreaktion“. Professor Ebel, der sich ausführlich mit der Drogengeschichte des Brandstifters befasst hat, empfahl die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt: „Es muss etwas passieren. Das sagt der Angeklagte selber.“

Im Gesamten lernte der Psychiater mit dem 36-Jährigen einen „wahrhaftigen Menschen“ kennen, der nichts beschönige. Wenngleich dieser schon zwei Therapien versucht habe, könnte die dritte „diejenige sein, die ihm wirklich etwas bringt“, sagte der Gerichtspsychiater. Der Angeklagte hatte vor der Tat versucht, auf Entzug ins ZfP Winnenden zu kommen, wurde aber nicht aufgenommen, weil er keinen Termin hatte. Auch in der Therapieeinrichtung Tagwerk Stuttgart konnte er nicht unterkommen.

Staatsanwalt: Polizist hätte vom Fenster erschlagen werden können

Für das Gericht kommt bei der bevorstehenden Verurteilung anstatt des versuchten Totschlags mit dem Dachfenster und den Ziegeln auch eine Verurteilung wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und tätlichem Angriff auf Polizisten in Betracht. Darauf gab Richter Gless einen rechtlichen Hinweis. Hauptmotiv des Angeklagten sei gewesen, dass er sich im Besitz seines Hauses habe halten wollen.

Während Staatsanwalt Patrick Bader zu der Auffassung kam, einer der Polizisten hätte von dem Dachfenster erschlagen werden können, wenn er nicht ausgewichen wäre, meinte der Pflichtverteidiger, Thomas Mende: „Der Polizeibeamte ist doch nicht so doof und bleibt da stehen.“

Wahlverteidiger Dr. Markus Bessler ergänzte, Zeit habe der Polizeibeamte schließlich auch noch genug gehabt, um die anderen vor dem fliegenden Dachfenster zu warnen.

Zur 34-jährigen Partnerin des Brandstifters merkte Bessler noch an, diese habe Mühe gehabt, den im Haus schlafenden Angeklagten überhaupt zu wecken, bevor sie die Kinder wegbrachte und die Polizei holte.

Vor Gericht habe die Frau dann zwar gemeint, „besser hätte ich ihn schlafen lassen“, aber zur Tatzeit habe sie ihn natürlich loswerden wollen.

Der Staatsanwalt fordert im Landgerichtsprozess gegen den Brandstifter aus der Neustädter Straße fünf Jahre Gefängnis. Die Verteidiger halten dagegen, weil sie meinen, zwei Jahre würden auch ausreichen.

Einig sind sich die Prozessbeteiligten allerdings darüber, dass neben der Haftstrafe eine Unterbringung des Familienvaters in einer Entziehungsanstalt angeordnet werden soll. Doch über den versuchten Totschlag beim Waiblinger Dachspektakel in der Neustädter Straße mit Würfen eines

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