Waiblingen

Anklage nach Tod eines Neugeborenen

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Symbolfoto. © Joachim Mogck

Stuttgart.
Eine 21-jährige Frau aus dem Rems-Murr-Kreis ist angeklagt, fahrlässig den Tod ihres Neugeborenen verursacht zu haben. Das Baby starb im Oktober 2014 kurz nach der Geburt. Die Mutter hatte das Kind alleine in einem Kellerraum zur Welt gebracht. Seit Dienstag (17.1.) muss sich die Frau vor der zweiten Großen Jugendkammer am Landgericht Stuttgart verantworten. Die Kammer geht davon aus, dass "mit jedenfalls hinreichender Wahrscheinlichkeit" eine Verurteilung wegen Totschlags durch Unterlassen in Betracht kommt. Zuvor hatte der Tatvorwurf auf fahrlässige Tötung gelautet.

Die Öffentlichkeit ist auf Antrag von Rechtsanwalt Jens Rabe vom Verfahren ausgeschlossen worden.

Laut der Staatsanwältin hat die damals 18-jährige Angeklagte im Oktober 2014 gegen ein Uhr nachts eine Gartenparty verlassen. Sie ging zu Fuß mehrere Kilometer weit nach Hause. Während des Fußmarsches platzte die Fruchtblase der Schwangeren. Die junge Frau setzte dennoch ihren Weg unbeirrt fort und gelangte gegen 5 Uhr morgens am Haus an, in dem sie zusammen mit ihrer Mutter wohnte. Noch immer holte die Frau keine Hilfe, verkroch sich stattdessen in einem Kellerraum des Hauses und brachte dort Stunden später alleine einen Jungen zur Welt. Sie wickelte das Kind in eine Decke - und wurde ohnmächtig oder befand sich zumindest in einer Art Dämmerzustand. Erst einige Zeit später stellte sie fest, dass der Junge keine Lebenszeichen mehr zeigte. Womöglich war es das Tuch, das zum Erstickungstod des Babys geführt hat.

Die Angeklagte hätte den Tod ihres Kindes vorhersehen können und fachkundige Hilfe holen müssen, hieß es in der Anklageschrift weiter. 

Laut der Vorsitzenden Richterin hatte die junge Frau ihre Schwangerschaft verheimlicht. Das Kind sei unerwünscht gewesen. 

"Das Geschehen belastet sie immens", sagte Jens Rabe, der Verteidiger der 21-Jährigen. Die junge Frau verkrafte es kaum, über den Tod ihres Kindes und die Umstände zu sprechen. Sie habe eine lange Phase der Abkapselung hinter sich, wohne jetzt aber an einem anderen Ort und habe ein Praktikum begonnen. In ihrem neuen Umfeld wisse niemand Bescheid über ihre Vergangenheit. Eine öffentliche Erörterung des Falles verletze die schutzwürdigen Interessen der Frau, sagte Rabe und beantragte den Ausschluss der Öffentlichkeit.

Nach einer Beratung verkündete die Vorsitzende Richterin, das Interesse der Öffentlichkeit überwiege nicht. Zwar bestehe durchaus ein Informationsbedürfnis. Doch kämen in der Verhandlung Details aus dem Intimbereich und der Sexualsphäre der Frau zur Sprache, die - sinngemäß - nicht an die Öffentlichkeit gehören. Zudem sei die Frau zur Tatzeit erst 18 Jahre alt gewesen. Nun hat die Kammer am Dienstag hinter verschlossenen Türen angehört, was die Frau zu dem Fall zu sagen hatte.