Waiblingen

Ansichten: Warum die derzeitige Geldpolitik ein „Kapitalfehler“ ist

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Die Autoren Weik und Friedrich. © Jamuna Siehler
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17000 Euro Schaden: Dieser Unfall war sehr teuer. © Jamuna Siehler

„Kapitalfehler“ – so heißt doppeldeutig das neue Buch der Autoren Matthias Weik und Marc Friedrich, das am 13. Mai im Eichborn-Verlag erscheint. Untertitel: „Wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen“. Im Folgenden drucken wir einen Auszug exklusiv ab.

Jetzt ist es offiziell. Die Deutsche Bundesbank kann nicht länger die Realität ignorieren, warnt vor einer Immobilienblase und stellt Negativzinsen für alle in Aussicht. Dies alles ist einer verantwortungslosen Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) geschuldet, die auch durch unsere Deutsche Bundesbank getragen wird.

Um die nächsten Krisen aufzufangen, wird die finanzielle Repression gegen die Bürger weltweit ausgeweitet. Die Marschrichtung in den letzten Jahren spricht Bände, wohin es geht. Die Zinsen sind bei Null und weit unter der Inflationsrate – so wird der Sparer enteignet. Norwegen, Schweiz, Dänemark und Japan haben bereits einen Gang höher geschaltet und Negativzinsen installiert. Die Schlinge um Deutschland wird immer enger.

Unser Schweizer Nachbar hat gezeigt, dass Negativzinsen kein Ding der Unmöglichkeit mehr sind. Aufgrund der Minus-Verzinsung von Kapital überlegen sich manche Pensionskassen bereits, einen Teil des Rentengeldes nicht auf einem Bankkonto zu belassen, sondern in einem externen Tresor zu lagern. So einfach ist das aber nicht. Denn die Schweizerische Nationalbank hat bestätigt, dass sie Bargeldhortung zur Umgehung von Negativzinsen nicht gerne sieht. „Die Nationalbank hat deshalb Banken auch schon empfohlen, mit Bargeldnachfragen restriktiv umzugehen.“ Dieses Beispiel macht überaus deutlich, woher der Wind weht und wohin die Reise gehen soll.

Mittlerweile trägt die Niedrigzinsphase sonderbare Früchte. Während es in Deutschland bereits Null-Prozent-Kredite gibt, sind unsere Nachbarn im Norden bereits ein Stück weiter. In Dänemark zahlt eine Bank einer Kundin sogar Geld dafür, dass sie einen Kredit aufnimmt. Die Bank Realkredit Danmark gewährte ihr für einen dreijährigen Kredit Zinsen; fürs Schuldenmachen wurden 0,0172 Prozent gutgeschrieben. Hintergrund dieser irrsinnigen Entwicklung ist, dass die Dänische Nationalbank offensichtlich versucht, die Wirtschaft aggressiv anzukurbeln. Nach den Negativ-Zinsen für Spareinlagen, die bei unserem nördlichen Nachbarn nicht selten sind, gibt es jetzt dort sogar Geld für das Schuldenmachen. Spätestens hier sollten wir uns alle an den Kopf fassen.

Laut Bloomberg sind die Immobilienpreise in Dänemark seit 2012 um 40 bis 60 Prozent gestiegen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Immobilienblase platzen wird. Auch bei uns schießen die Immobilienpreise aufgrund der niedrigen Zinsen in immer neue Höhen. So mancher lässt sich von den niedrigen Zinsen anlocken und kauft eine Immobilie, die er sich im Grunde genommen überhaupt nicht leisten kann. So wird die Immobilienblase immer weiter aufgepumpt. Einige werden sich dabei in Zukunft eine blutige Nase holen.

2016 wird das Geschrei nach der Abschaffung von Bargeld immer lauter. Egal ob der Wirtschaftsweise Peter Bofinger, der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman, der Havard-Ökonom Kenneth Rogoff, der ehemalige Chef der Weltbank Larry Summers oder Andrew Haldane, Chefökonom der Bank of England – unisono erklären alle plötzlich, dass Kriminalität und Terrorismus durch eine Abschaffung des Bargeldes bekämpft werden könnten. In das gleiche Horn tutet inzwischen auch die Politik. Doch in Wirklichkeit geht es um etwas ganz anderes. Sie wollen uns die Freiheit nehmen und uns gnadenlos in die Abhängigkeit von Banken treiben. Larry Summers und Kenneth Rogoff argumentieren unverhohlen, dass es darum gehe, auch private Ersparnisse mit Negativzinsen für Regierungen nutzbar zu machen.

Damit sich die Bürger dieser Enteignung nicht entziehen können, sollen Bargeldzahlungen und -abhebungen eingeschränkt werden, der Zugriff auf Geld wird immer weiter erschwert. Ziel ist es, einen Bankensturm zu verhindern und die Sparer für kommende Bankenrettungen in die Pflicht zu nehmen. In Frankreich, Italien, Spanien und Griechenland gelten bereits Obergrenzen für Bargeldabhebungen. In Deutschland wird aktuell eine Obergrenze von 5000 Euro diskutiert. Die Marschrichtung ist klar: Es geht um Kontrolle, Überwachung und Enteignung. Denn mit der Abschaffung von Bargeld kann man problemlos Negativzinsen einführen, ohne dass sich die Bürger diesen entziehen können. Schweden ist bereits auf dem besten Weg, Bargeld abzuschaffen. Wenn das Bargeld begrenzt oder sogar verboten ist und die Negativzinsen in unvorstellbare Höhen steigen, dann werden auch die Narren, die heute für die Bargeldabschaffung plädieren, erkennen, dass sie ihre Enteignung selbst unterschrieben haben. Doch dann ist es zu spät.

Die Verzinsung der Guthaben auf Sparbüchern, Tagesgeldkonten und Festgeldkonten ist minimal, die Ersparnisse schmelzen dementsprechend immer weiter. Noch dazu nimmt man jungen Menschen dadurch die Möglichkeit, adäquat fürs Alter vorzusorgen. Die solide wirtschaftenden Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken haben aufgrund der Niedrigzinsphase immer größere Probleme. Das Geschäftsmodell dieser Säulen des deutschen Finanzsystems wird von der EZB sukzessive zerstört, sie werden eine lang anhaltende Niedrigzinsphase kaum überleben – von den Bausparkassen ganz zu schweigen. Auch für Lebensversicherungen, Pensions- und Bausparkassen ist die Politik der niedrigen Zinsen langfristig existenzbedrohend. Schon jetzt sind die Garantiezinsen im Keller, und die Renditen tendieren gegen Null.

Offensichtlich hat Mario Draghi, Chef der EZB, aus dem Auge verloren, dass schon die letzte Krise durch viel zu niedrige Zinsen und damit durch viel zu viel billiges Geld entstanden ist. Die niedrigen Zinsen führten zu Exzessen und massiven Blasen an den Aktien- und Immobilienmärkten. Derzeit werden die Märkte aufgrund historisch niedriger Zinsen mit unendlich viel billigem Geld geflutet. Die Aktienmärkte und die Boni an der Wall Street sind heute höher als vor dem Lehmancrash. Inzwischen bildet sich auch in deutschen Ballungsgebieten eine Immobilienblase, die mit einem lauten Knall explodieren wird. Außerdem zeichnet sich am Horizont eine Rezession ab, die voraussichtlich noch heftiger ausfallen wird als die im Jahr 2008.