Waiblingen

Anwohner fordern mehr Lärmschutz

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Klaus und Anne Hoscislawski fordern mehr Lärmschutz, unter anderem wieder Tempokontrollen an der Neustädter Straße © Habermann / ZVW
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Lärm
Mit Getöse über den Gully. © Gabriel Habermann

Waiblingen. Man sieht die Straße nicht, aber man hört sie Tag und Nacht. Anne und Klaus Hoscislawski haben sich in zweiter Reihe an der Neustädter Straße ein kleines Idyll geschaffen. Doch wenn sie auf ihrer eingegrünten Terrasse sitzen, hören sie die Tieflader und Busse vorbeidonnern. „Das Schlimme sind die tief liegenden Gullys“, sagt Klaus Hoscislawski. „Wenn ein Tieflader drüber fährt, klirren bei uns die Gläser im Schrank.“

Anne und Klaus Hoscislawski wohnen seit 40 Jahren in zweiter Reihe an der Neustädter Straße. „Wir haben nachts im Garten geschlafen“, erinnert sich Klaus Hoscislawski an alte Zeiten. Heute ist der Verkehrslärm an der Straße enorm, und selbst im rückwärtigen Bereich misst Hoscislawski an seinem Haus mit einer Lärmmessungs-App im Schnitt 64 Dezibel und 78 Dezibel, wenn ein Lastwagen vorbeiführt. Und das sind viele auf ihrem Weg zu den Gewerbegebieten in Neustadt und Hohenacker.

Direkt an der Straße erzittert die Wohnung

„Die Straße ist in einem saumäßigen Zustand“, klagt der Waiblinger. Das Problem seien vor allem die abgesenkten Gullys, die so tief liegen, dass die Lastwagen beim Drüberfahren jedes Mal durchgeschüttet würden.

Auch die Busse, die an dieser Stelle schon Richtung Bushaltestelle lenken, rattern über die Gullys: „Das ist die Hölle. Jedes Mal ein gottallmächtiger Rumpler“, klagt Klaus Hoscislawski. Noch schlimmer ist die Situation für die beiden Anrainer Isin und Ruhi Filiz, die direkt an der Neustädter Straße wohnen: „Wenn ein Lastwagen über den Schachtdeckel fährt, erzittert bei uns die Wohnung. Das ist fast wie bei einem Erdbeben.“

Dass die Schächte Grund für die Lärmbelästigung sind, ergab auch eine Überprüfung des Bauamts. Gefragt seien die Stadtwerke, da sie Eigner seien, so Oliver Strauß, städtischer Abteilungsleiter Straßen und Brücken.

Bei den Stadtwerken zeigt sich Markus Rau, Leiter Service Netze, entgegenkommend: Bei Wasser- und Energienetzen mit einer Ausdehnung von mehreren hundert Trassenkilometer mit Hunderten von Schachtabdeckungen benötigten die Stadtwerke grundsätzlich eine konkrete örtliche Beschreibung der vermeintlichen Störstelle, um zielgerichtet vorgehen zu können, erklärt er. Nun aber solle die Störung so schnell wie möglich behoben werden.

Als Lärm-Hotspot schon längst identifiziert

Unabhängig von tief liegenden Schächten und vom Straßenbelag ist die Neustädter Straße zwischen den Gebäuden 69 und 97 als Lärm-Hotspot längst identifiziert. Das haben jüngst im Rahmen des Lärmaktionsplans auch eine neue Verkehrszählung und Lärmberechnung bestätigt.

Als Maßnahmen für den Lärm-Hotspot an der Neustädter Straße schlägt die Stadtverwaltung die Einführung von Tempo 30 sowie die Neuordnung der dortigen Parkplätze vor. Der Lärmaktionsplan wird alle fünf Jahre fortgeschrieben.

Die zweite Stufe des Plans wird in Kürze öffentlich ausgelegt. Die Bevölkerung kann sich dann zur Planung äußern. Nach der Sommerpause soll die zweite Stufe – und damit auch das Maßnahmenpaket - beschlossen werden. Nach Meinung der Anwohner höchste Zeit.


Das Ende der Starenkästen

  • Dass die Starenkästen an der Ortsausfahrt nicht mehr in Funktion sind, ist für Anwohner Klaus Hoscislawski ein Witz und „ein Schildbürger-Streich des Gemeinderats, der auf Abschreckungswirkung zählt, wo die einst erkämpften Anlagen längst modernisiert sein müssten“.
  • Tatsächlich ist der Standort Neustädter Straße nach einer Überarbeitung der Konzeption zur Verkehrsüberwachung ersatzlos entfallen. Das Gehäuse wurde nicht abgebaut.
  • Seit der Neukonzeption im Jahre 2015 setzt die Stadt auf Säulenblitzer entlang stark befahrener Straßen. Die Tage der klassischen „Starenkästen“ waren damit gezählt. Sie wurden weder gewartet noch erneuert. Wenn einer kaputtging, sollte er – falls das Verkehrsaufkommen oder der Lärm für die Anwohner hoch waren – durch Säulen ersetzt werden. So geschehen in der Klinglestalstraße in Neustadt, nicht aber in der Neustädter Straße. Dort blieb der Starenkästen als Attrappe stehen. Aufwändig und teuer war die Wartung der Starenkästen nach Angaben der Verwaltung immer: Bei Straßenbauarbeiten musste für die Anlage jedes Mal die Kontaktschleife neu verlegt werden – ein teures Unterfangen.
  • Völlig inakzeptabel findet das Klaus Hoscislawski: „Wir Anwohner fordern die schleunige Modernisierung und Revitalisierung der Geschwindigkeitsüberwachung; es ist unverständlich, die Fahrzeuge auf der Bundesstraße Richtung Kappelbergtunnel zu überwachen, wo weder Sicherheit noch Anwohnerschutz dies unbedingt erfordern, zugleich im innerstädtischen Bereich die Bürger mit dem Geschwindigkeitsverhalten des Kfz / Lkw-Verkehrs völlig allein zu lassen.“