Waiblingen

Anwohner gegen neue Zentralkelter

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Nicht mit uns: Die Anwohner aus der Schönfelder Straße wehren sich gegen die geplante Zentralkelter. Sie sehen sich durch das Verkehrskonzept der Stadt überproportional benachteiligt. © Palmizi / ZVW

Weinstadt. Sie fühlen sich durch die geplante Zentralkelter der Remstalkellerei stark benachteiligt: Die Anwohner der Schönfelder Straße fordern eine alternative Erschließung und haben bereits Unterschriften gesammelt. Claus Mannschreck, Vorstandsvorsitzender der Remstalkellerei, kann dagegen keine starke Verkehrsbelastung erkennen – nicht mal während der Weinlese.

„Der prognostizierte Anstieg des Verkehrsaufkommens ist nicht tragbar“: Kai und Karin Bliesener haben in ihrem neunseitigen Schreiben an OB Michael Scharmann und die Gemeinderäte klar Stellung bezogen. Trotz der Urlaubszeit haben sie bis zum 1. September fast 80 Unterschriften gegen die geplante Zentralkelter gesammelt, die 2018 zwischen Endersbach und Beutelsbach errichtet werden soll. Was die Stadt dazu sagt lesen Sie hier.

 

Während der Weinlese bis zu 400 Traktorfahrten pro Tag

Die Schönfelder Straße, in der das Paar wohnt, würde aus Sicht der Anwohner zu stark belastet werden. Sie sorgen sich laut eigenem Bekunden um ihre Gesundheit und befürchten Gefahren für die dort lebenden Kinder. Dabei stützen sie sich auf das Verkehrsgutachten des Ingenieurbüros Karajan und verweisen auf 400 Traktorfahrten und zusätzliche 15 Sattelschlepper, mit denen während der Weinlesezeit pro Tag zu rechnen sei. „Wir sind nicht gegen die Weingärtner. Im Gegenteil. Wir trinken alle gerne auch ein gutes Glas Wein aus dem Remstal. Allerdings sind wir mit der Planung und dem Vorgehen absolut nicht einverstanden“, schreiben die Anwohner in ihrer Pressemitteilung. Sie wünschen sich deshalb, dass die Stadt und die Remstalkellerei eine alternative Erschließung prüfen.

Anwohner befürchten Rückstau bis zur Ortsdurchfahrt

Für den Verkehr zur Zentralkelter könnte aus Sicht der Anwohner ausschließlich ein landwirtschaftlicher Weg zum Benzacher Kreisverkehr genutzt werden. „Das wäre der direkte Weg zur Kelter und würde auch helfen, einen Verkehrsinfarkt in Beutelsbach zu verhindern.“ Bei der jetzigen Lösung befürchten die Anwohner einen Rückstau der Traktoren bis zur Kreuzung Schönfelder/Stuttgarter Straße. Unabhängig davon fragen sie sich, warum die Remstalkellerei nicht die bereits vorhandene Endersbacher Kelter so umbauen kann, dass sie dem neuen Bedarf gerecht wird – denn dort gibt es aus ihrer Sicht schon entsprechende Zu- und Abfahrtswege, die nicht durch Wohngebiete führen.

Umbau der Endersbacher Kelter als Alternative?

Die Remstalkellerei hat dieses Szenario schon geprüft – und laut dem Vorstandsvorsitzenden Claus Mannschreck aus mehreren Gründen verworfen. Erstens: Würde die Endersbacher Kelter umgebaut, würden die Wengerter aus Schnait oder Großheppach trotzdem wie bisher weiter mit ihren Traktoren über die Schönfelder Straße fahren. Zweitens: Die Endersbacher Kelter bräuchte eine zweite Fahrzeugspur, um schneller mehr Trauben annehmen zu können, aber dafür müsste sie entkernt werden. Zudem müsste laut Claus Mannschreck das Dach erneuert werden. „Von den Kosten kommt es einem Neubau gleich.“ Auch dürfe man die alte Endersbacher Kelter nicht komplett abreißen. „Ein Teil ist geschützt.“

Die 400 Traktorfahrten, die laut Gutachten pro Tag während der Weinlese in der Schönfelder Straße anfallen können, sind laut Mannschreck die mögliche Maximalbelastung. Heißt: Nach seiner Erfahrung wird solch ein Wert allerhöchstens an einem Tag im Jahr erreicht. Denn durch die neue Zentralkelter wird es möglich sein, dass die Wengerter von Montag bis Samstag ihre Trauben anliefern. „Da verteilt sich das besser.“

Remstalkellerei-Vorsitzender: Starker Rückstau unwahrscheinlich

Auch die Angst der Anwohner vor einem Rückstau bis zur Beutelsbacher Ortsdurchfahrt hält Claus Mannschreck für unbegründet. Er erklärt das mit einem Beispiel: Als am ersten Tag der diesjährigen Weinlese an der alten Endersbacher Kelter ein Defekt auftrat, brauchte es eine halbe Stunde, bis dieser wieder behoben war – so lange war die Anlieferung der Trauben unterbrochen. Folge: Es gab einen Rückstau bis zum Käppele. Würde sich die alte Endersbacher Kelter auf dem Standort der heutigen Zentralkelter befinden, dann hätte dieser Rückstau laut Claus Mannschreck beim Beutelsbacher Schützenhaus geendet – also lange vor der Kreuzung mit der Stuttgarter Straße.

Einbahnstraßenregelung geplant

Solch ein großer Rückstau würde aber nach seiner Einschätzung bei der Zentralkelter sowieso nicht entstehen, weil es bei dieser ja zwei Fahrzeugspuren für die Anlieferung der Trauben geben wird – und nicht nur eine wie an der alten Endersbacher Kelter. Zudem wird die neue Zentralkelter an jedem Anliefertag bereits um 10 Uhr geöffnet – und nicht wie im besagten Beispiel bei der Endersbacher Kelter erst um 16 Uhr nachmittags. Heißt: Der Anlieferverkehr würde sich laut Mannschreck auf den ganzen Tag verteilen.

Zudem sei eine Einbahnstraßenregelung geplant, was auch noch mal die Zahl der Fahrzeugbewegungen in der Schönfelder Straße reduziert. Außerdem verweist er darauf, dass die Wengerter aus Stetten und Strümpfelbach weiterhin den für sie kürzeren Weg wählen werden, sprich vom Süden her anfahren und damit nicht über die Schönfelder Straße. Sowieso belastet der illegale Autoverkehr auf dem landwirtschaftlichen Weg zwischen Beutelsbach und Strümpfelbach nach Mannschrecks Meinung die Schönfelder Straße stärker als die Wengerter.

„Ich bin für jeden zu sprechen.“

Die Idee der Anwohner, dass die Wengerter statt der Schönfelder Straße einen bestehenden landwirtschaftlichen Weg über den Kreisverkehr in Benzach nutzen, würde die Stadt Weinstadt laut Mannschreck einiges kosten. Diese Trasse, betont der Vorstandsvorsitzende der Remstalkellerei, müsse dann so ausgebaut werden, dass auch der Gegenverkehr Platz hat, insbesondere mit Blick auf die Lastwagen. „Da müsste man neu bauen – das wäre fast ein Kilometer.“

Claus Mannschreck hätte sich laut eigenem Bekunden gewünscht, dass die Anwohner mit ihm reden, bevor sie Unterschriften sammeln oder die Presse kontaktieren. „Ich bin für jeden zu sprechen.“


Das sagt die Stadt

„Die Einwände, Sorgen und Hinweise aller Bürger, also auch der Anwohner der Schönfelder Straße, nehmen wir sehr ernst, diese fließen in die Prüfung und Abwägung im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens ein“, betont Jochen Beglau, Sprecher der Stadt Weinstadt. Nach zahlreichen Suchläufen und Standortprüfungen durch die Genossenschaft sei als letzter möglicher Standort der jetzt gewählte beim Käppele übrig geblieben.

Die Mitglieder der Remstalkellerei bewirtschaften circa 500 Hektar – und darum liegt es laut Beglau im ureigenen Interesse der Stadt, dass sich die Genossenschaften so aufstellen können, dass sie am Markt bestehen. Aufgabe der Stadt sei es, die Anwohnerinteressen gegen Interessen der ganzen Stadt abzuwägen. „Dies geschieht bei Verwaltung und Gemeinderat mit großer Sorgfalt, was auch die angeregte Diskussion insbesondere über die Verkehrsführung in der Sitzung des Gemeinderats vor den Sommerferien gezeigt hat.“ Das Schreiben der Anwohner sei fristgerecht im Rahmen der frühzeitigen Bürgerbeteiligung eingereicht worden. „Die Stellungnahmen werden geprüft, abgewogen und dem Gemeinderat zur Diskussion und Beschlussfassung vorgelegt.“

Änderungen werden laut Beglau wiederum in das Verfahren eingearbeitet. Dann wird der Plan erneut öffentlich ausgelegt und es können nochmals Einwände – auch hinsichtlich der Verkehrsführung – eingebracht werden. „Erst dann erfolgt die endgültige Beschlussfassung im Gemeinderat.“