Waiblingen

Anwohner in Waiblingen: Schmidener Straße darf keine "Rennstrecke" werden

Schmiedener Straße
Die Schmidener Straße auf Höhe Hausgärten, Blick in Richtung Innenstadt. © Benjamin Büttner

Dass die Schmidener Straße in Waiblingen saniert werden muss, bestreitet niemand. Im Zuge der Sanierung plant die Stadt aber auch eine Neugestaltung, die vielen Anwohnern gründlich missfällt. Eine anberaumte Bürgerbeteiligung brachte weder eine schlüssige Planung noch schuf sie eine Einigung zwischen Stadt und Bürgern. Letztere befürchten eine „Rennstrecke“ vor ihren Haustüren.

Die Schmidener Straße wird von Autofahrern zur Anfahrt in Richtung Marktgarage und Postplatz genutzt. Andererseits führt sie an gewachsener Wohnbebauung entlang. Seit zwei Jahren schwelt der Konflikt bereits, der jetzt in eine neue Runde geht, nachdem die Pläne im Ausschuss für Planung, Technik und Umwelt des Gemeinderats erneut auf entschiedene Kritik stießen - sowohl von Stadträten als auch von Anwohnern wie Jürgen Seeger vom gleichnamigen Zweirad-Geschäft, der zu den Initiatoren der Bürgerbeteiligung gehörte.

Wegfall der Parkplätze "super gefährlich"

Seegers Befürchtung: Künftig können die Autos auf gerader Bahn in die Stadt und aus ihr hinaus fahren, ohne wie jetzt durch parkende Fahrzeuge ausgebremst zu werden. Aktueller hätten die Anlieger an ihren Ausfahrten und Hauseingängen einen faktischen Schutz durch die geparkten Autos. Mit ungehindertem Begegnungsverkehr werde es künftig vor allem für Fußgänger „super gefährlich“. An Tempo 30, so seine Prognose, werden sich viele nicht halten.

Anwohner: Sanieren und ansonsten Ist-Zustand belassen

Dennoch: Es lassen sich gute Gründe aufführen für eine Umgestaltung der Schmidener Straße. Sie hat wenig Bäume, zu schmale Gehwege – und im unteren Bereich auf einer Seite sogar überhaupt keinen. Für Radfahrer und Fußgänger ist sie alles andere als sicher. Andererseits vermochte bisher keine Planvariante zu überzeugen. „Wir haben wohl noch nie so eine komplexe Straßensanierung erlebt“ , meint CDU-Chef Peter Abele, der die Befürchtung äußert, im schlimmsten Fall könne es am Ende lauter Verlierer geben. So widersprüchlich erscheinen die Interessen von Autofahrern, Busverkehr, Fußgängern und Anwohnern. Weshalb Jürgen Seeger dafür plädiert, die Straße zu sanieren und ansonsten alles so zu belassen, wie es ist. Auch SPD-Rätin Christel Unger, ebenfalls Anwohnerin, kann dem etwas abgewinnen.

"Aus Bürgerbeteiligung so gut wie nichts umgesetzt"

Kritik entzündet sich auch am einen Meter schmalen „Not-Gehweg“ im unteren Bereich. Wobei Baubürgermeister Dieter Schienmann darauf verweist, dass an der Stelle überhaupt kein Gehweg vorhanden ist. Mit Nachdruck drängte insbesondere Urs Abelein (SPD) die Verwaltung, von der im Begegnungsverkehr erforderlichen Straßenbreite von 6,50 Meter abzurücken. In der Stadt gebe es einige Stellen, an denen die Straße schmaler sei. Entschieden gegen die vom Rathaus vorgesehene Regelung für Parkplätze, die ausschließlich nachts von Anwohnern genutzt werden dürfen, wendet sich Alfonso Fazio (ALi). Schichtarbeitende würden dadurch benachteiligt. Trotz der Beteiligung sei es nicht gelungen, die Bürger mitzunehmen. Tobias Märtterer (Grünt) beklagte, aus der Bürgerbeteiligung sei „so gut wie nichts umgesetzt“ worden.

Verengte Fahrbahn ist umstritten

Peter Abele regte angesichts der ungeklärten Streitpunkte an, mit einer überarbeiteten Planung in eine öffentliche Veranstaltung zur Bürgerinformation zu gehen. Dem Vorschlag folgte schließlich der Ausschuss. Bis dahin werden aus der Bürgerbeteiligung noch Änderungen eingearbeitet: Um die Sicherheit für Fußgänger, besonders der Kinder, zu erhöhen, soll auf Höhe der Barbarossastraße und der Schippertsäcker eine „Gehwegnase“ angelegt werden, welche die Querung der Fahrbahn erleichtert. Neue Zebrastreifen hingegen seien in Tempo-30-Bereichen rechtlich nicht zulässig. Der vorhandene Fußgängerüberweg mit Zebrastreifen auf Höhe Ludwigsburger Straße wird als Bodenwelle um zwei Zentimeter angehoben. Und schließlich will Baubürgermeister Dieter Schienmann mit der Straßenverkehrsbehörde prüfen, ob nicht doch eine Engstelle mit weniger als 6,50 Meter im Bereich der Metzgerei Weißschuh im Ausnahmefall zulässig sein könnte.

Nach der bisherigen Planung rechnet die Stadt mit Kosten von 2,3 Millionen Euro für die Neugestaltung. Ohne die neuerliche Runde zur Bürgerinformation hätte der Baubeginn im Februar 2023 angestanden.

Dass die Schmidener Straße in Waiblingen saniert werden muss, bestreitet niemand. Im Zuge der Sanierung plant die Stadt aber auch eine Neugestaltung, die vielen Anwohnern gründlich missfällt. Eine anberaumte Bürgerbeteiligung brachte weder eine schlüssige Planung noch schuf sie eine Einigung zwischen Stadt und Bürgern. Letztere befürchten eine „Rennstrecke“ vor ihren Haustüren.

Die Schmidener Straße wird von Autofahrern zur Anfahrt in Richtung Marktgarage und Postplatz genutzt.

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