Waiblingen

Astrid Fritz lässt es spuken

72afaf04-a135-4731-b761-c2d2035d2a26.jpg_0
Die Neustädter Bestseller-Autorin Astrid Fritz lässt ihre Hobby-Kommissarin Serafina nach dem Grund für den mysteriösen Unfall einer Nonne forschen. © Habermann / ZVW

Waiblingen-Neustadt. Das Höllental bei Freiburg ist ein ungemütlicher Ort zwischen schroffen Felsen und dunklen Wäldern – perfekte Kulisse für einen Thriller. Hier lässt die Neustädter Bestseller-Autorin Astrid Fritz ihre Hobby-Kommissarin Serafina nach dem Grund für den mysteriösen Unfall einer Nonne forschen. Ein historischer Krimi mit Grusel-Faktor.

Immer wieder Freiburg. Die Breisgau-Metropole, in der sie studiert und mehrere Jahre gearbeitet hat, lässt Astrid Fritz nicht los. Das Mittelalter, in dem ihre meisten Romane spielen, ist in der Altstadt zwischen Münster, Martinstor und Bächlein auf Schritt und Tritt gegenwärtig.

„Es ist so, als würde ein Film vor mir ablaufen“

So tief hat sich die Autorin schon in die Chroniken der Stadt vergraben, dass sie sich beim Schreiben ganz natürlich in den Gassen des 15. Jahrhunderts bewegen und das Neue, Moderne einfach wegblenden kann. „Es ist so, als würde ein Film vor mir ablaufen.“

Und wenn am Abend die Sonne untergeht, dann bläst ein kalter Wind durch die Stadt und lässt die sonnenverwöhnten Badener frösteln: der Höllentäler. Ein unheimlicher Hauch aus jener Schlucht am Fuß des Schwarzwalds, die sich die 58-Jährige zum Schauplatz ihres neuen Romans aus der Serafina-Reihe auserkoren hat: „Ein ideales Thriller-Setting.“ Der Spuk ist neu im Vergleich zu den Vorgänger-Bänden, es ist keine reine Ermittlungsgeschichte.

„Ketzerische Weibspersonen ohne männliche und geistliche Autorität“

Nur spärlich dringt Sonnenlicht hinab in die Klamm. Doch wer vom Breisgau nach Donaueschingen oder zum Bodensee möchte, der muss hier durch. Die Raubritter von der Burg Falkenstein machten sich die Situation zunutze und überfielen Reisende, denen keine Fluchtmöglichkeit blieb.

Schon vor Serafinas Zeiten um 1400 hatten die Herren von Freiburg die Burg deshalb schleifen lassen. Doch die Geister der getöteten Raubritter, so erzählte sich der Volksmund, trieben weiter ihr Unwesen. Auf sie fällt schließlich auch der Verdacht, als Gaukler eine Schwester aus Serafinas früherem Beginen-Orden schwer verletzt im Höllental auffinden. Ihre Begleiterin Catherina ist spurlos verschwunden.

Die „Sozialarbeiterinnen des Mittelalters“

Wenige Tage zuvor war in der Stadt eine Begine erschlagen worden. Die gewitzte Serafina ahnt, dass die Vorfälle zusammenhängen und selbst das Auftauchen eines Hasspredigers aus Basel, der den Orden öffentlich verleumdet als „ketzerische Weibspersonen, die ohne jegliche Kontrolle männlicher und geistlicher Autorität in ihren Sammlungen gotteslästerliche Riten pflegen“. Ohne zu viel zu verraten: Hinter den rhetorischen und gewalttätigen Angriffen stehen handfeste Interessen.

Wo immer Beginen – Astrid Fritz nennt sie die „Sozialarbeiterinnen des Mittelalters“ – auftauchten, waren sie der kirchlichen und weltlichen Obrigkeit ein Dorn im Auge. In Basel wurde der Orden sogar gewaltsam vernichtet. In Astrid Fritz’ Freiburg holen sich die Frauen, die ein frommes, eheloses Leben führen, sich aber keiner klösterlichen Klausur unterwerfen, sondern sich in tätiger Nächstenliebe um Arme, Kranke und Alte kümmern, Rat beim Fürstbischof von Konstanz, der dafür bekannt ist, den Beginen wohlgesonnen zu sein.

Gut belegt und gut recherchiert

Serafina-Leser wissen, dass die Heldin mit Konstanz ein heikles Geheimnis verbindet. Als junges Mädchen war sie eine der Prostituierten, die dort zu Zeiten des Konzils (1414 bis 1418) sehr zahlreich ihrem Metier nachgingen. Nach einer Vergewaltigung brachte sie einen Sohn zur Welt, der im neuen Buch erstmals eine größere Rolle spielt.

Das Wirken der Beginen in Freiburg, das Leben der Aussätzigen im Mittelalter – alles das ist gut belegt und gut recherchiert. Astrid Fritz als Autorin zeichnet aus, dass sie die Grenze zwischen historischer Realität und Fiktion sichtbar macht. Auf ihrer Internetseite sind Hintergründe ausführlich aufgearbeitet und mit Fachliteratur unterfüttert.

Eine Art Miss Marple des Mittelalters

Klar: Eine wie Serafina als sich selbst ermächtigende Hobby-Kommissarin, als eine Art Miss Marple des Mittelalters, hat gewiss nicht existiert. Entsprechend geht’s in der Krimi-Reihe laut Astrid Fritz selbst vor allem um Spaß und Spielerei.

Eine treue Fangemeinde freut sich darauf und ist selbst Jahre nach dem Erfolg der „Hexe von Freiburg“ noch so zahlreich, dass auch der Rowohlt-Verlag der Autorin die Treue hält. Ein zeitgenössischer Krimi erschiene der Autorin wenig reizvoll. Aber wie die Aufklärung von Verbrechen lange vor Täter-Profiling, DNA-Tests und Fingerabdrücken funktionieren konnte, das hat eine besondere Spannung.