Waiblingen

Astrid Fritz macht Geschichte lebendig

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Erfolgreich und produktiv: Die Neustädter Autorin Astrid Fritz. © Palmizi / ZVW
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Die „Räuberbraut“ ist bereits das 17. Buch von Astrid Fritz. © Palmizi / ZVW

Waiblingen. Eine arme junge Frau, die mit ihrem Vater und ihren Schwestern durch den Hunsrück zieht, ein junger, charismatischer Räuberhauptmann und eine große Liebe: Pünktlich zu den Sommerferien hat die Waiblinger Erfolgsautorin Astrid Fritz einen neuen historischen Roman veröffentlicht. An diesem Freitag erscheint „Die Räuberbraut“, die Geschichte der Geliebten des legendären Räubers Schinderhannes.Im Video: Astrid Fritz liest aus ihrem neuen Buch "Die Räuberbraut" vor.

Wie üblich bei der Neustädter Autorin, ist vieles aus dem Roman historisch verbürgt. In diesem Fall aber, sagt sie, war das Material besonders umfangreich. Fakt ist, dass der Schinderhannes um 1800 im Hunsrück lebte und 1802 vor Gericht gestellt wurde.

Sein Vater war Abdecker, sein Großvater Henker – Berufe, auf die der charismatische Frauenheld offensichtlich keine Lust hatte. Anders als ihn viele sehen wollten, war er aber wohl kein Robin Hood, der den Armen half, sondern ein ganz normaler Räuber, weiß Astrid Fritz: „Er hat ein tolles Leben geführt und das geraubte Geld für sich und seine Leute verbraucht.“

Liebesgeschichte und Sittengemälde

Von dem legendären Schauprozess gegen die Schinderhannesbande in den Jahren 1802 und 1803 sind 3461 Dokumente mit mehr als dreitausend Seiten erhalten, außerdem zahlreiche Gerichtsreportagen und Publikationen von Prozessbeteiligten. Eine Unmenge von Fakten also nicht nur über den Hauptangeklagten Johannes Bückler, sondern auch über dessen Lebensgefährtin Juliana Blasius.

Sogar wie sie aussah, ist bekannt, denn nicht nur historisches Datenmaterial ist von ihr überliefert, sondern auch ein Porträt, das während der Gerichtsverhandlung gemalt wurde. „Bis zu seinem Tod war der Schinderhannes mit dieser Frau zusammen“, weiß Astrid Fritz.

Die Frage von Schuld und Schuldbewusstsein

In ihrem Roman erzählt sie die Geschichte der Frau, die den Räuber ganz offensichtlich wirklich geliebt hat. Fasziniert hat die Autorin dabei aber nicht nur das Leben an der Seite des Räubers, sondern auch die Frage von Schuld und Schuldbewusstsein und Julianas Entwicklung neben Schinderhannes. Entstanden ist so eine gut erzählte Liebesgeschichte, aber auch ein spannendes Sittengemälde des ausgehenden 18. und anbrechenden 19. Jahrhunderts. Unterhaltungsliteratur vom Feinsten, mit einer guten Portion Tiefgang, die den Lesern Lust auf Geschichte macht.

Wie immer war für die studierte Germanistin und Romanistin eine akribische Recherche fester Bestandteil beim Schreiben. Zwei bis drei Monate nimmt sie sich Zeit, um die Fakten für einen neuen Roman zusammenzutragen, bevor es an den groben Handlungsentwurf geht. Danach folgt das Feintuning: Die Handlung und die Personen werden ausgearbeitet, für jede Figur wird eine Datei angelegt.

Die erste Seite ist die schwierigste

Erst dann beginnt das eigentliche Schreiben, wobei der Anfang die größte Herausforderung ist: „Der erste Abschnitt, die erste Seite ist das Schwierigste“, sagt sie. „Da hocke ich schon mal einen ganzen Tag dran, aber dann kommt das Schreiben ins Rollen.“

Anders als viele vielleicht annehmen, arbeitet die Autorin mit absoluter Disziplin. Fast täglich entstehen von 8.30 bis 13 Uhr vier bis fünf neue Seiten, nachmittags stehen Korrekturen der neuen Seiten auf dem Programm, Recherchen zu Hintergrundinformationen und natürlich der Mailverkehr, der täglich bewältigt werden muss. Schreibblockaden? „Ja klar, die hab’ ich auch“, sagt sie lachend, wobei diese glücklicherweise aber nicht lange andauern. Irgendwas gibt es als Ausweichmöglichkeit dann immer zu recherchieren, „und zu 99 Prozent geht es am nächsten Tag gut weiter“.

Es ist bereits das 17. Buch der Erfolgsautorin

Mit der „Räuberbraut“ erscheint das 17. Buch der Erfolgsautorin, seit 2003 kommt mindestens eins im Jahr auf die Büchertische. Voraussetzung für so viel Schaffenskraft sind nicht nur ständig neue Ideen und eine Menge Lust am Schreiben, sondern auch eine 40- bis 50-Stunden-Woche.

Außer Weihnachten und Ostern interessierten sie Feiertage wenig, erzählt Astrid Fritz, und von sechs Wochen Urlaub im Jahr kann sie nur träumen. Dafür kann die freie Autorin von ihren Büchern leben, die allesamt an ihrem Schreibtisch im Reihenhaus in Neustadt entstehen. „Ich brauche meine Ruhe und meine Arbeitsumgebung“, erklärt sie: „Arbeiten unterm Apfelbaum, das geht für mich nicht.“ Doch ein Häusle am Meer mit Blick nach draußen fände sie traumhaft.

Neue Ideen gibt es für eine Fortsetzung der „Deschperate Housewives“

Gerade ist das neueste Buch erschienen, doch Astrid Fritz wäre nicht Astrid Fritz, wenn sie nicht bereits an einem neuen Roman arbeiten würde. Im Mittelpunkt steht Heinrich Kramer, erbitterter Hexenverfolger und Autor des „Hexenhammers“ – ein Buch, das zahlreichen Frauen seiner Zeit den Tod gebracht hat.

Neue Ideen gibt es auch für eine Fortsetzung des Reihenhaus-Romans „Deschperate Housewives“ und für die Serafina-Reihe: Wie es bei der vorwitzigen Nonne und Ermittlerin weitergeht, wollen nämlich viele Leser wissen.


Autorenlesung

  • „Die Räuberbraut“ von Astrid Fritz hat 495 Seiten und ist im Wunderlich Verlag erschienen. Preis 19,95 Euro.
  • Eine Lesung findet am 15. September um 19 Uhr im Weingut Maier, Zehnmorgenweg 2, in Schwaikheim statt. Eine Anmeldung ist nötig, Telefon 0 71 95/55 65. In der Reihe „Literatur zur Kaffeezeit“ liest Astrid Fritz am 25. Oktober um 15 Uhr in der Stadtbücherei Waiblingen aus der „Räuberbraut“.