Waiblingen

Attacke gegen Schiedsrichter: 3000 Euro Geldstrafe

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Symbolbild. © ZVW/Danny Galm

Waiblingen. Das Fußballspiel war bis zur 53. Minute ruhig verlaufen. Dann aber rastete der Spieler Alexandros K. aus. Nach einer Entscheidung des Schiedsrichters bedrohte und beleidigte er den Mann und stieß ihn zu Boden. Für seine Attacke wurde er vom Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 3000 Euro verurteilt. „Es ist nicht erklärbar, wie man so die Nerven verlieren kann“, befand Richter Steffen Kärcher.

„Er war mit dem Schiedsrichter unzufrieden“, so die höfliche Umschreibung des Staatsanwaltes für das, was im Juli 2017 auf dem Sportplatz Am Oberen Ring passiert war. Grund für die Attacke war eine Elfmeter-Entscheidung, die eine kleine, aber heftige Kettenreaktion auslöste.

Ein absolutes Tabu auf dem Spielfeld

Zunächst hatte ein anderer Spieler der griechischen Mannschaft den Schiedsrichter angegangen. Der Spieler habe ihn angebrüllt, was er für einen Scheiß pfeifen würde und ihn im Gesicht angefasst, berichtete der Schiedsrichter im Zeugenstand.

Letzteres ein absolutes Tabu auf dem Spielfeld und Grund für einen Platzverweis. „Ich wollte die rote Karte zeigen und habe mich umgedreht“, berichtete der Schiedsrichter weiter. Plötzlich sei Alexandros K. auf ihn zugelaufen, habe ihn A*loch genannt, ,fick dich’ und,ich bring dich um’ gerufen und ihn mit vollem Anlauf umgeworfen.

Ein paar Minuten sei er benommen auf dem Boden sitzengeblieben, die gegnerische Mannschaft habe ihm dann beim Aufstehen geholfen. Vor der Kabine sei er von Spielern der griechischen Mannschaft nochmals angemacht worden.

Als Deutscher mit kurdischen Wurzeln habe er selbst Migrationshintergrund. „Ich hatte noch nie Probleme mit ausländischen Mannschaften“, versicherte er noch immer sichtlich betroffen. Das Spiel wurde abgebrochen und später als Sieg der gegnerischen Mannschaft gewertet.

„Der Schiedsrichter hat sich mit Absicht hingesetzt!“

Für Alexandros K. war es allerdings nicht zu Ende. Vom Sportgericht des Fußballbezirks wurde er für 15 Monaten gesperrt mit der Auflage, an einer Gewaltprävention teilzunehmen. An den Schiedsrichter hat er mittlerweile Schmerzensgeld gezahlt. Nun stand er vor dem Amtsgericht Waiblingen – und stritt den Vorgang zumindest in Teilen kühn ab.

„Ich habe den Schiedsrichter nicht bedroht“, beteuerte er. Er habe ihn lediglich weggeschubst, weil der Schiedsrichter seinerseits seinen Mitspieler mit der Brust weggeschoben habe. „Der Schiedsrichter hat sich mit Absicht hingesetzt“, behauptete K..

Damit überzeugte er weder den Staatsanwalt noch den Richter. Attacken und Beleidigungen – „Dinge am Rande der Nachvollziehbarkeit“ – hätten auf dem Fußballplatz nichts verloren, so der Staatsanwalt. Zweifel meldete die Verteidigerin an: Zwar habe der Angeklagte den Schiedsrichter geschubst, doch der sei danach geistig und körperlich fit gewesen, behauptete sie.

„Es war eine aufgebrachte Situation. Es bestand keine Ernsthaftigkeit, dass er den Schiedsrichter töten wollte. Im Streit fallen solchen Sätze.“ Sie plädierte „für eine geringe Geldstrafe“. Am Ende verurteilte ihn Richter Steffen Kärcher wegen seines „erheblichen Übergriffs“ zu einer Geldstrafe von 3000 Euro. Auch für Kärcher war klar: „Es kann nicht sein, dass das nicht sanktioniert wird.“


Opfer wurde inzwischen abgeschoben

Wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung musste sich Alexandros K. in derselben Verhandlung zusammen mit dem Wirt Vasilidis P. (Name geändert) verantworten. Ihnen wurde vorgeworfen, einen aggressiven und auffälligen Gast unweit der Gaststätte von P. zu Boden gebracht, fixiert und auf ihn eingeschlagen zu haben. Während der Mann auf dem Boden lag und aufzustehen versuchte, soll ihn ein dritter Mann getreten haben. Dieser dritte Mann wurde allerdings nie gefunden. Nach der Tat wurde das Opfer von einem Notarzt versorgt, musste aber nicht ins Krankenhaus. Er habe rumgeschrien und Parolen von Mafia und Faschismus von sich gegeben, berichtete der ermittelnde Polizeibeamte. Nach Aussagen der Polizei war das rund 1,90 Meter große und kräftige Opfer aus Georgien geistig verwirrt, eine förmliche Vernehmung auch Tage später deshalb nicht möglich.

Alexandros K. und Vasilidis P. gaben an, aus Notwehr gehandelt zu haben und den dritten Mann nicht zu kennen. Der geschädigte Mann aus Georgien wurde inzwischen abgeschoben. Das Verfahren gegen die Angeklagten wurde gegen eine Geldauflage von 1000 Euro eingestellt.