Waiblingen

Auch starke Männer müssen Abstand halten: So läuft der Neustart der Fitnessstudios

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Ob beim Bankdrücken oder anderswo: Die einzuhaltenden Abstände sind klar markiert. © Gaby Schneider

Das Leben ist wieder eingekehrt in die Fitnessstudios. Im „Clever fit“ am Waiblinger Tor etwa stählen starke Männer wieder ihre Muskeln, ein Senioren-Paar hält sich mit wohldosierten Übungen in Schwung, und im Kursraum folgt eine kleine Gruppe von Frauen den Anweisungen der Yogalehrerin. Obwohl die Freude über den Neustart überwiegt, sagt Studioleiterin Larissa Wörner aber auch: „Das ist kein normales Training.“ Der Betreiber eines anderen Studios nennt die Situation „wirklich hart“.

Die einschneidendste Veränderung für alle Nutzer von Fitnessstudios: Die Duschen und Umkleiden müssen geschlossen bleiben. Was in der Konsequenz bedeutet, dass die Besucher schon in Sportklamotten ins Haus kommen müssen – ganz im Gegensatz zu der sonst üblichen Praxis. Vor gewisse Probleme stellt das besonders diejenigen, die direkt von der Arbeit zum Training kommen. So hat Larissa Wörner schon einige Mitglieder beobachtet, die sich auf dem Parkplatz am Auto umziehen: „Tja, man wird eben kreativ“, schmunzelt sie.

Die Plauderei zwischendurch gibt’s nur eingeschränkt

Mittels großer Mengen an Klebestreifen sind die Laufwege markiert, damit die Besucher sich nicht in die Quere kommen. Viele Geräte wurden weiter auseinandergerückt, um mindestens zwei Meter Abstand einzuhalten. Wo sich das aus Platzmangel nicht machen ließ, wurden sie mit Sperrband abgehängt - vor allem im Cardiobereich mit den Laufbändern und Steh-Fahrrädern. Die verbliebenen Geräte reichen hier dennoch aus, meint die Studioleiterin, denn hochintensives Ausdauertraining muss sowieso unterbleiben. Wer so rennt, dass er keuchen muss, macht schon zu viel. Um zu überwachen, ob sich alle an die Hygieneregeln halten, geht immer ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin durchs Studio, um die Besucher nötigenfalls daran zu erinnern. Der soziale Aspekt, das Studio als Treffpunkt zum Plaudern, fällt in Pandemie-Zeiten ziemlich unter den Tisch. Dennoch: Freude und Dankbarkeit über die Wiedereröffnung überwiegen.

Kletterer sind ein gelassenes Völkchen

Etliche Besucher erzählen dem Personal, wie sie das Training herbeigesehnt haben. Viele gestehen, dass sie überflüssige Kilos angesetzt haben, die nun schleunigst wieder runtersollen. Erstaunlich: Sogar unter den jetzigen erschwerten Bedingungen kommt es zu Neuanmeldungen. „Einige haben zu Hause angefangen zu trainieren“, erzählt Larissa Wörner, „und das wollen sie jetzt im Studio fortsetzen.“ Die ersten Öffnungstage liefen in dieser Hinsicht recht erfolgreich. Wegen der Zwangspause macht die Waiblinger Filiale der „Clever fit“-Kette – Inhaber Marcus Abele gehören auch das „Clever fit“ und das „Body fit“ in Fellbach, wo die Umsetzung der Regeln genau gleich läuft – verschiedene Bonusangebote, zum Beispiel für Zusatzmonate.

Offenbar versuchen die Besucher, die Stoßzeiten am Abend zu vermeiden, sondern verteilen sich mehr auf den Tag. Am Eingang, wo im Gegensatz zum Rest des Studios Maskenpflicht herrscht, werden auch bei denen, die schon Mitglieder sind und per Armbändchen mit integriertem Chip durchs Drehkreuz gehen können, zunächst die Daten abgeglichen, um im Fall einer Corona-Infektion mögliche Kontakte nachvollziehen zu können. Das Kursangebot musste stark eingeschränkt werden. Zumba und andere intensive Trainingsformen sind untersagt, ruhige Übungen wie Yoga hingegen können für maximal neun Personen stattfinden – allerdings müssen sich Interessierte vorher anmelden. Beim „herabschauenden Hund“ oder beim „Sonnengruß“ stehen jeder Teilnehmerin oder jedem Teilnehmer exakt zehn Quadratmeter zur Verfügung. Dazwischen sind wiederum Laufwege markiert.

Einen verhaltenen Neustart vermeldet Timo Marschner vom „Active Garden“, das in Korb eine Kletterhalle und in Waiblingen eine Boulder-Halle mit „Ninja Warrior“-Parcours betreibt. Das warme Wetter mag bei der anfänglichen Zurückhaltung eine Rolle gespielt haben – das Wochenende lässt anderes erwarten. Wegen des Infektionsschutzes muss an den Kletterwänden jede zweite Hakenreihe frei bleiben. Allgemein reagieren die Besucher mit viel Verständnis und Geduld auf die Beschränkungen, auch wenn beim Einchecken mal eine Wartezeit nötig wird. „Die Kletterer sind einfach ein gechilltes Völkchen“, weiß Timo Marschner als Kenner der Szene und zeigt sich optimistisch: „Wir hoffen, im Juni schwarze Zahlen schreiben zu können.“

Der Squashbereich kann kaum genutzt werden

Einen Besucherrückgang um mehr als die Hälfte gegenüber normalen Zeiten beobachtet Thomas Röhrle, Geschäftsführer der Fitness Company im Eisental. Besonders schmerzt ihn, dass der mehr als 800 Quadratmeter große Squashbereich fast nicht genutzt werden kann. Das Verständnis für Abstandhalten und Hygiene sei bei den Besuchern stark unterschiedlich ausgeprägt. Die einen nähmen die Regeln sehr ernst, andere nicht - das führe gelegentlich zu Konflikten. Viele Mitglieder erweisen sich solidarisch mit dem Studio, andere kündigen oder pochen auf Erstattung. Die wirtschaftliche Situation sei „wirklich hart“, eine Zukunftsprognose könne er derzeit nicht abgeben. Der für gewöhnlich besucherstarke Herbst werde zeigen, ob der Betrieb dann wieder normal läuft. „Wir tun alles dafür!“ Von der Politik erhofft er sich eine gezielte Senkung der Umsatzsteuer: „Das würde uns Fitnessstudios dauerhaft helfen.“

Das Leben ist wieder eingekehrt in die Fitnessstudios. Im „Clever fit“ am Waiblinger Tor etwa stählen starke Männer wieder ihre Muskeln, ein Senioren-Paar hält sich mit wohldosierten Übungen in Schwung, und im Kursraum folgt eine kleine Gruppe von Frauen den Anweisungen der Yogalehrerin. Obwohl die Freude über den Neustart überwiegt, sagt Studioleiterin Larissa Wörner aber auch: „Das ist kein normales Training.“ Der Betreiber eines anderen Studios nennt die Situation „wirklich

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