Waiblingen

Aufruf des Korber Asylbewerbers: Text stammt aus Sachsen-Anhalt

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Inhaltlich steht Majed Mahouk voll hinter dem Aufruf. Geschrieben hat er ihn nicht. © Mathias Ellwanger

Korb. Der Aufruf des Korber Flüchtlings Majed Mahouk zu den Vorfällen in Köln hat hohe Wellen geschlagen. Tatsächlich trifft der von unseren Lesern erhobene Vorworf, der dem syrischen Studenten zugeschriebeText sei eine fast identische Kopie des Offenen Briefs der Flüchtlinge aus Köthen, zu.

Insofern kann Majed Mahouk nicht der Autor sein, wie in dem Bericht am Dienstag behauptet. Die viel kritisierte Anmoderation des Textes, den ursprünglich eine Flüchtlingsgruppe in Köthen (Anhalt) verfasst hatte, stammt von der Korberin Ruth Messer, die zehn syrische Flüchtlinge im Korber Camp betreut. Sie hatte der Redaktion Majed Mahouks Aufruf an die deutschen Frauen mit Foto zugesandt, versehen mit einem Vorspann, in dem sie schrieb: "Als sie (die Flüchtlinge) nun von den erschreckenden Geschehnissen in der Silvesternacht in Köln erfuhren und davon hörten, dass möglicherweise auch syrische Flüchtlinge unter den Tätern gewesen sein sollen, hat der junge Student Majed Mahouk für die Gruppe der syrischen Flüchtlinge in Korb einen Aufruf an die Frauen verfasst: „Bitte habt keine Angst!“ Der junge Syrer hofft, dass seine Zeilen von vielen Menschen gelesen werden und er so helfen könnte, Flüchtlinge nicht unter Generalverdacht zu stellen." 

"Inhaltlich sind es seine Zeilen"

Auf Rückfrage der Redaktion stellt Ruth Messer diese Falschmeldung nun so dar, dass es sich bei dem Text "inhaltlich" um Mahouks Zeilen handele. "Ich kann dazu soviel sagen, dass Majed Mahouk mir den Text handschriftlich gab, und auf meine Nachfrage, wer ihn geschrieben habe, sagte, er habe diesen mit Hilfe von Freunden - auch über’s Internet - niedergeschrieben. Kleine grammatikalische Richtigstellungen habe ich noch selbst vorgenommen. Und als des Deutschen noch nicht mächtig, holt man sich wohl Sätze aus dem Internet, was ich als ehrenamtlich tätige Sprachhelferin ja nicht schlecht heißen kann. Doch selbst wenn M.M. den Aufruf von Freunden (vielleicht aus Köthen?) mitverarbeitet/übernommen hat, bleibt die Tatsache, dass Majed Mahouk den Text ins Arabische übersetzt, ihn mit den anderen arabisch sprechenden Flüchtlingen in Korb besprochen hat und diese Worte genau die Gefühle wiedergaben, die alle empfanden (und noch empfinden). Wichtig und richtig bleibt: Majed Mahouk hat diesen Text handschriftlich niedergeschrieben (woher auch immer) mit genau der Bitte, dass diese Zeilen von vielen Menschen gelesen werden und helfen sollen, Flüchtlinge nicht unter Generalverdacht zu stellen. Für Herrn Mahouk sind es inhaltlich „seine Zeilen“. Richtig ist aber auch, dass der syrische Student, der seit drei Monaten in Korb lebt und noch Deutsch lernt, nicht der Autor des Aufrufs ist.

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