Waiblingen

Aus für Secondhand-Kindermode

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Tanja Köck zwischen Anoraks, Stramplern und Sonnenhüten im schmucken Secondhand-Laden. © Ralph Steinemann Pressefoto

Waiblingen. Zwei süße Strampelanzüge fürs neue Baby gefällig, dazu ein Paar Marken-Sportschuhe für die große Schwester zum Toben, das alles für insgesamt nur 15 Euro? Mode aus zweiter Hand ist die sinnvolle Alternative für Neuware vom Filialisten – wird aber zu selten genutzt: Der Secondhand-Laden „Kleine Strolche“ muss schließen.

Sauber, aufgeräumt, schöne Ware, ansprechend präsentiert: Eigentlich scheint alles zu stimmen im Kinder-Secondhand-Laden „Kleine Strolche“ in der Schmidener Straße. Doch ein Schild an der Ladentür verkündet die Nachricht: Zum 31. Juli ist Schluss, bis dahin läuft der Räumungsverkauf mit 30 Prozent Rabatt auf alles. „Das ist nicht ihr Ernst, oder?“, fragt so manche zufriedene Kundin fassungslos. Ist es aber. Die 44-jährige Inhaberin Tanja Köck hört aus betriebswirtschaftlichen Gründen auf, denn die Umsätze gingen sukzessive zurück. Besonders das Jahr 2017 lief bisher so, dass sich das Geschäft schlicht nicht mehr lohnte. Allgemein, das ist auch aus anderen Orten zu hören, tun sich Secondhand-Geschäfte schwer auf dem Markt. Die Kundschaft, die den „Strolchen“ die Treue hielt, bedauert die Entscheidung von Tanja Köck. Für sie ist das Abenteuer Selbstständigkeit damit beendet, die gelernte Webdesignerin sucht jetzt wieder einen Teilzeitjob als Angestellte.

Tanja Köck übernahm im Jahr 2014

Im Oktober 2014 übernahm Tanja Köck den Laden von ihrer Vorgängerin. Damals bestand er schon einige Jahre als „Principessa“ in der Winnender Straße, davor in der Ludwigsburger Straße. Die heutige Betreiberin war damals selbst Kundin und erfuhr, als sie in der Schwangerschaft für ihr zweites Kind einkaufte, dass die Chefin aus persönlichen Gründen den Laden aufzugeben plante. „Zunächst reagierte ich wie meine Kunden heute: fassungslos.“ Auf der Heimfahrt dann reifte in ihr eine Idee: Wenn sie den Laden selbst übernehmen würde, könnte sie Beruf und Kinderbetreuung problemlos unter einen Hut bringen. Vorgängerin und Vermieter waren einverstanden. Auch jetzt noch, da Sohnemann Laurenz vormittags den Kindergarten besucht, nimmt sie ihn nachmittags mit in den Laden. Das ging eine ganze Weile gut, und: „Mein Vermieter hätte mich gerne behalten.“

Ware kam von Kunden 

Ihre Ware bekam Tanja Köck von ihren Kunden: Die lieferten Kartons mit ausgedienten Klamotten ab – die Händlerin suchte das Beste aus und bezahlte dafür. Schuhe nahm sie für ein halbes Jahr in Kommission, nach Verkauf gingen 60 Prozent an die abgebenden Kunden. Acht Umzugskartons mit Kinderkleidern schickte sie jüngst mit dem wohltätigen Verein „Helfer auf Achse“ nach Rumänien, sie wurden dort an Kinder in Armutsregionen verteilt.

"Die Gesellschaft tickt leider anders"

Die zweifache Mutter kauft selbst Mode aus zweiter Hand. Gerade bei Kinderkleidung lohne sich die Suche nach Secondhand-Sachen. Denn die Kleinen wachsen oft so schnell raus, dass Gebrauchtes oft noch so gut wie neu in den Laden kommt. Nur logisch, dass wo immer von Ökologie und ressourcenschonendem, fairem Konsum die Rede ist, das Einkaufen bei Secondhand-Läden empfohlen wird. Secondhand-Käufer müssen sich weniger Gedanken über unfaire Produktionsbedingungen machen und Kleider auch nicht extra oft waschen, um Giftstoffe rauszubekommen. „Aber die Gesellschaft tickt leider anders“, das musste Tanja Köck schmerzlich erleben. Mächtig ist die Konkurrenz durch billige Filialisten, die preislich kaum über Secondhand-Niveau liegen.

Auch bei niedrigen Preisen wird gehandelt 

Durch die vielen Kleiderbörsen von Kirchen und Vereinen wird die Lage für die Secondhand-Läden nicht besser. „Ich bin kein Basar“, sagt Tanja Köck. Aber immer wieder kommt es vor, dass Kunden bei Preisen um die 3,80 Euro noch feilschen wollen. Dabei verfüge ein Laden, der Fixkosten wie Miete und Versicherungen zu bewältigen hat, über wenig finanziellen Spielraum. Rabatte gab’s für Vielkäufer. Aus Sicht der „Strolche“-Betreiberin haben feste Läden jedoch einige Vorteile gegenüber Börsen: Hier muss sich niemand mit Ellenbogen durchsetzen. Kunden können gemütlich stöbern und gezielt nach den Dingen suchen, die gerade gebraucht werden. Unabhängig von Basar-Terminen.