Waiblingen

Aus Rache: Familienvater überfällt und verprügelt Nachbarn

Amtsgericht Waiblingen
Am Amtsgericht Waiblingen wird derzeit gegen einen 24-Jährigen verhandelt, der zwei junge Frauen angegriffen haben soll. Er sitzt seit April dieses Jahres in U-Haft. © Büttner / ZVW

Waiblingen. Ein junger Mann soll in einem Wutanfall zwei Schwestern beleidigt haben. Deren Vater soll daraufhin gemeinsam mit seinem Schwager den 24-Jährigen überfallen und verprügelt haben. Der ganze Vorfall war offenbar der Gipfel eines lange schwelenden Nachbarschaftsstreits – und landete vor dem Amtsgericht Waiblingen.

Wenn Nachbarn sich streiten, endet das manchmal unschön. So auch in einem Fall, der nun vor dem Waiblinger Amtsgericht verhandelt wurde. Schon seit dem Einzug des 24-Jährigen waren sich die Nachbarn offenbar nicht grün: Die Großfamilie eines 51-Jährigen fühlte sich des Öfteren belästigt von der Musik des jungen Mannes.

Viele Schuhe vor der Wohnungstür stören 24-Jährigen

Er wiederum fühlte sich gegängelt durch Regeln wie „Ab 21 Uhr ist hier Nachtruhe“, die der Familienvater mit der Begründung „Ich wohne schon seit 20 Jahren hier“ aufgestellt haben soll, und gestört von den vielen Schuhen der Familie vor der Wohnungstür.

Aufnahme zeigt Ausraster

Es scheint hin und her gegangen zu sein, bis es eines Tages eskalierte. Deshalb sind die Beteiligten nun allesamt vor Gericht gelandet. Und so kam es dazu: Der junge Mann soll eines Vormittags in einem Wutanfall gegen die Wand gehauen und zwei Töchter der Großfamilie wild beschimpft und sogar bedroht haben. Unflätige Worte sollen dabei gefallen sein. Zunächst streitet der Mann den Vorfall ab. Als allerdings eine der Schwestern vor Gericht eine Aufnahme des Ausrasters vorspielt, räumt er die Beleidigung ein. Bedroht habe er aber niemanden. Davon ist auch auf der Aufnahme nichts zu hören. Seine Begründung ist einfach: Er habe sich gestört gefühlt, weil die beiden jungen Frauen in ihrer Wohnung gelärmt hätten. „Die haben mit Stöcken auf die Heizung und gegen die Wand geschlagen“, so seine Aussage.

Vater wollte Angelegenheit auf seine Art klären

Die Schwestern wiederum wollen nur die Wohnung geputzt haben. Das sagt die ältere der beiden als Zeugin aus. Sie hätten gestaubsaugt, plötzlich sei der Nachbar ausgerastet, lautet die unschuldige Version der beiden. Wohl aber haben sie ihrem Vater von dem Vorfall erzählt, worauf der beschloss, die Angelegenheit auf seine Art zu klären: Mit einem Besenstiel soll er ans Fenster des jüngeren Mannes geklopft und ihn zur Rede gestellt haben. Der war offenbar nicht bereit, das Fenster zu öffnen. Ob er dabei als Antwort gab, der Nachbar solle das mit seinem Geschlechtsteil klären, bleibt unklar.

24-Jähriger wird überfallen und zusammengeschlagen

Klar ist allerdings, dass der jüngere Mann an diesem Abend seine Wohnung verließ, um sich mit einem Bekannten zu treffen. Ein paar hundert Meter entfernt wurde er überfallen und zusammengeschlagen. Die Angreifer hat er erkannt: Es waren sein Nachbar und dessen Schwager, der zu dem Zeitpunkt bei der Familie wohnte. Der 24-Jährige trug eine Schädelprellung, mehrere Schürfwunden und einen geprellten Finger davon und wurde im Krankenhaus behandelt. Eine Zeugin, die an besagtem Abend hinzugekommen war, bestätigte, sie habe zwei Männer wegrennen sehen. In der Vernehmung auf der Polizeiwache identifizierte der junge Mann den zweiten Angreifer auf einem Foto. Eine Polizistin schilderte den Verletzten an jenem Abend als „im psychischen Ausnahmezustand“. Er sei sehr aufgewühlt gewesen, erfahrungsmäßig gehe sie davon aus, dass Drogen im Spiel waren. An der Glaubwürdigkeit seiner Aussage zweifelte sie aber nicht.

"Eine Beleidigung rechtfertigt keine Körperverletzung"

„Ich lehne mich jetzt mal weit aus dem Fenster und behaupte, dass es nicht unplausibel ist, dass es auch eine Bedrohung gab“, wendet sich der Richter Dustin Dautel am Ende mahnend an den jüngsten Angeklagten. Dennoch wird das Verfahren gegen ihn auf Vorschlag des Richters eingestellt. Er bleibt also straffrei. Der Grund: Er ist vor Kurzem wegen einer anderen Sache zu einer Geldstrafe verurteilt worden – nach Auffassung des Richters und der Staatsanwaltschaft Strafe genug für beide Vergehen. Etwas anders sieht die Sache für die beiden anderen Angeklagten aus. Da möchte die Staatsanwältin sich wenn überhaupt nur gegen eine hohe Geldauflage auf eine Einstellung einlassen. „Nachbarschaftsstreitigkeiten hin oder her, eine Beleidigung rechtfertigt keine Körperverletzung“, betont sie.

1200 Euro Geldstrafe

Da beide nicht vorbestraft sind, stimmt sie schließlich zu. Das Verfahren auch gegen diese beiden Angeklagten wird eingestellt, jeder von ihnen muss eine Strafe von 1200 Euro zahlen. Das Geld kommt der Tierklinik Stetten zugute.