Waiblingen

Aus Spaß wird Ernst: Waiblinger überfährt Bekannten mit dem Auto und wird verurteilt

Überfahren
Symbolfoto: Das Auto hat den Fuß und sogar das ganze Bein des jungen Mannes überrollt. © ZVW/Habermann

Ob es nur ein missglückter Spaß war oder doch mehr dahintersteckt, das konnte vor Gericht nicht endgültig geklärt werden. Fest steht: Der 22-jährige Angeklagte ist mit seinem Auto einem 19-jährigen Bekannten über den Fuß gefahren und hat damit eine gefährliche Körperverletzung begangen. Dafür wurde er nun vom Amtsgericht Waiblingen zu einer sechsmonatigen Haftstrafe verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wird.

Das war geschehen: Der Angeklagte hatte sich im September des vergangenen Jahres mit mehreren Freunden und Bekannten auf dem Parkplatz eines Betriebsgeländes in Waiblingen getroffen. Nach der Verabschiedung war der junge Mann aus Waiblingen mit einem Freund, der in dem Verfahren als Zeuge geladen war, in seinen Mercedes gestiegen. Der 22-jährige Beifahrer hatte einen Bekannten, der ebenfalls an dem Treffen teilgenommen hatte, zum Auto gerufen. Als dieser herangetreten war, hielt er den Mann durch das geöffnete Fenster fest – und der Angeklagte fuhr los. Der Geschädigte wurde einige Meter mitgeschleift und stürzte schließlich. Sein Bein wurde von dem Auto überrollt.

„Ich habe versucht zu bremsen, aber da war es schon zu spät“

Der Angeklagte sagte vor Gericht aus, dass er das Geschehen an seinem Beifahrerfenster zu spät mitbekommen habe: „Ich bin eingestiegen, habe den Motor gestartet und mich dann angeschnallt. Als ich losfahren wollte, habe ich gesehen, dass der Beifahrer jemanden festhielt, da habe ich dann versucht zu bremsen, aber da war es schon zu spät.“ Er sei circa fünf bis sieben Meter weit gefahren, etwas schneller als Schrittgeschwindigkeit.

Dass der Angeklagte den Bekannten am Beifahrerfenster nicht gesehen habe, sagte auch der Beifahrer als Zeuge vor Gericht aus: „Ansonsten wäre er ja nicht losgefahren.“ Richterin Thümmel wollte von dem Zeugen wissen, warum er den Bekannten überhaupt festgehalten hatte: „Aus Spaß. Wir haben früher oft miteinander gerungen“, gab der Zeuge an.

Für den 19-jährigen Geschädigten aus Korb, der ebenfalls vor Gericht aussagte, wurde aus dem vermeintlichen Spaß dann Ernst: „Wir haben uns häufig aus Spaß geprügelt und ich wusste auch genau, was passieren würde, wenn ich zu dem Auto hingehe.“ Er habe erwartet, dass er und der Beifahrer – wie so oft – Faxen machen würden. „Ich hätte aber nie gedacht, dass der Angeklagte losfährt. Ich weiß nicht, ob das ein Spiel oder so geplant war.“ Er habe dem Angeklagten noch zugerufen, dass er nicht losfahren solle. Ob dieser das allerdings gehört habe oder nicht, konnte der junge Mann vor Gericht nicht sagen. Der Angeklagte habe ihn aber gesehen, ist er sicher.

Das linke Bein und den Fuß überrollt

Er sei von dem fahrenden Auto zunächst mitgeschleift worden, dann gestürzt und auf den Kopf gefallen. Das Auto habe sein linkes Bein und den Fuß überrollt. „Ich konnte mein linkes Bein komplett nicht mehr spüren“, sagte der 19-Jährige aus.

Streitigkeiten oder Groll hatte es zwischen den Beteiligten nicht gegeben, das bestätigten sowohl der Angeklagte als auch der Beifahrer und der Geschädigte vor Gericht. „Probleme hatten wir noch nie“, sagte der Angeklagte. Er habe sich bei seinem Bekannten während dessen Krankenhausaufenthaltes entschuldigt und es sei alles in Ordnung gewesen.

Keine Entschuldigung: Anzeige erstattet

Dennoch erstattete der Geschädigte Anzeige. Der Angeklagte vermutet dahinter eine Intrige: Jemand aus dem Bekanntenkreis habe dem 19-Jährigen geraten, ihn anzuzeigen, weil die Familie des Angeklagten reich und so Schmerzensgeld bei ihm zu holen sei. Der Beifahrer ist derselben Ansicht. Einen Beweis für diese Behauptung haben aber weder der Angeklagte noch der Beifahrer – die entsprechenden Chatverläufe existieren angeblich nicht mehr.

Der Geschädigte hingegen sagte aus, er habe von dem Angeklagten nie eine Entschuldigung erhalten und die Anzeige – die er gleichwohl zwischenzeitlich wieder zurücknehmen wollte – sei seine alleinige Entscheidung gewesen.

Familie mischt sich ein 

Die Sachbearbeiterin des Falles, eine 34-jährige Polizeibeamtin, vermutet hinter diesem Hin und Her um die Anzeige eine Einmischung der Eltern und einen familiären Hintergrund: „Ich glaube, dass da familiär alles verstrickt ist.“ Tatsächlich kennen sich der Angeklagte und der Geschädigte von klein auf. „Eventuell gab es da in den Familien schon Vorgeschichten“, sagte die Polizeibeamtin im Zeugenstand.

Sie berichtete auch von einer Beobachtung aus dem Vorraum des Verhandlungssaals: Der Geschädigte sei nach seiner Aussage von einem älteren Mann – wohl der Vater des Fahrers oder des Beifahrers – ins Verhör genommen worden. „Das war schon ‘ne knackige Befragung“, so die Polizistin.

Hat der Angeklagte fahrlässig gehandelt oder mit Vorsatz?

Für die juristische Bewertung des Falls war das Verhältnis der Familien untereinander aber nicht entscheidend. Zu klären war vielmehr die Frage, ob der junge Mann die Rangelei am Beifahrerfenster mitbekommen hat oder nicht. Handelte er also mit Vorsatz oder aus Fahrlässigkeit?

Das Gericht entschied, dass der 22-Jährige die Rangelei mitbekommen haben muss und durch das Losfahren jedenfalls billigend in Kauf genommen hat, den Bekannten zu verletzen. Richterin Thümmel ging also von einer vorsätzlichen Körperverletzung aus.

Weil das Auto im strafrechtlichen Sinne ein „gefährliches Werkzeug“ darstellt, hat der junge Mann zudem durch das Überfahren nicht nur eine einfache, sondern eine gefährliche Körperverletzung begangen. Für diese sieht das Gesetz einen Strafrahmen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe vor.

Letztlich wurde gegen den 22-Jährigen eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, verhängt. Damit blieb das Gericht hinter dem Antrag der Staatsanwaltschaft zurück, die eine neunmonatige Bewährungsstrafe gefordert hatte. Der Verteidiger hatte auf Fahrlässigkeit plädiert und lediglich ein Fahrverbot gefordert.

Den Führerschein bekommt er erst in fünf Monaten zurück

Richterin Thümmel sagte zur Urteilsbegründung: „Wir sind hier am untersten Rand des Vorsatzes, aber die Gefährlichkeit des Autos muss berücksichtigt werden.“ Der Führerschein des jungen Mannes, der bereits im Februar eingezogen wurde, bleibt noch weitere fünf Monate in amtlicher Verwahrung. Zudem wurde als Bewährungsauflage die Zahlung von 1000 Euro an einen gemeinnützigen Verein bestimmt.

Das Gericht sah für den jungen Mann eine günstige Sozialprognose und hielt daher eine Bewährungsstrafe für ausreichend: „Sie haben einen Job und sind sozial integriert“, sagte die Vorsitzende Thümmel. Das Urteil, gegen das er noch in Berufung gehen kann, solle dem Mann aber eine Warnung sein.

Ob es nur ein missglückter Spaß war oder doch mehr dahintersteckt, das konnte vor Gericht nicht endgültig geklärt werden. Fest steht: Der 22-jährige Angeklagte ist mit seinem Auto einem 19-jährigen Bekannten über den Fuß gefahren und hat damit eine gefährliche Körperverletzung begangen. Dafür wurde er nun vom Amtsgericht Waiblingen zu einer sechsmonatigen Haftstrafe verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wird.

Das war geschehen: Der Angeklagte hatte sich im September des vergangenen

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