Waiblingen

Auto der Verlobten angezündet: Amtsgericht Waiblingen verhängt zwei Jahre Haft

Symbolfoto Amtsgericht
Symbolfoto. © Joachim Mogck

Unter anderem wegen Brandstiftung und Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz hat das Amtsgericht Waiblingen einen jungen Mann zu einer Gefängnisstrafe von über zwei Jahren ohne Bewährung verurteilt. Nach der Verhandlung kam es zu einem Polizeieinsatz, weil Mitglieder zweier Familien vor dem Gerichtsgebäude aneinandergerieten.

Vorausgegangen war eine völlig aus dem Ruder gelaufene Liebesbeziehung. Der junge Mann, Jahrgang 1998, und eine junge Waiblingerin hatten sich vergangenes Jahr auf einer Geburtstagsparty in Frankfurt kennengelernt. Sie seien sich sympathisch gewesen und hätten sich sofort gut verstanden, berichtete die junge Frau als Nebenklägerin und Zeugin. Zunächst habe man die Telefonnummern ausgetauscht, dann über Social Media den Kontakt gehalten, sich schließlich heimlich getroffen und in Hotels zusammen übernachtet.

Er fing an, sie zu kontrollieren

Anfangs sei das Verhältnis sehr gut gewesen, es habe sich allerdings drastisch verändert, nachdem sie das erste Mal miteinander Geschlechtsverkehr hatten, so die junge Frau. Er sei sich ihrer wohl sicher gewesen, habe angefangen, sie zu kontrollieren, bei ihren Treffen einzusperren und ihr den Autoschlüssel wegzunehmen.

Sie sagte auch, dass er ihr bei einem Aufenthalt in der Wohnung seiner Eltern, als diese im Urlaub waren, einen Heiratsantrag gemacht, sie später aber, nachdem sie eingeschlafen war, vergewaltigt habe. Er habe sich anschließend bei ihr entschuldigt, aber auch gedroht, dass er heimlich intime Fotos und Filme von ihr aufgenommen habe, die er in den sozialen Medien veröffentlichen und an ihre Angehörigen und Freunde verschicken könnte. Die Vorstellung, dass ihre Eltern diese Aufnahmen zu Gesicht bekämen, dass sie von den heimlichen Treffen erfahren würden, habe sie in Angst und Schrecken versetzt.

Bei einem Clubbesuch kam es zu einer Schlägerei

„Ich wollte das Beste daraus machen, aber es funktionierte nicht. Es war für mich schwer, damit umzugehen.“

Mit beiden Familien feierten sie dann vergangenes Jahr in Waiblingen Verlobung. Nach der Feier habe das Paar noch einen Club in Stuttgart besucht. Dort lernte sie eine weitere, für sie bisher unbekannte Seite an ihrem Verlobten kennen. Er sei stark betrunken gewesen, und als andere Männer versuchten, mit ihr zu flirten, sei es vor dem Club zu einer wüsten Schlägerei gekommen.

Nach dieser Eskalation hätten sie die Wohnung eines Cousins von ihr in Stuttgart aufgesucht, in der sich auch ihr Bruder aufhielt. Als ihr Bruder die blutigen Hände ihres Verlobten und ihr über und über mit Blut beflecktes Kleid sah, habe er irrtümlicherweise angenommen, ihr Verlobter hätte sie geschlagen, und diesen mit Vorwürfen überhäuft. Sie und der Cousin hätten ihren Bruder gerade noch zurückhalten können, sonst hätte er sich auf ihren Verlobten gestürzt.

Verlobte wollte Beziehung beenden

Danach sei sie eine Woche in Urlaub gefahren, um Abstand zu dem Erlebten zu bekommen und für sich eine Entscheidung zu treffen, wie es weitergehen solle. Diese Entscheidung habe dann darin bestanden, erzählte die junge Frau, dass sie alle weiteren Versuche des Mannes zurückgewiesen habe, die Beziehung wieder aufzunehmen. Danach habe er sie an ihrem Arbeitsplatz mit Telefonanrufen traktiert, sei sogar in ihrem Büro aufgetaucht. Er habe von ihrem Konto mit ihrer Bankkarte Geld abgehoben, ihr Auto demoliert und Intimbilder von ihr verbreitet. Schließlich habe er angekündigt, sie umzubringen.

Das Amtsgericht Waiblingen erließ daraufhin eine Anordnung nach dem Gewaltschutzgesetz, aufgrund der es dem Mann verboten wurde, Kontakt zu ihr zu suchen und sich der Wohnung ihrer Eltern, in der sie lebte, auf weniger als hundert Meter zu nähern.

Mehrere Einträge im Bundeszentralregister

Der Mann, der die Mittlere Reife hat und zuletzt einen Lehrgang zum Finanzberater begonnen hatte, hat bereits sieben Einträge im Bundeszentralregister, darunter wegen Körperverletzung, räuberischer Erpressung und zuletzt wegen gemeinsamen schweren Raubs. Aufgrund dieser Verurteilung zu zwei Jahren Freiheitsentzug steht er noch bis Juni 2023 unter Bewährung. Die Erlaubnis zum Führen eines Kraftfahrzeuges wurde ihm im Oktober 2021 entzogen.

Im Oktober wurde ihm auch vorgeworfen, in einem Stuttgarter Hotel eine Frau vergewaltigt zu haben. Daraufhin wurde er in Untersuchungshaft genommen. Nach circa drei Wochen wurde er auf freien Fuß gesetzt, um bei der IHK seine Prüfung zum Finanzberater abzulegen.

"Mehrere Nasen Koks"

Knapp einen Monat später war er wieder in Waiblingen, um seine Verlobte aufzusuchen. Er fand sie aber nicht. Dann fuhr er nach Stuttgart, um ihren Bruder „zur Rede zu stellen“. Da er auch ihn nicht fand, war er mit einem Bekannten in mehreren Bars in Stuttgart, wo er „mehrere Nasen Koks“ zu sich nahm. Gegen vier Uhr in der Früh fasste er den Entschluss, zusammen mit seinem Bekannten erneut nach Waiblingen zu fahren. In einer Tankstelle kaufte er einen Benzinkanister und füllte ihn. In Waiblingen übergoss er damit die Windschutzscheibe des Autos der jungen Frau, das auf der Straße vor dem Haus ihrer Eltern geparkt war. Dann zündete er mit seinem Feuerzeug ein Papierknäuel an und warf es auf das Auto. Während der Mann und sein unbekannter Begleiter in einem Mietwagen davonfuhren, explodierte das Auto mit einem lauten Knall und brannte aus.

Der entstandene Sachschaden durch den Brandanschlag beläuft sich auf ca. 20.000 Euro, auf 4000 Euro bleibe die junge Frau sitzen, weil die Versicherung aufgrund der Demolierung in den Wochen davor nicht aufkommt, hieß es in der Gerichtsverhandlung.

Seit Dezember in U-Haft

Da sie den Mann bei der Ausführung der Tat beobachtet hatte, stellten die Ermittlungen nicht zuletzt auch dank der gespeicherten GPS-Daten des Mietwagens, der Handyortung und der Videoüberwachung der Tankstelle kein Hexenwerk dar. Nach einigen Tagen wurde gegen den Angeklagten erneut Haftbefehl erlassen, seit 1. Dezember befindet er sich in Untersuchungshaft. Er habe in diesen sechs Monaten viel Zeit gehabt, nachzudenken, versicherte er in seinem Schlusswort vor der Urteilsverkündung. Einer Versicherung, der das Gericht mit seiner Strafzumessung wohl nur bedingt Glauben schenkte, als es eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verhängte.

Zugunsten des Angeklagten spreche, dass er die Brandstiftung mittels einer von seinen Verteidigern verlesenen Erklärung eingestanden habe, so Amtsgerichtsdirektor Kirbach. Auch dass er sich für seine Tat entschuldigte und sich während der Untersuchungshaft um eine Drogentherapie bemüht habe. „Aber Sie hatten Ihre Chance. Sie standen bei der Tat unter Bewährung, waren gewarnt durch das Annäherungsverbot aufgrund des Gewaltschutzgesetzes und die Untersuchungshaft, aus der Sie noch nicht einmal einen Monat davor entlassen worden waren.“ Der Angeklagte befinde sich auf einer schiefen Ebene, auf der es nur immer weiter runtergehe.

Versuchte Entschuldigung beeindruckt wenig

Wenig beeindruckt zeigte sich das Gericht auch davon, dass die Familie des Angeklagten der jungen Frau während der Verhandlung 1500 Euro als Entschuldigung überreichte. Dabei handle es sich allenfalls um den Versuch eines Täter-Opfer-Ausgleichs, eine „erhebliche Zurückstellung der eigenen Belange“ liege nicht vor. Als Verurteilter trägt der Mann die Kosten des Verfahrens sowie die notwendigen Auslagen und Kosten, die der jungen Frau als Nebenklägerin entstanden sind.

Der Mann wurde nach der Verhandlung zurück in Haft gebracht. Das Urteil wird nach sieben Tagen rechtskräftig, falls keine Rechtsmittel eingelegt werden.

Auf den Mann kommt nach Einschätzung eines seiner beiden Verteidiger eine ganze Reihe von Strafprozessen zu, deren Gegenstand und Zahl im Moment noch überhaupt nicht abzusehen sei.

Vor dem Gerichtsgebäude in der Bahnhofstraße gab es nach der Verhandlung noch einem Tumult zwischen Mitgliedern der beiden Familien. Laut einer Polizeimitteilung kam es zu Beleidigungen, Handgreiflichkeiten und Bedrohungen. Das Polizeirevier Waiblingen ermittelt zum Vorfall.

Unter anderem wegen Brandstiftung und Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz hat das Amtsgericht Waiblingen einen jungen Mann zu einer Gefängnisstrafe von über zwei Jahren ohne Bewährung verurteilt. Nach der Verhandlung kam es zu einem Polizeieinsatz, weil Mitglieder zweier Familien vor dem Gerichtsgebäude aneinandergerieten.

Vorausgegangen war eine völlig aus dem Ruder gelaufene Liebesbeziehung. Der junge Mann, Jahrgang 1998, und eine junge Waiblingerin hatten sich vergangenes Jahr

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