Waiblingen

Autogas: Eine Alternative zu Diesel?

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Autogas LPG und Erdgas sind in Italien sehr viel verbreiteter als in Deutschland. © Habermann / ZVW

Waiblingen. Dieselskandal, Umweltbelastung, drohende Fahrverbote: Die Nachfrage nach Diesel-Fahrzeugen verringerte sich 2017 gegenüber dem Vorjahr um 9,1 Prozent. Dafür wächst offenbar das Interesse an alternativen Kraftstoffvarianten wie Autogas und Erdgas. Welche Argumente sprechen für den Wechsel?

Laut Halbjahresbilanz des Kraftfahrt-Bundesamtes wiesen Autogas-Fahrzeuge (Liquefied Petroleum Gas, kurz LPG) in der ersten Jahreshälfte 2017 bei den Neuzulassungen ein Wachstum von 38,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aus. Hingegen verringerten sich die Neuzulassungen von Diesel-Pkw um 9,1 Prozent. „Die Verbraucher verfolgen die anhaltenden Diskussionen um Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge sehr genau; Autogas-Pkw warten mit drastisch verringerten Stickoxid-Emissionen auf und bieten sich als attraktive Alternative an“, erklärte Rainer Scharr, Vorsitzender des Deutschen Verbandes Flüssiggas (DVFG) anlässlich der neuen Zahlen.

„Im Test unter realen Fahrbedingungen hat sich gezeigt: Mit Autogas fiel die Stickoxid-Belastung bis zu 51-mal niedriger aus als bei einem vergleichbaren Diesel-Fahrzeug. Im Vergleich zum Benzin-Betrieb wiederum sank der Partikelausstoß um bis zu 99 Prozent - Autogas bietet damit gleich zwei zentralen Herausforderungen der Luftreinhaltung Paroli“, sagte Scharr.

Wo kann ich mein Fahrzeug umrüsten lassen?

Erich Mies ist der Geschäftsführer des Autogascenters Stuttgart. Seit elf Jahren baut er Fahrzeuge auf Autogasantrieb (LPG) um. „Bei uns ist in letzter Zeit die Nachfrage gestiegen. Wir haben ein Jahreskontingent von rund 200 Autos.“

Außer Erich Mies gibt es in der Region nur noch wenige, die sich mit dem Umbau auf Gas beschäftigen. Skeptiker beharren oft auf der Meinung, dass Autogas den Motoren schadet und über kurz oder lang zu Problemen führt. „Es gibt ja eigentlich nur noch mich als reine Autogaswerkstatt im Großraum Stuttgart. Wir haben es halt nach ein paar Jahren verstanden, den Motor so zu schützen, dass eben nichts passiert.“

Gerade bei großmotorigen Spritfressern lohnt sich der Umbau auf Gas: „Wenn Sie bei uns auf den Hof schauen, sehen Sie aktuell drei Mercedes SL V8, V8 Pickups und Mercedes Kombi V8. Wir haben aber auch kleine Fahrzeuge. Gerade arbeite ich an einem Nissan Note und einem Ford Fiesta. Die Anfragen sind da wirklich quer Beet.“

Wie steht es um das Tankstellennetz?

In Deutschland kann laut DVFG an über 7100 Tankstellen Flüssiggas getankt werden. Europaweit ist dies sogar an 40 000 Tankstellen möglich. So hat sich die Reichweite der LPG Fahrzeuge in den letzten Jahren stark vergrößert.

Bei Erdgas ist das Tankstellennetz bislang weitaus dünner besiedelt. In Deutschland kann man an rund 900 Tankstellen tanken. Europaweit gibt es um 4500 Stationen.

Welche Kosten erwarten mich beim Umbau?

Die Kosten für den Umbau auf LPG variieren je nach Motorentyp: „Es kommt auf die Zylinder an. Wir fangen beim Vierzylinder bei 1900 Euro an und hören zum Beispiel beim 4,8 Liter Porsche Cayenne Direkteinspritzer bei 3500 Euro auf.“, sagt Mies.

Ein Erdgasumbau ist dagegen deutlich aufwendiger, der mit bis zu 5000 Euro zu Buche schlägt, da aufgrund der gasförmigen Speicherung ein stabiles Hochdrucksystem nötig ist. Im Kofferraum nimmt der Erdgastank viel Platz weg, während der Kraftstofftank der LPG Anlage platzsparend in der Reserveradmulde untergebracht werden kann.

Die Kfz-Innung Rems-Murr geht von höheren Umbaukosten aus, weshalb es auch länger dauert, bis sich der Umbau amortisiert.

Wie sieht die Umweltbilanz aus?

Autogas reduziert den CO2-Ausstoß gegenüber Benzin um etwa 15 Prozent. Erdgas schneidet hier etwas besser ab. Gegenüber Benzin reduziert Erdgas den CO2 Ausstoß um rund 25 Prozent.

Wie weit komme ich mit einem Gasfahrzeug?

Mit den gängigen Tankgrößen lassen sich je nach Fahrweise und Fahrzeugtyp bis zu 400 Kilometer mit einer Gasfüllung zurücklegen. Bei bivalenten Gasautos (Benzin und Gas) kann die Gesamtreichweite auf bis zu 900 Kilometer steigen.

Allerdings steigt beim Autogasbetrieb der Verbrauch gegenüber Benzin um bis zu 20 Prozent. Der Preis für Autogas liegt zum Beispiel bei der Total-Tankstelle in Waiblingen-Hegnach derzeit bei günstigen 0,57 Euro pro Liter Autogas. Als realistischen Preis kann man durch das Aufrechnen des Mehrverbrauchs 0,69 Euro sehen.

Erdgas wird in Kilogramm verkauft und kostet derzeit an selbiger Tankstelle 0,99 Euro. Allerdings hat Erdgas eine bessere Energieeffizienz als der flüssige Gegenspieler.

Eignet sich jedes Fahrzeug für eine Umrüstung?

Für die Umrüstung auf Gas eignen sich nur Benzinmotoren. Lange gab es Einschränkungen bei Benzin-Direkteinspritzern, weil die Einspritzdüsen im Gasbetrieb überhitzen können. „Kein Motor der ab Werk eingebaut wird, ist Gasfest. Man muss ihn also über die Software schützen“, so Mies. „Es gibt ja eigentlich nur noch mich als reine Autogaswerkstatt im Großraum Stuttgart. Wir haben es halt nach ein paar Jahren verstanden, den Motor so zu schützen, dass eben nichts passiert.“

Für wen lohnt sich der Umstieg?

Für den normalen und reinen Betrieb in der Stadt lohnt sich die Umrüstung auf Gas meist nicht. „Wir haben viele Anfragen von Rentnern, da muss man wirklich klar beraten, ob es sich lohnen würde.“, so Mies. „Generell sagt man, dass sich der LPG-Umbau ab 12 000 Kilometern pro Jahr rentiert.“

Eine nützliche Hilfestellung bietet die Internetseite www.autogasrechner.de. Dort können Sie unter Berücksichtigung verschiedener Angaben wie dem Verbrauch und den gefahrenen Kilometern errechnen ob sich der Umstieg auf Autogas für Sie lohnt. Für Erdgas gibt es eine vergleichbare Seite, www.erdgas.info.

Wie verändert sich die Motorleistung?

Wenn die Fahrzeuge nicht auf den Gasbetrieb optimiert werden, ist mit Leistungsverlusten zu rechnen. Vor allem beim Erdgasbetrieb muss mit leichten Leistungseinbußen gerechnet werden. Bei LPG sind die Verluste nur unwesentlich. „Ich kann Ihnen jetzt ein Auto geben und fragen ob es auf Benzin oder Autogas läuft. Sie werden die Frage zu 99,9 Prozent nicht beantworten können“, sagt Erich Mies.

Dürfen Gasautos in Tiefgaragen parken?

Viele Jahre hat sich das Gerücht gehalten, dass gasbetriebene Fahrzeuge, nicht in Tiefgaragen fahren sollten. „Ich bin letztens am Flughafen in Frankfurt erschrocken, als ich in der Tiefgarage gelesen habe „Bitte keine Gasfahrzeuge!“, sagt der Autogas-Umbauer Erich Mies. Dieses Verbot wurde in der sogenannten Garagenverordnung der Bundesländer aufgehoben. Allerdings gibt es immer die Ausnahme des Hausrechts. In diesem Fall sollte man den Betreiber auf die Neufassung der Verordnung aufmerksam machen.


Autogas wird teurer

Das Steuerprivileg für Autogas fällt. Das Gesetz sieht die Steuersätze wie folgt vor, erklärt Daniel Fehling, Sprecher des Bundesministerium der Finanzen.

Für ein Kilogramm Flüssiggas fallen folgende Steuersätze an:

  • bis Ende 2018: 18 Cent, das entspricht circa neun Cent pro Liter
  • bis Ende 2019: 22,6 Cent (ca. 12 Ct./l)
  • bis Ende 2020: 27,2 Cent (ca. 14 Ct./l)
  • bis Ende 2021: 31,8 Cent (ca. 16 Ct./l)
  • vom 1. Januar 2022 bis zum 31. Dezember 2022 36,4 Cent (ca. 18 Ct./l)