Waiblingen

Bürgermeisterkandidaten: Bei der Windkraft sind sie sich einig

ZVW-Wahlveranstaltung
ZVW-Wahlveranstaltung Korb Remstalhalle Wahlveranstaltung des ZVW mit den drei Kandidaten zur Korber Bürgermeisterwahl. Foto: Buettner © Büttner / ZVW

Korb. Wie die hohe Kaufkraft am Ort halten? Braucht Korb ein weiteres Gewerbegebiet? Wohin steuert die Schulentwicklung? Was geschieht mit den Windkraftplänen auf der Buocher Höhe? Die Fragen von ZVW-Redakteur Hans-Joachim Schechinger an die drei Bürgermeisterkandidaten auf dem Podium zielten auf sämtliche kommunalpolitische Themenkreise.

Drei Kandidaten bewerben sich um den Einzug ins Korber Rathaus. Bei der Podiumsdiskussion auf Einladung des Zeitungsverlags Waiblingen stellten Amtsinhaber Jochen Müller und seine beiden Herausforderer Frank Riegler und Manfred Heinrich ihre Ideen für die Zukunft der Gemeinde vor. Das Publikum erlebte die Kandidaten einig, was die die Ortsmitte von Korb angeht. Die Kaufkraft ist top, trotzdem stehen in der Ortsmitte Ladengeschäfte leer - wie kann das sein, öffnete Schechinger den Fragenkatalog. Müller erinnerte zunächst daran, dass Korb „schon immer eine schlechte Kaufkraftbindung“ gehabt habe und gab den Strukturwandel zu bedenken: Dass viel über das Internet gekauft wird, merkten sogar Großstädte wie Stuttgart.

Der ehemalige Geschäftsführer Riegler unterstrich die Wichtigkeit einer „schön gestalteten“ Ortsmitte, durch sie könnten gute Geschäfte an Land gezogen werden. „Einkaufen ist heutzutage auch ein Event“, meinte er. Als „grüne Lunge“ müsse der Seeplatz daher erhalten bleiben. Von der im Raum stehenden „Mischnutzung“ mit Café, Wochenmarkt und Public Viewing versprechen sich alle eine „Attraktivitätssteigerung“, und damit verbunden das gewünschte Ende leerstehender Schaufenster.

Woher die Nutzfläche für einen Drogeriemarkt nehmen?

Mit über 7000 Euro pro Einwohner zähle Korb vor Waiblingen und Fellbach zur kaufkraftstärksten Kommune weit und breit. Auf die Frage, wie die Kaufkraft am Ort gehalten werden kann, versprechen sich die Bürgermeisterkandidaten von der Seeplatz-Sanierung „eine Belebung des Einzelhandels“. Ein Drogeriemarkt wäre schön, ging Jochen Müller auf den mehrheitlichen Wunsch der Bevölkerung ein. Der Gemeinde seien aber oft „die Hände gebunden“, wenn die Eigentümer nicht mitziehen und ergo nicht ausreichend Flächen zur Verfügung stehen, die ein größerer Drogeriemarkt zur Bedingung für eine Ansiedlung macht. Man sei im Gespräch mit der Drogeriekette Rossmann, die 750 Quadratmeter Verkaufs- und weitere 250 Quadratmeter Nebenfläche fordere.

Immer wieder war bei der Standortsuche die leer gewordene Filiale der Volksbank im Gespräch, doch auch sie reiche nicht aus - „selbst mit der Fläche der ehemaligen Bäckerei Guckelsberger ergeben sich nur 600 Quadratmeter“, rechnete Müller vor, der zu jedem Thema routiniert kommunalpolitisches Detailwissen und Zahlen aus dem Ärmel schüttelte. Seine Herausforderer – beide bewerben sich ohne langjährige kommunalpolitische Erfahrung um das Amt – bezogen ihre Stärke aus ihrem teils hartnäckigen, bissigen argumentatorischen Kampfgeist. Am deutlichsten zu merken beim Thema Schulentwicklung, bei dem die Meinungen weit auseinandergehen.

Die Schulfrage trennt sie

Der von Frank Riegler favorisierte Schulcampus hätte bei Müller und Heinrich wenig Chancen auf eine Umsetzung: Manfred Heinrich will zwar, wie er sagte, ebenfalls zum Schulcampus kommen, „aber schrittweise“. Weil er die vom Bauamt kalkulierten Baukosten von 8,6 Millionen als „nicht haltbar“ einstuft, machte er sich wie bei der offiziellen Kandidatenvorstellung für einen Kompromiss stark: zweizügige Grundschule in einem Neubau in der Brucknerstraße bei gleichzeitigem Erhalt des Schulstandorts Urbanstraße. Die dort frei werdenden Räume könnten Vereinen zur Verfügung gestellt werden.

Müller bekräftigte den vom Gemeinderat beschlossenen Umbau der Urbanstraße. Riegler warf dem Gemeinderat vor, „nicht zu 100 Prozent“ hinter der Gemeinschaftsschule zu stehen. Er habe gehört, dass Eltern ihre Kinder nach Waiblingen schickten, „weil die Schule hier nichts taugt“. Die Behauptung sei „unhaltbar“, widersprach Müller. „Die Schule ist erfolgreich, wir haben mehr Anmeldungen aus Nachbargemeinden als wir Kinder aufnehmen können und sind eine der Pilotschulen der Region“. Riegler argumentierte außer mit den Kosten auch mit der „Logistik“ für einen Neubau. Seien beide Elternteile berufstätig, wie es häufig der Fall sei, liege es nahe, sein Kind auf dem Weg zur Arbeit oder S-Bahn im Auto mitzunehmen und an der Schule rauszulassen. Er sehe seine Aufgabe nicht darin, „die Elternschaft zu erziehen“, machte er deutlich. Ganz anders Müller, der die Münsteraner Lehrerin Marie-Christine Ghanbari zitierte, die mit ihrem Motto „Mehr Bewegung für Kinder“ beim Weltlehrerpreis im Finale steht. „Ich finde es überhaupt nicht schlimm, wenn Kinder zur Schule laufen“, sagte Müller. Für beide Statements gab es spontanen Applaus des ansonsten sehr ruhigen Publikums, das das Angebot leider nicht nutzte, den Kandidaten eigene Fragen zu stellen.


Während sich die Bewerber beim Thema Schulentwicklung nicht grün waren, bliesen sie beim Thema Windkraft in ein Horn und bekräftigten den Korber Widerstand gegen Windräder auf der Buocher Höhe.

Alle wollen die Wald- und Erholungsfläche auf der Korber Höhe schützen und wenden sich gegen die geplante Vorrangfläche im Regionalplan. „Die Energiewende kann nur realisiert werden, wenn die Bevölkerung mitzieht, das tut sie aber nicht“, ging Jochen Müller auf den Widerstand in der Bürgerschaft ein. Für Frank Riegler sprechen „Kosten-Nutzen“-Abwägungen gegen das Projekt. „Windräder, die nur ab und zu mal laufen, sind schwachsinnig“, fand auch Manfred Heinrich deutliche Worte.


Manfred Heinrich sprach sich für ein weiteres Gewerbegebiet Römerstraße aus. Korb benötige „ein Gebiet für ortsansässige Betriebe, die sich erweitern wollen“. Was ihn so sicher mache, dass ein Gewerbegebiet der richtige Weg sei, nachhaltig zusätzlich Geld einzunehmen, wollte ZVW-Redakteur Hans-Joachim Schechinger mit Blick auf die geplante Verschuldung wissen. Die konkunkturabhängige Gewerbesteuer mache gerade mal 13 Prozent der kommunalen Einnahmen aus. Korb lebe zu 33 Prozent von der Einkommenssteuer, Korb lebe aber vor allem von der idyllischen Lage in grüner Landschaft, die mit neuen Gewerbeflächen weiter versiegelt wird. Dem Einwand, dass durch weitere Aufsiedlung weitere Grünflächen verschwinden, begegnete Müller stoisch-gelassen. Man wolle mit der Erweiterung in Richtung Norden eine „Vorratsfläche für örtliche Gewerbetreibende“ schaffen. In Korb habe man die „schmerzliche Erfahrung“ gemacht, dass „Firmen weggeschickt werden mussten, weil die Gemeinde keine Gewerbefläche anbieten konnte“. Heinrich, sagte, er würde nicht auf die Gewerbesteuer verzichten, auch wenn sie Schwankungen unterworfen sei. „Warum soll ich auf die Gewerbesteuer verzichten, nur weil sie Kurven macht?“ Riegler warb dafür, als Ausgleich die Firmendächer zu begrünen.