Waiblingen

Bürgerpreis 2016: Helden der Hilfsbereitschaft

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Der Bürgerpreis 2016 wurde am Dienstag in der Kreissparkasse verliehen. © Alexandra Palmizi
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Der Bürgerpreis 2016 wurde am Dienstag in der Kreissparkasse verliehen. © Alexandra Palmizi

Waiblingen. Wir sind gut, wir dürfen stolz drauf sein: In der Flüchtlingskrise hat sich eine weltoffene Zivilgesellschaft glänzend bewährt. Bei der Verleihung der Bürgerpreise der Kreissparkasse am Dienstagabend wurden, stellvertretend für viele tolle Initiativen, einige beispielgebende Alltagshelden geehrt.

Es sind Abende wie dieser, die wir brauchen, immer wieder, Begegnungen, an denen wir uns gemeinsam vergewissern, was uns wichtig ist, was unsere – Achtung, großes Wort – Werte sind: Menschenfreundlichkeit. Hilfsbereitschaft. Neugier aufeinander. Die Bürgerpreisverleihung ist immer eine stärkende Veranstaltung – diesmal war sie womöglich noch etwas berührender. Die lichte, wohltemperierte Kundenhalle der Sparkasse, die Farben des Sommers auf den Kleidern, die souveräne Moderatorin Jenny Winkler, die eleganten Rhythmen der Benni Jud Band, die vielen preiswürdigen, preisenswerten Projekte, Initiativen, Menschen: Es passte alles.

Die Sprachlehrer

Junge Helden: AG „Mitglied sein“

Sprache ist der „Schlüssel zur Welt“: Die Schüler der AG „Mitglied sein – Zuhause sein“, sagte Laudator Christoph Palm, Fellbacher Oberbürgermeister, haben das „erkannt und wollten ihren Teil dazu beitragen, dass Flüchtlinge Mitglieder unserer Gesellschaft werden.“ Es begann bei einem Schulgottesdienst: Jugendliche des Georg-Büchner-Gymnasiums Winnenden lernten den Eritreer Robel Mesgena kennen, der vor etwa zehn Jahren nach Deutschland kam. Daraus entstand eine AG, in der sich 50 Schüler aus den Klassen 9 bis 12 engagieren. Einmal die Woche unterstützen sie Migranten beim Deutsch-Lernen. Weil derart viele Schüler mitmachen, „ist es sogar möglich, gezielt den Sprachgebrauch für Bewerbungsgespräche in Rollenspielen zu trainieren“ – und ein Lehrer konnte den ersten Flüchtlingen bereits Praktikums- und Arbeitsplätze vermitteln. Die Schüler selber beschreiben ihr Projekt so: „Wir nehmen Anteil an der Flüchtlingskrise und bekommen zu ihr einen direkten Bezug. Berührungsängste und Vorurteile gegenüber Flüchtlingen können abgebaut werden, Beziehungen bis hin zu Freundschaften entstehen.“ In der Wirtschaft nennt man derlei „Win-win-Situation“. Schlichter ausgedrückt: Einander zu helfen, tut allen gut.

Ein Arzt aus Syrien

Alltagsheld: Tawfik Al Chaki

Es gibt viele Alltagshelden in den Asylquartieren und Notunterkünften im Landkreis – aber es sind nicht nur Deutsche, die dort segensreich wirken. Auch viele Flüchtlinge tragen zu einem guten Zusammenleben bei, indem sie ihren Landsleuten beistehen. Stellvertretend für sie steht Tawfik Al Chaki. Er ist aus Syrien vor dem Bürgerkrieg geflohen, in seiner Heimat arbeitete er als Chirurg. Er lebt in der Waiblinger Berufschulturnhalle. Mit Hilfe von Internet-Kursen hat er spektakulär gut Deutsch gelernt. Und so hilft er nun anderen Flüchtlingen als Übersetzer und beim Ausfüllen von Formularen, unterstützt Kranke oder begleitet sie zum Arzt. Nicht nur für seine Mitbewohner, sondern auch für Behördenmitarbeiter und ehrenamtliche Helfer ist er zu einem wichtigen Vermittler geworden. Er nutzt seine vielfältigen Fähigkeiten im Dienste des Gemeinwesens. „Lieber Herr Al Chaki“, schloss Wolfgang Sartorius, Leiter der „Erlacher Höhe“, seine Laudatio, „Sie sind Arzt, da kann ich es auch medizinisch ausdrücken: Bitte stecken Sie mit Ihrem Engagement noch viele Menschen an!“

Echt schwäbisch

Alltagshelden: Weissacher Bazärle

Eine schwäbische Grundtugend ist in Weissach im Tal zum Motor der Völkerverständigung geworden: nichts wegwerfen! Auf dieser Idee fußt das vom Verein „Weissach Klimaschutz konkret“ gegründete Bazärle. Etwa 40 Leute engagieren sich für das Projekt. Hier gibt es Gebrauchtes zu kaufen, hier gibt es selbst genähte Taschen aus alten Jeanshosen, Second-Hand-Kleidung, restaurierte Möbel; und vor allem: Begegnungschancen. „Denn der Verein“, sagte der Laudator, Landrat Richard Sigel, legt das Wort „Klimaschutz“ sehr weit aus und „meint damit auch eine Verbesserung des Klimas im Umgang der Menschen untereinander.“ Die Bazärle-Leute integrieren Asylbewerber, ermuntern sie zum Mitarbeiten, Nähen, Basteln, Reparieren. Der Laden dient als Info-Börse, Beratungsstelle, Übersetzungsstube für Flüchtlinge. In den eigenen Worten des Vereins: „Es werden Menschen aller Nationen, Altersklassen und Konfessionen erreicht. Individuelle Fähigkeiten können genutzt werden, Freundschaften entstehen, Toleranz wird geübt, kulturelle Unterschiede werden deutlich“ und ermöglichen ein vertieftes gegenseitiges Verstehen. Nach dem Brandanschlag gegen eine geplante Asylunterkunft wurde Weissach in vielen Medien zum Symbol für „Dunkeldeutschland“ – das Bazärle aber zeigt: Dieser Ort denkt gar nicht daran, sich den bösartigen Zündlern zu beugen.

Mama Dodo

ZVW-Leserpreis: Dorothee Firus

Sie nennen sie „Mama Dodo“: 147 Asylbewerber leben in Waiblingen-Neustadt, und dass sie sich hier wohl fühlen, das fremde Land täglich besser verstehen lernen und viele von ihnen mittlerweile einem Job oder einer gemeinnützigen Arbeit nachgehen, Schulplätze oder Praktikumsstellen gefunden haben, ist das Verdienst vieler Helfer – eine aber verdient besondere Erwähnung, das räumen ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter gerne ein: Dorothee Firus. Unterm Motto „Sound of Gambia“ führt sie Trommelkonzerte mit Flüchtlingen auf und hat die ersten Instrumente aus ihrem Privatbestand zur Verfügung gestellt. Sie arbeitet an einem Nähprojekt mit Flüchtlingsfrauen mit; betreut einen Gitarrenkurs für Jugendliche und einen Schwimmkurs für muslimische Mädchen; und und und. Die Leute, die für sie eine Bewerbung eingereicht haben, begründen: „Weil sie dieses unglaubliche Engagement in ihrer Freizeit mit Herz und Verstand bewältigt. Mit Herz – deshalb wird sie von allen Bewohnern nur noch Mama Dodo genannt. Mit Verstand – weil sie bei aller Heiterkeit und Freundlichkeit klare Strukturen übermittelt und unseren Heimbewohnern auch eindeutig sagen kann, wo es lang geht.“

Kultverdächtig

Unternehmerpreis: Zauberfaden

Was sie herstellen, hat es schon bis zur Fashion Week in Berlin geschafft, die Produkte der Nähwerkstatt „Zauberfaden“ sind kultverdächtig: die Taschen zum Beispiel, gefertigt aus antiken Getreidesäcken der Hahnschen Mühle in Schorndorf; oder die Schürzen mit Siebdruckmotiven der Künstlerin Renate Busse. Das Projekt „Zauberfaden“ zeigt genial schlüssig, dass Integration eine Gemeinschaftsaufgabe ist. Oder mit den Worten von Laudator Rainer Hinzen, dem Chef der Diakonie Stetten: „Integration ist keine Einbahnstraße, sie kann nicht von oben vorgegeben werden, sie kann nur als Miteinander gelingen.“ Sükriye Döker und Klaus Österle haben das Unternehmen 2015 in Schorndorf gegründet als „Ort der Begegnung auf Augenhöhe.“ Der Betrieb bietet Asylsuchenden eine geregelte Beschäftigung und die Möglichkeit, etwas Neues zu lernen, das ihnen eine Perspektive eröffnet. Auch Sprachförderkurse gehören zum Programm. Aktuell sind 13 Näherinnen und Näher aus fünf Ländern tätig. Sie vollstrecken nicht nur Vorgaben, sondern bringen sich kreativ mit ein. Hinzen lobt: „Wenn Menschen gemeinsam etwas gestalten, das ihnen zudem sogar noch Zukunftschancen eröffnet, kommt die Integration ganz von selbst. Wir kommen weg von allen theoretischen Überlegungen hin zum gelebten Miteinander in unserer Gesellschaft.“

Willkommen

Der Geist dieses Abends

Dieser Abend ist „ein sehr politisches Statement der Kreissparkasse“, lobte Frank Nipkau, Chefredakteur des Zeitungsverlages Waiblingen und Mama-Dodo-Laudator. In Deutschland hat inzwischen jeder fünfte Mensch seine Wurzeln im Ausland – „aber nicht mehr alle Menschen in der Bundesrepublik wollen diese offene Gesellschaft. Wir erleben eine Renaissance des völkischen Denkens.“ Leute schimpfen auf die „Lügenpresse“, dabei wollen sie nicht „die Wahrheit wissen“, sondern „Dummheit und Desinformation zum allgemeinen Prinzip erheben“, sie schreien „Wir sind das Volk“ und meinen damit Ausgrenzung. Wie „absurd“ diese Haltung im Jahr 2016 ist, hat der Streit um Jerome Boateng gezeigt: „Er ist ein waschechter Berliner. Und er hat mehr für Deutschland und den Zusammenhalt in diesem Land geleistet, als die merkwürdigen Menschen, die über ihn herziehen.“ Abende wie dieser aber zeigen, wofür wir stehen: „für Willkommenskultur und das Leben mit Flüchtlingen.“

Am Ende spielt die Benni Jud Band mit seidigem Groove „Happy“ von Pharrell Williams, und die Sängerin erklärt, sie zähle jetzt auf drei, dann müsse jeder und jede den Nebensitzer umarmen und sagen: „Nachbar, ich liebe dich!“ Beklommenes Gekicher im Saal: Schließlich finden sich hier Schulter an Schulter Deutsche und Gambier, Leute mit und ohne Handicap, Wichtigs und Normalos – die ganze bunte Gesellschaft, die wir sind in Deutschland Zwanzig-Sechzehn. Kann das gelingen? Eins, zwei, drei . . . es kann!