Waiblingen

Bach im Livestream: Wie der Waiblinger Kirchenmusikdirektor trotz Corona für Konzertgenuss sorgt - und warum er sich dennoch um Weihnachten sorgt

Immanuel Rößler Orgel
Kirchenmusikdirektor Immanuel Rößler an der Orgel (Archivfoto). © ZVW/Gaby Schneider

Der Winter naht, die Weihnachtszeit – und damit auch die hohe Zeit der Kirchenmusik. Im Corona-Jahr 2020 aber ist alles anders, Konzerte sind nicht erlaubt, solange der (Teil-) Lockdown anhält. Oder doch? Am Samstag, 21. November, werden in der Waiblinger Michaelskirche das Doppelkonzert d-Moll für zwei Violinen und Orchester und Solokantaten von Johann Sebastian Bach erklingen. Eine Ausnahme in der Corona-Verordnung macht’s möglich.

Es sind schwere Zeiten, auch für die Kirchenmusik. Gottesdienste sind zwar unter Auflagen erlaubt. In der Michaelskirche dürfen sonntags 62 Personen teilnehmen, in der Martin-Luther-Kirche 30 Personen und in Johannes-unter-dem-Kreuz auf der Korber Höhe 50. Die Gemeinde singt dort jedoch nicht. Ausnahme sind Einzelne, die stellvertretend für die Gemeinde singen. „Virtuelle“, gestreamte Gottesdienste gibt’s auf den Seiten des Kirchenbezirks. Die Kirchenchöre aber müssen mit ihren Proben ebenso wie andere Chöre pausieren. Nicht besser ergeht es den Posaunenchören.

Sorge um die Weihnachts-Feierlichkeiten

„Das ist schmerzlich und macht uns auch auf Weihnachten hin Sorgen“, sagt Kirchenmusikdirektor Immanuel Rößler. „Wir können ja nicht ungeprobt als Chorgruppe bei weihnachtlichen Gottesdiensten singen, die ja sicher in irgendeiner Form stattfinden werden.“

Wie gehen die Chorleiter damit um? Sie schalten Telefonketten, um in Kontakt zu bleiben, und produzieren Übungspassagen als mp3-Audiodatei oder als Video. Mit Chören, die genügend digitales Rüstzeug haben, versucht Rößler, online über ein Videoprogramm zu proben, und schätzt daran, dass die Beteiligten persönlichen Kontakt haben. „Ich kann vorsingen, die Einzelnen für sich nachsingen.“ Gemeinsames Singen und Erleben der Chormusik sei aber wegen der Zeitverzögerung im Netz nicht möglich. Teilnehmer häufig stockender dienstlicher Videokonferenzen können es sich lebhaft vorstellen. Was allerdings funktioniert, ist, schwierige Akkorde gemeinsam anzustimmen. Kurzum: „Wir versuchen, uns für die Zeit nach dem Lockdown irgendwie fit zu halten.“

Auf dem Programm steht nun ein Stream-Konzert mit 18 Beteiligten, das als Sonderfall von der Corona-Verordnung erlaubt ist. In den Erläuterungen zur Verordnung steht der Passus: „Angebote, die ohne Publikumsverkehr durchgeführt werden, wie etwa Livestreams oder Aufzeichnungen, können weiter stattfinden. Hier gilt dann eine Ausnahme der Beschränkung auf zehn Personen aus nicht mehr als zwei Haushalten, da dies der Aufrechterhaltung des Arbeits-, Dienst- oder Geschäftsbetriebs dient.“

Wie Immanuel Rößler betont, handelt es sich um kein Chorkonzert, keine Laien-Aufführung mit vorausgehenden Proben, sondern um ein Konzert mit einem Profi-Ensemble. Dieses wird mit einer kleinen Zeitverzögerung von 19 Uhr an über den Youtube-Kanal des Kirchenbezirks Waiblingen veröffentlicht. Die Aufnahme bleibt zwei Wochen abrufbar.

Gespielt wird das Doppelkonzert d-Moll für zwei Violinen und Orchester und Solokantaten für Tenor und Bass von Johann Sebastian Bach. Andreas Weller (Tenor) und Thomas Laske (Bass) werden vom Collegium Instrumentale Waiblingen begleitet, die Solopartien im Concerto übernehmen Sylvia Schnieders und Sabine Brodbeck. Die Leitung hat Immanuel Rößler.

Der Winter naht, die Weihnachtszeit – und damit auch die hohe Zeit der Kirchenmusik. Im Corona-Jahr 2020 aber ist alles anders, Konzerte sind nicht erlaubt, solange der (Teil-) Lockdown anhält. Oder doch? Am Samstag, 21. November, werden in der Waiblinger Michaelskirche das Doppelkonzert d-Moll für zwei Violinen und Orchester und Solokantaten von Johann Sebastian Bach erklingen. Eine Ausnahme in der Corona-Verordnung macht’s möglich.

Es sind schwere Zeiten, auch für die Kirchenmusik.

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