Waiblingen

Bahnhof Waiblingen: Ein Hauch von „WN 21“ - wird der ZOB unterirdisch?

Waiblingen Bahnhof
Vertrauter Anblick: Der Bahnhof in Waiblingen im September 2020. © Benjamin Büttner

Von einem zweiten „Stuttgart 21“ zu sprechen, wäre stark übertrieben, aber was für die Internationale Bauausstellung an Ideen im Raum steht, könnte für Waiblinger Verhältnisse durchaus umwälzend werden: So sieht eine mögliche Überlegung vor, den Busbahnhof tiefer zu legen und so für eine Neugestaltung frei zu machen. Unabhängig davon plant die Bahn den Neubau eines digitalen Stellwerks und eine gründliche Modernisierung der Bahnhofsgebäude.

Bisher klang die Nachricht, dass Waiblingen sich mit dem Bahnhofsareal für die Aufnahme in die Internationale Bauausstellung bewirbt, ziemlich abstrakt. Nun liegen erste Ideen auf dem Tisch, und zwar in Form einer Machbarkeitsstudie des Internationales Stadtbauateliers Stuttgart. In einer der Varianten würde der ZOB unterirdisch, wobei im Bereich der Zufahrt die Topografie der Dammstraße genutzt wird. Sowohl die Bahn als auch die Firma Lidl als Eigentümerin des angrenzenden Parkplatzes sind bei der Neugestaltung des Quartiers mit im Boot und grundsätzlich bereit, dass ihre Flächen überplant werden.

Brückenschlag vom Bahnhof zum Inneren Weidach

„Stadt an die Bahn bringen“, benennt Stadtplaner Patrick Henschel ein Leitmotiv des Großprojekts. Die gefühlte Trennung der Stadtteile durch die Bahngleise soll überwunden werden, unterstreicht Oberbürgermeister Andreas Hesky. In der besagten Variante soll eine Brücke über die Gleise den Bahnhof mit dem Inneren Weidach und der südlich dahinter befindlichen Wasserturmsiedlung verbinden. Gemäß einer anderen Planung verknüpft eine Unterführung die Quartiere, der Busbahnhof wird dabei bei der Dammstraße konzentriert.

Digitales Stellwerk beim Stihl-Werk

„Coworking“-Arbeitsplätze zur gemeinschaftlichen Büronutzung sowie neue Wohnformen“ sollen im Bahnhofsareal entstehen. Gedacht ist an innovative Modelle wie gemeinschaftliches und temporäres Wohnen – etwa für Personal umliegender Unternehmen, das dort für Monate ein Domizil beziehen kann. Dienstleistungen und Handel spielen eine große Rolle, was zum Beispiel für den Lidl-Parkplatz bedeutet, dass er künftig keine Freifläche mehr sein wird. Unabhängig vom Neubau eines „Loginn Achat“-Hotels auf dem Areal des Hotels Koch, dessen Abriss in Kürze beginnt, sieht die Machbarkeitsstudie im Bereich des Bahnhofs ein Hotel vor.

Und die Stadtbahn?

Für die ALi-Fraktion regte Alfonso Fazio an, die Bahnhofstraße noch mehr in die Planungen einzubeziehen – was OB Hesky skeptisch sieht: „Das Projekt ist so schon gewaltig, wir sollten uns nicht überheben.“ Für Urs Abelein (SPD) sieht die Studie im ersten Eindruck „wie ein Immobilienprojekt“ aus – wünschenswert wäre aber ein Mobilitätsprojekt, das eine mögliche Stadtbahn-Trasse berücksichtige. Iris Förster („Grünt“) mahnte, den Güterverkehr nicht zu vergessen. Aus Sicht der CDU-Fraktion kommt die Kritik verfrüht, schließlich handle es sich nur um einen „ersten Aufschlag“.

Laut IBA-Intendant Andreas Hofer hat das Projekt das Potenzial, Teil der Internationalen Bauausstellung 2027 zu werden. Dann schon Gebautes zu sehen, gilt allgemein als „sportliches“ Ziel. Für eindrucksvolle Darstellungen des Zielzustands und für erste Baukörper auf privaten Flächen könne die Zeit aber reichen.

Digitales Stellwerk

Auch ohne IBA steht das Bahnhofsumfeld vor massiven Veränderungen: Auf einem bahneigenen Grundstück zwischen Stihl-Werk und den Gleisen will die Bahn eines der digitalen Stellwerke für den neuen „Digitalen Knoten Stuttgart“ bauen, das entsprechende Rechner beinhaltet und über die Stuttgarter Straße erschlossen wird.

Die Modernisierung des Bahnhofs soll weitergehen, kündigte Michael Groh, Regionalleiter Südwest bei der DB Station & Service, an. Der Bahnhof Waiblingen zähle zum Kernportfolio - und damit nicht zu jenen Stationen, die in absehbarer Zeit verkauft werden.

Sanierung geht weiter

Die Bahnhofsunterführung soll im Laufe der Jahre 2021 und 2022 mit neuer LED-Beleuchtung und Wandgestaltung aufgewertet, die Bestandsgebäude energetisch saniert werden.

Die Fassade, die den spröden Charme der Jahre um 1980 versprüht, soll begrünt und mit einer Fotovoltaik-Anlage versehen werden. Stand jetzt ist wegen diverser Unwägbarkeiten aber noch nicht garantiert, dass die Maßnahme 2022 realisiert werden kann.

Die Vorfreude im Gemeinderat ist nichtsdestotrotz schon jetzt groß. „Das ist das Bekenntnis der Bahn, auf das wir lange warten mussten“, sagt OB Hesky.

Von einem zweiten „Stuttgart 21“ zu sprechen, wäre stark übertrieben, aber was für die Internationale Bauausstellung an Ideen im Raum steht, könnte für Waiblinger Verhältnisse durchaus umwälzend werden: So sieht eine mögliche Überlegung vor, den Busbahnhof tiefer zu legen und so für eine Neugestaltung frei zu machen. Unabhängig davon plant die Bahn den Neubau eines digitalen Stellwerks und eine gründliche Modernisierung der Bahnhofsgebäude.

Bisher klang die Nachricht, dass Waiblingen

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