Waiblingen

Ballett-Tänzer im VfB-Trikot

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„Bein hoch“ können an Fasching nicht nur Gardetänzerinnen: Die VfB-Doubles der 1. Waiblinger Faschingsgesellschaft zeigen Tanz-Waden in Fußballstutzen. © Schneider / ZVW

Waiblingen. Sie sind die Partymacher und Stimmungsgaranten auf jeder Karnevalsbühne. Mit einer VfB-Performance bieten die „Rems-Nudla“ entzückende und fetzige Tanzunterhaltung. Dafür hat das Männerballett der 1. Waiblinger Faschingsgesellschaft monatelange Trainingseinheiten absolviert.

Video: Die Tänzer bei der Probe.

Erstmal ‘n Bier. So beginnt jeden Donnerstag das Training, das unmittelbar nach dem bierbäuchleinfördernden Auftakt dann disziplinierte und körperlich anstrengende Körperarbeit bedeutet. „Die Männer brauchen einfach etwas länger, bis sie sich die Schritte und Aufstellungen merken“, sagen übereinstimmend die Trainerinnen Christine Stein und Elke Böhringer – die zwei Damen wachen darüber, dass jeder sportliche Schritt sitzt und alle Formationen schön hübsch eine gerade Linie bilden.

Sportliche Choreographie mit VfB-Stadionmusik

„Nach dem uuuoouu-heeee hat der Positionswechsel noch nicht ganz geklappt“, greift die Trainerin in die Anfeuerungsruf-Szene ein, bei der alle einen Kreis bilden und sich wie Profis an den Schultern fassend einschwören. „Bitte nur in eine Richtung weggehen“, zeigt sie mit Finger und Hand den Weg an.

Die Stimmung ist freundlich, locker, das Training ziehen die Damen aber zielstrebig in mehreren Durchläufen durch. Die Männer gehorchen: „Sie ist Cheffe“, ordnet sich ein Tänzer mit ironisch schicksalsergebenem Ton unter und findet zurück in seine Position. „Sie schauen danach, dass wir gut dastehen und dass die Positionswechsel stimmen, das passt schon“, meint er, wohl wissend, dass die tänzerischen Anforderungen bei aller Gaudi und Klamaukerei streckenweise hochhängen. Zum fußballerischen Tanzthema passend haben die Trainerinnen den Männern eine sportliche Choreographie auf die Leiber geschneidert. Diese mehr und weniger durchtrainierten Oberkörper stecken in Fußballtrikots mit Original-Autogrammen von Guido Buchwald, untermalt wird der Tanz der Männerwaden mit VfB-Stadionmusik aus der Fankurve: „Weniger Pirouetten, dafür sportliche Bewegungen, Dribbelschritte und Warmmachübungen aus dem Fußballtraining“, kündigen die Damen an. Besonderer Gag ist eine Fußballszene in Zeitlupe mit einem „lebendigen Fußball“, der von mehreren Beinen „getreten“ und ins Tor geschoben wird. „Einmal ist sogar Handspiel dabei“, ulken sie über ihren „Ball“, Andreas Wolter.

„Mit vollem Herzblut dabei“

Der sieht spaßigen Zeiten entgegen: „Es ist Fasching, das Männerbild wird auf die Schippe genommen, das ist der Gag dabei“, erklärt er die eigene Triebfeder, beim kuriosen Kostümtanz mitzumachen. Das Provokative ist gewünscht, hält sich heuer aber in züchtigen Grenzen: Fegten sie vergangenes Jahr noch in Lack und Leder und mit bestrapsten Männerbeinen als Dominas über die Bühne, so wird es in puncto nackte Haut „vergleichsweise harmlos“, bestätigt Wolter. Was aber der Stimmung keinen Abbruch tue: „Wir sind alle VfB-Fans, da ist man mit vollem Herzblut dabei“.

Seit Juni wird geprobt

Die Idee, als VfB-Doubles den vor allem von vielen Damen ersehnten Augenschmaus zu bieten, sei in der „allgemeinen Aufstiegseuphorie“ im Mai entstanden, berichtet Christine Stein. Seit Mai, nach der Walpurgisnacht der Remshexen, sitzen die Trainerfrauen schon beisammen und hecken den Tanz aus. „Er muss unseren Jungs gefallen, aber auch beim Publikum ankommen“, sagt Elke Böhringer über die Herausforderung. Seit Juni stecken die Männer, die tagsüber LKW-Fahrer, Ingenieur, Heizungsmonteur oder Rettungsdienstfahrer sind, donnerstagabends Zeit ins Einüben der Schrittkombinationen und Hebefiguren.

Auch das VfB-Maskottchen „Fritzle“ tanzt mit

Während der Sommermonate wurden Accessoires genäht – so auch die große Fahne in den Vereinsfarben, die das VfB-Maskottchen „Fritzle“ einige Male schwingen darf, unter anderem beim Bau der „Menschenpyramide“. „Ein ganz hartes Los“, möchte Jörg Steudle, Träger des grünen Krokodilkostüms, augenzwinkernd das ihm gebührende Mitleid wecken. Denn er hat den unbestritten heißesten Platz auf der Bühne - unter seinen zentimeterdicken Polyesterschichten fließt beim Training der Schweiß besonders schnell. „Wir machen hier ja kein Wischi-Waschi-Tänzchen, sondern werden ganz schön gefordert“, spielt er auf die „harten“ Trainingsbedingungen an, denen sich die Männer freiwillig und, wie sie überzeugend darlegen, nicht nur wegen des Biers aussetzen.

Die zweite Flasche nach dem Training schmecke trotzdem besonders gut. Am allerbesten sei aber das Gefühl, wenn als Lohn für durchgehaltene Trainingseinheiten im Saal alles klatscht und das Publikum zum dröhnenden Stadionsong „Steh auf, wenn du Schwabe bist“ aufsteht. „Das ist scho’ genial“, sagt Jörg Steudle.


Schon vor Guido Buchwald getanzt

Ihren ersten Auftritt als VfB-Doubles hatten die Rems-Nudla beim Ordensfest der 1. Waiblinger Faschingsgesellschaft. Im Publikum saß der Leiter eines großen Stuttgarter VfB-Fanclubs („OFC Beerlesklopfer Weiß-Rot Steinenbronn“), der zugleich 2. Vorstand der Gesellschaft Zigeunerinsel Stuttgart ist. Begeistert von der „tanzenden Elf“ aus dem Remstal lud er sie zur Weihnachtsfeier des OFC ein. Dort waren Guido Buchwald, Scout beim VfB sowie der Handballer Mimi Kraus zu Gast. So kamen die Tänzer zu Original-Autogrammen des VfB-Spielers, die seitdem die Rücken ihrer Trikots zieren.

Die Rems-Nudla steckten seit Gründung im Jahr 2012 schon in gewagten Kostümen: James Bond, Gardemädchen, Golden Girls, Primaballerina im Tutu und Sister Act lauteten frühere Themen.

Dass das Training fit hält, beweist die gemischte Altersstruktur: Die Männer sind im Alter zwischen 18 und 62 Jahren.

Verstärkung ist in der Männerballettgruppe immer gerngesehen. Wer Mittänzer werden will, darf sich bei Christine Stein unter 0173 9620218 melden. Das Männerballett läuft als Tanzsportsparte innerhalb der 1. Waiblinger Faschingsgesellschaft.

Die Rems-Nudla sind zu sehen am heutigen Samstag bei der Hexenguggennacht in der Neustädter Halle (Wilhelm-LäppleWeg 2). Beginn ist um 18.45 Uhr, Hallenöffnung und Bewirtung ab 18.30 Uhr.

In der Sparte des karnevalistischen Tanzsports gibt es sogar bundesweite Wettbewerbe. Die Rems-Nudla belassen es bei Auftritten in Baden-Württemberg: Nach der Kampagne nehmen sie bei Männerballett-Turnieren in Denkingen und in der Nähe von Aalen teil.