Waiblingen

Band-Contest zwischen Lampenfieber und Zugabe

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„School’s out“ ist eine von drei Bands der Friedensschule Neustadt, die beim Schulband-Festival im Schwanen auftraten (von links: Band-Betreuer und Bassist Markus Latus, Sängerinnen Kaltrina und Eva, Schlagzeuger Nicklas und Gitarrist Maximilian). © Gabriel Habermann/ZVW
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Die Band der Bürgfeldschule Welzheim. © Ralph Steinemann Pressefoto

Waiblingen.
„There’s a Fire starting in my Heart“... – mit den ersten Zeilen des Adele-Hits „Rollin in the Deep“ eröffnet Kaltrina von der Friedensschule Neustadt den Konzertvormittag. Klasse klingt ihre soulige Stimme zum treibenden Rhythmus, den Drummer Nicklas (11) vorgibt. Und das, obwohl die Sängerin von „School’s out“ später gesteht, dass sie ziemlich Lampenfieber hatte. So ging’s beim Schulband-Festival im Schwanen vielen jungen Musikern – gefeierte Auftritte legten sie alle hin.

„Es ist kalt draußen, aber ich verspreche euch, hier drin wird heiße Musik gemacht!“ Roland Jeck vom Staatlichen Schulamt, der das Schulband-Festival 2014 ins Leben gerufen hat, soll mit seiner Ankündigung recht behalten. Vier junge Bands heizen den Zuhörern im Kulturhaus Schwanen am zweiten Tag des Festivals tüchtig ein. Unterstützung für die Nachwuchsmusiker kommt von den Sound- und Lichtprofis des Kulturhauses.

Professionelle Location

Hartmut Ott, Fachberater für Musik beim Schulamt, freut sich: „Das ist eine richtig professionelle Location, mit Tontechnik, Licht, allem Drum und Dran. Eine Schulband erlebt solche Bedingungen ganz, ganz selten – sie spielt ja eher mal mit einer Mini-Anlage beim Tag der offenen Tür.“ Er selbst betreut die Band der Bürgfeldschule in Welzheim, die am Mittwochvormittag das Festival eröffnete (siehe Bild oben).

Diese Ehre wird am Donnerstag der Friedensschul-Band „School’s out“ zuteil. Die vier Neustädter – eigentlich gehört noch Gitarrist Vincent dazu, der steht aber mit Gipsarm im Publikum – und ihr Band-Betreuer Markus Latus spielen rockige Popmusik und machen ihre Sache richtig gut. Sie werden erst nach einer Zugabe und unter tosendem Applaus von der Bühne verabschiedet.

Erleichterung nach dem Auftritt

Im Anschluss an ihren Auftritt merkt man den jungen Musikern die Erleichterung an. Gitarrist Maximilian (12), der schon Bühnenerfahrung hat, war ganz cool, doch für Schlagzeuger Nicklas (11) war’s das erste Konzert mit der Band – er ist richtig froh, dass es so gut lief. Sängerin Kaltrina (13) gibt zu, dass sie ganz schön aufgeregt war: „Da muss man am Anfang gaaanz viel Luft holen“, sagt sie. Ihre Gesangspartnerin Eva (13) hat auf der Schwanen-Bühne ebenfalls eine ganz neue Erfahrung gesammelt: Sie kommt aus Rumänien, ist erst seit eineinhalb Jahren in Deutschland, besucht an der Friedensschule die Vorbereitungsklasse und stieß vor kurzem zur Band. Das Konzert dauerte zwar nur etwas länger als eine Viertelstunde, doch es war förmlich zu spüren, wie das Mädchen an Selbstbewusstsein gewann – immer stärker wurde ihre Stimme bis zur Zugabe.

Rock fürs Selbstbewusstsein

Hartmut Ott, der selbst in der Backnanger Schulamtsband spielt, sagt: „Wir machen das ja nicht nur, weil wir Bock auf Musik haben. Einen ganz großen Stellenwert hat das Selbstbewusstsein der Schüler. Sie bekommen eine positive Rückmeldung und merken: Es lohnt sich, zu üben und kreativ zu sein.“

Im Schwanensaal erfahren im Anschluss auch die Gemeinschaftsschüler aus Leutenbach die Anerkennung des Publikums. Bei „Little Talks“ ist ein Besucher ganz begeistert: „Was der Junge für eine Stimme hat, das klingt ja fast wie das Original“. Auch, dass eine Cellistin bei den rockig-poppigen Stücken der Leutenbacher mitspielt, kommt gut an. Fast schon als Big Band dürfen dann „The Floyds“ von der Salier-Realschule bezeichnet werden. Die elfköpfige Musikgruppe mit Bläserensemble fällt in die Kategorie Schulbands, die Hartmut Ott augenzwinkernd als „fast schon unheimlich professionell“ bezeichnet – hier passt wirklich alles zusammen, auch die beiden stimmgewaltigen Sängerinnen harmonieren toll. Pünktlich zum Auftritt der Waiblinger Lokalmatadoren sind zwei Schulklassen ins Publikum geströmt, der Saal ist jetzt richtig gut gefüllt. Viele Schüler filmen mit, bejubeln ihre Klassenkameraden, rufen nach Zugabe.

Als die „Musikbude“ der Gemeinschaftsschule Rainbrunnen aus Schorndorf das Abschlusskonzert spielt, ist es mitten am Tag. Doch im abgedunkelten Schwanensaal, im Schein der Lichter, im Nebel aus der Maschine – da ist einem, als sei hier gerade gerockt worden bis tief in die Nacht.


Das Festival

Insgesamt neun Bands aus Waiblingen, Neustadt, Korb, Winnenden, Leutenbach, Welzheim und Schorndorf sind am Mittwoch und Donnerstag im Schwanensaal aufgetreten.

Das Schulband-Festival fand nach 2014 und 2016 zum dritten Mal statt. Die ersten Konzerte wurden in Winnenden gespielt, zum zweiten Mal gastiert das Festival nun im Kulturhaus.