Waiblingen

Baubürgermeister gesucht!

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© Zsolt Nyulaszi / Illustration: Z

Waiblingen. Die Suche nach einem neuen Baubürgermeister hat begonnen. Nachdem Amtsinhaberin Birgit Priebe auf eine erneute Kandidatur verzeichtet hat, bleiben 14 Bewerber, von denen sich noch keiner den Fraktionen vorgestellt hat. Derweil herrscht nach Birgit Priebes Rückzug Enttäuschung bei den einen. Zuversichtlich geben sich angesichts der Zahl der Bewerbungen die anderen im Gemeinderat.

Etwa 14 Bewerber aus ganz Deutschland, aus allen Berufen und mit ganz unterschiedlichen Werdegängen: Noch scheint es bei den Gemeinderatsfraktionen für den künftigen Baubürgermeister keinerlei Präferenzen zu geben, zumal keine der Fraktionen aktiv nach Kandidaten gesucht hatte. Das Parteibuch spiele keine Rolle, versichern die Sprecher einstimmig. „Man muss sich die Leute jetzt erst mal ansehen“, sagt jetzt SPD-Chef Roland Wied, dessen Fraktion Birgit Priebe unterstützt hatte. Anfangs sei er skeptisch gewesen, ob sich geeignete Kandidaten finden würden, nun weiß er: „Es sind Leute dabei, die man in Erwägung ziehen kann.“ Nach wie findet es der SPD-Chef bedauerlich, dass Birgit Priebe nicht mehr kandidiert. „Ein bisschen Kampfgeist wäre nicht schlecht gewesen“, meint er, „ihre Chancen waren nicht so schlecht.“ Andererseits könne er Priebes Rückzug aber auch verstehen angesichts manch unerfreulicher Debatte im Gemeinderat, die einer Stadt wie Waiblingen unwürdig seien: „Diese Diskussionen sind teilweise wie im Kindergarten.“

CDU-Chef Kasper hat die Bewerbungen noch nicht gelesen

Dessen ungeachtet empfindet CDU-Fraktionschef Siegfried Kasper die Stelle des Waiblinger Baubürgermeisters als eine „herausgehobene gut dotierte Position, die Interesse weckt“ – weshalb er über die Vielzahl der Bewerber auch nicht überrascht ist. Überrascht habe ihn dagegen Birgit Priebes Rückzug. „Ich ging davon aus, dass sie sich wieder bewerben will“, gibt er zu Protokoll. Die 14 Bewerbungen, die nach und nach bei der Stadt eingegangen sind, habe er noch gar nicht angeschaut. Dies wolle er nun aber nachholen und mit seiner Fraktion darüber sprechen. Danach wolle er den Kontakt mit den anderen Fraktionen suchen. Dass sich Birgit Priebe nach 16 Jahren in Waiblingen nicht mehr beworben habe, könne er nicht verstehen, man müsse es aber respektieren: „Damit habe ich nicht gerechnet. Sie ließ durchblicken, dass sie sich interessiert. Wenn nicht, muss ich es akzeptieren.“

Ähnlich äußert sich FDP-Sprecherin Julia Goll: Birgit Priebes Entscheidung nehme sie zur Kenntnis. Ansonsten denke sie schon, dass sich unter der Vielzahl der Bewerber geeignete Kandidaten finden werden: „Ob die besser oder schlechter sind als Frau Priebe weiß ich nicht. Ich hätte es mir anders gewünscht. Aber es ist ein Wahlamt. Das muss einem klar sein.“

„Am Ende einigt man sich auf Fachkompetenz“

Für ALi-Chef Alfonso Fazio ganz klar: „Das Parteibuch ist nicht wichtig, die Einstellung zählt.“ In Sachen Bürgerbeteiligung und Stadtentwicklung will er den Kandidaten auf den Zahn fühlen, wobei er sich ein Bekenntnis zu mehr Radwegen, E-Mobilität und einer fußgängerfreundlichen Stadt wünscht. Auch wenn sich die Alternative Liste, CDU und FDP einträchtig eine Alternative zur Amtsinhaberin gewünscht hatten, geht Fazio nun keineswes von einem gemeinsamen Kandidaten aus: „Ein gemeinsamer Nenner wird schwer zu finden sein. Am Ende einigt man sich auf Fachkompetenz.“

Kompetenz bescheinigt Bübi-Rat Bernd Wissmann auch der scheidenden Birgit Priebe, weshalb er es nach wie vor sehr bedauere, dass sie geht: „Sie wird in Waiblingen fehlen. Vielleicht wird sich der eine oder andere noch umgucken.“ Das befürchtet auch DFB-Chef Wilfried Jasper. Er halte es für einen riesengroßen Fehler, dass sie nicht unterstützt wurde, zumal ihr niemand irgendwelche Fehler vorgeworfen habe: „So geht man nicht mit jemandem um, der 16 Jahre hinter sich und noch acht Jahre vor sich hat“, moniert Wilfried Jasper. Unberechenbar sei der Gemeinderat auch bei seien Beschlüssen geworden – „man hat monatelang über irgendwas gesprochen, dann kommt der Rückzug.“ Schade um die Zeit sei das. Doch auch die Bewerberlage stimme ihn keineswegs glücklich: „Ich befürchte, dass dieser Schuss nach hinten losgeht und kein Bewerber folgt, der ihr das Wasser reichen kann.“

Der Gemeinderat wählt am 19. Juli

Am 19. Juli wählt der Gemeinderat den oder die Technische Beigeordnete – also den neuen Waiblinger Baubürgermeister. Die Bewerbungsfrist endete am 14. Mai. Gesucht wurde laut Ausschreibung „eine Führungspersönlichkeit mit fundierten fachlichen, methodischen und betriebswirtschaftlichen Kenntnissen, Motivationsfähigkeit, Organisationsgeschick sowie ausgeprägter Sozialkompetenz, die kreativ und innovativ ist. Die Befähigung zum höheren bautechnischen Verwaltungsdienst wäre von Vorteil.“

Der neue Amtsinhaber wird zusammen mit Oberbürgermeister Andreas Hesky und Erster Bürgermeisterin Christiane Dürr an der Spitze der Verwaltung stehen. Andreas Hesky wurde 2006 zum ersten Mal, 2013 zum zweiten Mal zum Stadtchef gewählt. Im Januar 2014 bestimmte der Gemeinderat Christiane Dürr zur ersten Bürgermeisterin.