Waiblingen

Baubranche in Waiblingen: Hohe Holzpreise wegen"künstlicher Verknappung"?

Bauprojekt Röthepark
Kita, Turnhalle und Wohnungen: Beim Großprojekt in Waiblingen-Süd werden die veranschlagten Kosten überschritten. © Gabriel Habermann

In Waiblingen-Süd realisiert die Stadt ihr größtes Bauprojekt der vergangenen 15 Jahre: Am Rötepark entstehen ein Kindergarten, eine Turnhalle und Wohnungen. War man bisher von Gesamtkosten in Höhe von 17,6 Millionen Euro ausgegangen, liegt die Kalkulation inzwischen bei 19,3 Millionen. Grund sind massive Preissteigerungen und Lieferengpässe in der Baubranche. Der Beinsteiner Bauunternehmer Frieder Kuhnle kennt das Problem auch und sagt aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung heraus: „So eine Situation habe ich noch nie erlebt.“

Für das Großprojekt in Waiblingen-Süd waren unlängst die nächsten Gewerke zu vergeben: Stromarbeiten, Dachabdichtung, Lüftungstechnik, Holzbau. Das Ergebnis der Ausschreibungen lässt Stadtverwaltung und Stadträte schwer schlucken. Sie spiegeln die aktuelle Angebotslage auf dem Bau: „Wenige Angebote, dafür aber sehr teuer“, fasst es die Bauverwaltung zusammen. Insbesondere beim Holzbau liegen die Ergebnisse weit über den veranschlagten Kosten. Die Preise für die Materialbeschaffung sind im vergangenen Jahr drastisch gestiegen.

Holzbau Fessmann vermutet „künstliche Verknappung“

Aber nicht nur die Baustelle am Rötepark ist betroffen. Der Waiblinger Holzbau-Spezialist Michael Fessmann spricht von teils chaotischen Zuständen. Holz sei zwar – inzwischen wieder – zu bekommen. Aber zu heftigen Preisen. Der Preis des Konstruktionsfestholzes sei seit Januar um 300 Prozent gestiegen, bei OSB- und Spanplatten sind es 100 Prozent. Dachziegel und Dämmstoffe seien derzeit schwer zu bekommen, manche Lieferanten sind schon zu einer Art Rationierung übergegangen. Bei Polyurethan-Dämmplatten sei mit einer Lieferzeit von drei bis fünf Monaten zu rechnen.

Hauptgründe für die anziehenden Holz- und Stahlpreise dürften aus Sicht der Stadtverwaltung die steigende Nachfrage im In- und Ausland sowie Probleme bei der Versorgung mit Rohstoffen während der Corona-Pandemie sein. Ein weiterer Grund für Lieferengpässe und Preissteigerungen liege auch darin, dass die befürchteten Produktionsengpässe partiell durch coronabedingte Betriebsschließungen tatsächlich eingetreten sind: Lieferketten wie bei Elektronikbauteilen wurden unterbrochen.

Gerüste bleiben zu lange ungenutzt stehen

Oft wird auch die starke Holz-Nachfrage durch die USA infolge eines Handelsstreits mit Kanada genannt. Michael Fessmann hat noch eine weitere Vermutung: Es handele sich um eine „künstliche Verknappung“ durch marktbeherrschende Sägewerke mit dem Ziel, die Preise „mal wieder hochzuknallen“. Denn in der Forstwirtschaft seien die Preise durchaus auch gestiegen, aber in viel geringerem Umfang.

Auf manchen Baustellen, sagt Michael Fessmann, können die Handwerker nicht beginnen, weil das Material fehlt. Gut beraten ist offenbar, wer statt ein paar Wochen schon einige Monate davor bestellt, was er braucht. Produktionshemmende Kettenreaktionen sind die Folge: Ein Gerüstbauer könne das Gerüst nicht abbauen, weil die Fassadenbauer das Material für den Vollwärmeschutz nicht bekommen. Holzbau Fessmann lässt ein Gerüst wieder abbauen, weil das benötigte Material nicht vor Januar kommt – dann muss ein neues aufgestellt werden. Dass der Holzbau-Boom für die Engpässe verantwortlich sein soll, bezweifelt der Zimmermeister. So stark sei der Boom nicht - und an sich verfüge Deutschland über genug Holz.

Abwarten kostet Zeit und womöglich noch mehr Geld

Der frühere Stadtrat Frieder Kuhnle, Seniorchef der Berthold-Kuhnle-Bauunternehmung, hat eine Materialknappheit wie in diesem Jahr noch nicht erlebt – und das will was heißen, denn kaum jemand hat mehr Erfahrung. Aktuell zeige sich der Trend so, dass grundsätzlich alles zu bekommen ist – aber mit langen Wartezeiten und zu hohen Preisen. Betroffen sind neben Holz auch PVC für Kanalrohre, Styrodur-Bodenplatten und Betonstahl, der 2021 zwischen 70 und 80 Prozent teurer geworden ist. Die Betonhersteller preisen die Kohlendioxid-Abgabe ein. Die gestiegenen Spritpreise machen der Branche zusätzlich zu schaffen.

Wegen der Preissteigerungen beim Großprojekt in Waiblingen-Süd wurde bei der Waiblinger Stadtverwaltung und im Gemeinderat der Gedanke an eine neue Ausschreibung der Gewerke rasch verworfen. Denn die führe zu monatelangen Verzögerungen – und wahrscheinlich zu noch höheren Preisen. Was sich die Stadt weder finanziell noch zeitlich leisten möchte. Denn nicht zuletzt der Kindergarten wird dringend benötigt.

In Waiblingen-Süd realisiert die Stadt ihr größtes Bauprojekt der vergangenen 15 Jahre: Am Rötepark entstehen ein Kindergarten, eine Turnhalle und Wohnungen. War man bisher von Gesamtkosten in Höhe von 17,6 Millionen Euro ausgegangen, liegt die Kalkulation inzwischen bei 19,3 Millionen. Grund sind massive Preissteigerungen und Lieferengpässe in der Baubranche. Der Beinsteiner Bauunternehmer Frieder Kuhnle kennt das Problem auch und sagt aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung heraus: „So eine

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