Waiblingen

Begehbare Hausskulptur sorgt für Ärger

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Entwurf der weißen Station an der Remsspitz. © Fotomontagen: Jürgen Mayer H. un
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Die Hauswand zerfällt in einzelne Puzzlesteine, die sich zu Sitzelementen zusammenschließen. © Fotomontagen: Jürgen Mayer H. un
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Alfonso Fazio ist sauer. © Archiv Bernhardt / ZVW

Waiblingen. Eine begehbare Hausskulptur hat der Stararchitekt Jürgen Mayer H. als Waiblinger Beitrag zum Interkommunalen Gartenschauprojekt 16 Stationen konzipiert. Und damit einen markanten Punkt in der Reihe der weißen Häuser gesetzt. Bei den Mitgliedern des Planungsausschusses kam der Entwurf ausgesprochen gut an. Mit Ausnahme von Alfonso Fazio und Frieder Bayer, die die Abstimmung aus Prinzip verweigerten.

Noch ist das städtische Grundstück an der Remsspitze eine wilde Wiese, die nur durch ein kleines Törchen an einem Privathaus vorbei zu erreichen ist. Das soll sich ändern. Ein kleiner einfacher Weg soll zum weißen Haus führen, zur Rems hin wird ein Geländer angelegt.

Die begehbare Skulptur selbst ist einer klassischen Hausform mit Satteldach nachempfunden, die sich auflöst und zerfließt. Als „Haus im Fluss“ soll es im Dialog mit den umliegenden Häuern und der Rems stehen. Die große Öffnung soll einen Rahmen bilden und einen direkten Sichtbezug auf die Galerie Stihl auf der anderen Flussseite schaffen.

„Beschluss ist Respektlosigkeit gegenüber dem Gemeinderat“

Was Alfonso Fazio über die weiße Hausskulptur dachte, hat er nicht gesagt. Wohl aber, dass und weshalb er die Abstimmung als reine Zumutung empfand. Beschlossen in der Remstal-Gartenschau GmbH und im Waiblinger Gemeinderat als Maßnahme angekündigt, die angesichts der geringen Kosten in der Zuständigkeit der Verwaltung liege, sei jetzt keine echte Entscheidung mehr möglich, monierte er.

Der Entwurf würde auch ohne Zustimmung umgesetzt werden, der Beschluss sei deshalb reine Makulatur und zeige Respektlosigkeit gegenüber dem Gemeinderat. Im Nachhinein, ereiferte er sich immer mehr, sei von der Alternativen Liste aber keine Legitimation zu bekommen: „Ich übernehme keine politische Verantwortung für Dinge, die 20-mal vorgekaut und beschlossen wurden.“

Die Baubürgermeisterin blieb zunächst gelassen. Die Frage an den Ausschuss gehöre sich einfach, gab sie Fazio ruhig zurück: „Es könnte ja sein, Sie wollen das nicht.“ Dass die Verwaltung ein solches Votum dann auch ernst nehmen würde, meinte auch Peter Abele (CDU): Er könne sich nicht vorstellen, dass die Verwaltung bei dieser Planung bleiben würde, wenn sie der Gemeinderat unmöglich fände. Er selbst sei zuerst skeptisch gewesen („ich war gespannt, ob wir 16 weiße Hundehütten bekommen“), nun gefalle ihm aber der Standort und die Planung.

Alfonso Fazio: Ich fühle mich verarscht

70 000 Euro sollten die weißen Häuser kosten, die Hälfte davon auf Kosten der Kommunen gehen, die andere mit Fördergeldern bezahlt werden (siehe auch Seite C 3). Werden die Stationen teurer, geht dies zulasten der einzelnen Kommunen. Etwas aufwendiger wird’s möglicherweise auch in Waiblingen: Mit Geländer und Fundament komme man unter Umständen über 75 000 Euro raus, kündigte Birgit Priebe an.

Doch nicht aus diesem Grund solle der Ausschuss über den Entwurf abstimmen, sondern weil der Rat bei dieser wichtigen Stadtsituation mitgenommen werden solle. Überzeugen konnte sie den streitbaren Fazio nicht. Die Verwaltung hole sich doch nur die Legitimation für die Mehrausgabe, unterstellte er Priebe.

„Wir waren doch alle dafür"

Er fühle sich als Stadtrat unter Druck gesetzt. Dies sei nicht hinnehmbar, wetterte er: „Ich fühle mich verarscht.“ An dieser Stelle wurde es auch der bis dahin ruhigen Baubürgermeisterin zu viel: Fazio möge sich mäßigen oder sie werde jetzt die Sitzung unterbrechen, schoss sie zurück. Worauf Fazio zurückruderte.

Bei den anderen Fraktionen fand er ohnehin keine Mitstreiter. Zwar kritisierte auch sein Fraktionskollege Frieder Bayer „die ungute Situation“, der Rest des Ausschusses stand aber wie Urs Abelein (SPD) hinter dem Projekt. Die Frage nach der Vorgehensweise könne man stellen, aber nicht in diesem Gremium, ergänzte Abeleins Fraktionskollegin Sabine Wörner. Es sei nicht möglich, über alles einzeln abzustimmen, zeigte auch Matthias Kuhnle (DFB) Verständnis für die Zustimmung des Oberbürgermeisters in der Gartenschau-GmbH.

„Wir waren doch alle dafür“, erinnerte Michael Fessmann, der sich am Ende kopfschüttelnd fragte, wie man aus diesem Grund einen solchen Ballon aufblasen könne.

Tatsächlich verließen Fazio und Frieder Bayer vor der Abstimmung demonstrativ den Ratssaal. Was den Rest des Ausschusses nicht beeindruckte: Sie stimmten dem Entwurf einstimmig zu.

Das Verfahren

  • Der Aufsichtsrat der Gartenschau-GmbH und die Gesellschafterversammlung haben der Konzeption der 16 Stationen als verbindendes Band am 4. Oktober zugestimmt.
  • Der Vorschlag basiert aus der Tradition der weißen Kapellen in Süddeutschland. Ursprünglich hatte der Arbeitstitel deshalb 16 weiße Häuser gelautet. Die helle Farbe, die sich von der Landschaft abhebt, ist nun das Band, das sich durch das ganze Remstal zieht.
  • Zugestimmt haben alle Vertreter der Gartenschau-Kommunen.
  • 16 renommierte Architekten waren den Kommunen per Los zugeteilt worden.