Waiblingen

Begrapscht: 22-Jähriger ging zu weit

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Symbolfoto. © Joachim Mogck

Waiblingen. Unter anderem wegen sexueller Nötigung war ein 22-Jähriger angeklagt. Er soll ein Mädchen begrapscht und sie gegen ihren Willen im Auto festgehalten haben. Bei der Beweisaufnahme vor dem Waiblinger Schöffengericht stellte sich der Fall aber eine Spur harmloser dar. Der Angeklagte wurde zu einer Geldstrafe verurteilt.

Das, was vorgefallen ist, tut dem Angeklagten unendlich leid. Das hat er bereits lange vor der Verhandlung in einem Brief an die 16-Jährige und ihre Familie ausgedrückt. Bei seiner Aussage vor Gericht brach der 22-jährige Angeklagte mehrmals in Tränen aus, versuchte sich zu fassen, brachte minutenlang kein Wort über die Lippen.

Es war ein Samstagabend im Oktober vergangenen Jahres. Der Angeklagte war mit einigen Freunden im Dream-Bowl in Fellbach. Dort lernte er die 16-Jährige kennen, die dort ebenfalls mit ihrer Freundin war. Zusammen mit einem Kumpel ging der Angeklagte auf die Mädchen zu, man kam ins Gespräch. Schließlich beschlossen sie in das Parkhaus zu gehen, um eine Zigarette zu rauchen. Der 22-Jährige soll sich dem Mädchen genähert haben, sie sollen eng beieinander gestanden haben, was dem 16-jährigen Mädchen aber ganz und gar nicht behagte. Er soll sie hier schon gegen ihren Willen auf den Hals geküsst und sie an den Po gefasst haben.

Daraufhin wollten die Mädchen nach Hause gehen. Die 16-Jährige sprach sich für die S-Bahn aus. Auf Drängen ihrer 17-jährigen Freundin ließen sie sich aber von den beiden jungen Männern nach Hause fahren. „Ich hatte hohe Schuhe an, ich war richtig blutig an den Fersen“, sagte die 17-Jährige. „Für mich war die ganze Sache auch nicht so schlimm gewesen“, sagte die Zeugin. Dass es Annäherungsversuche des Angeklagten gab, hatte sie nicht bemerkt. Auch nicht, dass ihre Freundin ein flaues Gefühl bei dem Gedanken hatte, in das Auto der Männer einzusteigen.

Während der Fahrt soll es immer wieder Annäherungsversuche des Angeklagten gegenüber der 16-Jährigen gegeben haben. Am Zielort angekommen, ließ der Angeklagte die Freundin und seinen Kumpel an einer Bushaltestelle aussteigen, weil er noch etwas mit der 16-Jährigen besprechen wollte. Kurz darauf war er losgefahren und in eine Seitenstraße abgebogen. Die 16-Jährige war sitzen geblieben. Angeblich wollte der Angeklagte in der Seitenstraße das Auto wenden. Dort soll es weitere Annäherungsversuche gegenüber der 16-Jährigen gegeben haben – deutlich heftiger als alles, was zuvor passiert war.

Worin sich die 16-Jährige allerdings nicht mehr sicher war, ist die Tatsache, ob der Angeklagte sie im Auto festgehalten hatte. Relativ sicher dagegen ist, dass die 16-Jährige zu ihrer Freundin an die Bushaltestelle gerannt kam. Sie wirkte aufgelöst, verängstigt und stand unter Schock. Die beiden Mädchen seien weiter bis nach Hause gerannt. Als die Mädchen das Elternhaus der 16-Jährigen erreicht hatten, erzählte sie, dass der Angeklagte sie angefasst hatte. „Es ging ihr nicht gut“, erinnerte sich die Zeugin. Bereits während der Autofahrt habe sie sich immer wieder nach hinten zur Freundin umgedreht. Doch die 17-Jährige habe die Blicke nicht interpretieren können. „Für mich war alles auch nicht so schlimm“, betonte die Zeugin mehrmals.

In mehreren Punkten freigesprochen

Die Aussage des Opfers fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das, was an diesem Samstagabend passiert war, scheint sie bis heute zu beschäftigen, weshalb sie in Begleitung einer psychosozialen Prozessbegleitung erschien. Als Nebenklägerin wurde sie von Rechtsanwältin Claudia Arnold vertreten. Nach der Aussage verlässt die 16-Jährige den Gerichtssaal tränenüberströmt. „Sie hat Angst, hat Probleme in Bezug auf Männer“, fasste die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer zusammen. Aber es gab zahlreiche Möglichkeiten, wie sich das Mädchen aus der Situation hätte befreien können. Eine Möglichkeit war, als sie an einem Rastplatz entlang der Bundesstraße hielten. Auch hier hatte sie sich wieder auf den Beifahrersitz neben den Angeklagten gesetzt, anstatt den Platz mit ihrer Freundin zu tauschen. Auch wurde nicht deutlich, ob sie von Anfang an dem Angeklagten deutlich zu verstehen gegeben hatte, dass sie die Annäherungen nicht möchte, das machte Verteidiger Daniel Soric in seinem Plädoyer deutlich. Am Ende wurde der Angeklagte daher in zwei der drei Anklagepunkte freigesprochen. „Es war ersichtlich, dass es ihm leidtut. Es ist ein feiner Kerl, der hier mal Mist gebaut hat“, so Soric.

Das Urteil

Der Angeklagte wurde wegen sexueller Beleidigung zu einer Geldstrafe von insgesamt 1000 Euro verurteilt. Sexuelle Beleidigung bedeutet, erklärte Richter Luippold, dass eine Frau ohne Ankündigung „betatscht wird“, wobei man Missachtung der Frau aufzeigt und ihre Ehre verletzt. Bei dem Tatvorwurf sexuelle Nötigung wendet der Täter gegenüber seinem Opfer Gewalt an – etwa, indem er sie festhält. Das hat das 16-jährige Mädchen aber vor Gericht nicht bestätigt.