Waiblingen

Betrüger wissen, wie sie an Pakete gelangen

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Symbolbild. © Büttner / ZVW

Waiblingen. Die Leute vom Zustellservice sind meist im Laufschritt unterwegs. Noch ein Paket und noch eins und noch eins: Könnten Sie für Frau XY die Sendung annehmen? Wer möchte schon dem gehetzten Menschen die Bitte abschlagen. Doch Gauner nutzen Gutmütigkeit aus, Stichwort: Bestellbetrug. Bei einem anderen fiesen Trick nutzen Ganoven das Packstationen-System für ihre Zwecke.

„Nehmen Sie nur Pakete für Personen an, die Sie kennen“, mahnt die Polizei in einem Flyer. Gauner sind dreist genug, in anonymen Mehrfamilienhäusern einen Briefkasten mit falschem Namen anzubringen. Paketzusteller geben dann Ware beim Nachbarn ab – und Betrüger holen sich dort, was ihnen nicht gehört. Sie behaupten, ein Verwandter habe um Abholung gebeten, die Mutter warte unten, der Besteller sei im Urlaub – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Unangenehm wird’s für den freundlichen Paket-Aufbewahrer, weil seine Adresse als letzter bekannter Aufenthaltsort des Pakets gespeichert ist. Betrügereien in Zusammenhang mit Paketen dürften bald wieder zunehmen, denn das Weihnachtsgeschäft steht bevor. Dann sind ohnehin so viele Pakete unterwegs – da fällt das eine oder andere „überflüssige“ nicht auf.

Masche Zwei: die falsche Packstation

Der Briefkasten quillt über vor lauter Spendenanfragen – vielleicht geht dann auch noch ein Brief von der Post im Stapel unter. Darauf setzen Gauner. Es handelt sich um einen älteren Trick, „auf den niemand mehr hereinfällt“, wie Post-Pressesprecher Hugo Gimber hofft. Doch die Berichte im Internet über diese Masche reißen nicht ab.

Auch ein Bürger aus dem Rems-Murr-Kreis bittet die Zeitung: Warnen Sie Postkunden vor diesen Tricks. Krimininelle suchen sich im Telefonbuch eine beliebige Adresse aus und legen auf diesen Namen einen Zugang zu einer Packstation an. Der Ahnungslose erhält Nachricht von der Post mitsamt einer Goldcard. Diese ist seit einiger Zeit nötig, um ein Paket an der Packstation abholen zu können.

Betrüger bestellen teure Waren

Um an die Goldcard zu gelangen, lassen sich Betrüger wiederum einiges einfallen. Zum Beispiel klingeln sie ganz einfach beim unbescholtenen Empfänger der Post-Nachricht und behaupten, die Sendung sei falsch ausgeliefert worden und müsse wieder abgeholt werden.

Mit der Goldcard in Händen können Betrüger nun fröhlich teure Waren bestellen. Die Geheimnummer, die sie an der Packstation brauchen, lassen sie sich auf ein Prepaid-Handy schicken. Die Rechnungen für all die betrügerisch erlangten Waren gehen an den ahnungslosen angeblichen Nutzer der Packstation. Bis er sich wehrt und den Zugang sperrt, sind womöglich schon viele Pakete mit wertvollem Inhalt in die falschen Hände geraten.

Masche Drei: Zugangsdaten stehlen

Über gefälschte E-Mails könnten Betrüger außerdem an Zugangsdaten zu Packstationen gelangen. In solchen E-Mails wird vorgetäuscht, im Anhang befänden sich Daten zu erwarteten Postsendungen.

„In echten E-Mails beginnt der enthaltene Link zur Sendungsverfolgung immer mit der Adresse http://nolp.dhl.de/. Gefälschte E-Mails zeigen hier auf andere Adressen, die entweder nur den Anschein haben, von DHL zu stammen oder gar keinen Bezug zu DHL haben“, erläutert die Post in ihren Sicherheitshinweisen.

Masche Vier: Versicherungsbetrug...

Von einer weiteren Masche weiß der Bürger aus dem Rems-Murr-Kreis zu berichten: Dreiste Zeitgenossen versichern ein Paket, das es gar nicht gibt, und geben Wertloses an der Packstation auf – um hernach von der Post das Geld zu kassieren.

„So einfach ist es nun nicht, uns zu betrügen“, kontert Pressesprecher Hugo Gimber. In strittigen Fällen lässt sich die Post Rechnungen vorlegen zum Kauf der Ware, die sich angeblich im Paket befand.

... ist selten erfolgreich

Damit kommt ein Paketempfänger nicht weiter, der mit der Post einen Garagenvertrag abgeschlossen hat, so nennt sich das umgangssprachlich. Grundsätzlich darf ein Zusteller ein Paket nur gegen Unterschrift des Empfängers oder des Ersatz-Annehmers aushändigen. Ein Garagenvertrag erlaubt, dass ein Paket auch an einem festgelegten Platz auf einem Grundstück abgelegt werden darf.

Ist das Paket verschwunden, haftet in diesen Fällen der Empfänger, nicht die Post, erläutert Hugo Gimber – aber: „In der Regel passiert da nichts.“