Waiblingen

Betrugsmasche greift um sich

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Ein typischer Versuch, sensible Daten abzufischen. Nicht reagieren! Mail löschen! © Montage: Habermann / @ Dan Race/

Waiblingen. Die Täter sind nicht doof, im Gegenteil. Täuschend echt wirken ihre E-Mails. Darin behaupten sie, eine Bankverbindung habe sich geändert. Firmenzahlungen sollten auf ein neues Konto fließen. Manchmal haben die Gauner Erfolg mit dieser Masche. Im Rems-Murr-Kreis registriert die Kripo eine Menge Versuche.

Es geht meist um hohe Beträge, schnell mal 50 000 Euro. Betrüger finden im Internet leicht jede Menge Informationen über Firmen – und schreiben dann mit fingierten Mails deren Kunden an. Die Informationen in den Mails stimmen, deshalb wird nicht jeder Empfänger gleich misstrauisch. In der Mail heißt es dann: Unsere Kontoverbindung hat sich geändert. Bitte überweisen Sie künftig auf folgendes Konto.

Der Schwindel fällt im schlimmsten Fall erst auf, wenn eine Mahnung eintrudelt und der Kunde nachprüft, woran’s liegt – er hat doch bezahlt.

Was tun bei einem Verdacht?

Sehr oft, aber eben nicht immer, fliegt der Betrugsversuch zum Glück schon am Anfang auf, bevor eine Zahlung fließt. Stutzig werden könnten Buchhalter, weil sie plötzlich auf ein Konto im Ausland, womöglich in einem exotischen Land, überweisen sollen. Beim geringsten Verdacht lieber bei der Firma anrufen, welche die Mail – angeblich – verschickt hat, rät Heike Seitzer. Sie leitet innerhalb des Polizeipräsidiums Aalen die Kriminalinspektion 3 für Wirtschaftskriminalität und Korruption. „Stark im Kommen“ sei die beschriebene Art von Überweisungsbetrug, warnt die Kriminaloberrätin. Sollte tatsächlich eine Änderung der Kontodaten vorliegen, wird eine Firma ihre Geschäftspartner eher per Serienbrief darüber informieren als per Mail.

Unterschriften von Geschäftsführern finden sich in Geschäftsberichten

Betrüger versuchen ihr Glück auf vielfältige Art und Weise. Beispielsweise machen es sich Gauner zunutze, dass kleinere Firmen durchaus noch mit Schecks arbeiten. Unterschriften von Geschäftsführern sind leicht ausfindig zu machen – ein Blick in den Geschäftsbericht genügt. Heike Seitzer rät Firmen, die im Zahlungsverkehr Schecks nutzen, die Bank zu bitten, vor einer Einlösung erst nachzufragen, ob alles seine Richtigkeit hat.

Vorsicht bei der Eingabe von Kreditkartendaten

Die klassische Phishing-Mail zielt eher auf die Gutgläubigkeit von Privatpersonen ab. Der Versender gibt sich als Bank, Zahlungsdienstleister oder Kreditkartenunternehmen aus und gibt beispielsweise vor, eine Sicherheitsüberprüfung stehe an. Der Empfänger wird aufgefordert, seine Kartendaten einzugeben – die sich daraufhin im Besitz Krimineller befinden. „Ein seriöses Unternehmen fragt solche Daten nicht per Mail ab“, sagt Heike Seitzer. Ganz generell rät sie zur Vorsicht bei der Eingabe von Kreditkartendaten. Im Internet existieren genügend gefälschte Shops mit täuschend echt aussehenden Homepages, deren einziger Zweck es ist, Daten abzugreifen. Auch bei extremen Schnäppchen rät Heike Seitzer zu Misstrauen: Niemand verschenkt teure Konsumartikel, auch im Internet nicht. „Gier frisst Hirn“ – dieser Mechanismus kann böse Folgen haben. Am Ende handelt es sich um Hehlerware, um Plagiate, oder aber der Käufer sieht das megagünstige Wohnmobil niemals – hat aber Überführungsgebühren im Voraus bezahlt.

Verlockende Immobilienangebote

Beim Immobilienkauf wird ebenfalls gern getrickst: Ein sehr verlockendes Angebot taucht im Internet auf. Der angebliche Besitzer behauptet, er könne nicht zu einer Besichtigung kommen. Nach Überweisung einer Kaution werde er aber den Schlüssel zusenden. Der Interessent wird mit Schrecken feststellen, dass der Schlüssel leider gar nicht passt oder die Wohnung längst vermietet ist. Die Kaution indes ist weg.

Eine endlose Liste von Betrugsmaschen

Heike Seitzer kann die Liste mit Beispielen für Betrugsmaschen beliebig fortsetzen. Anrufe von angeblichen Microsoft-Mitarbeitern nennt die Kriminaloberrätin beispielsweise. Sie behaupten, eine Fernwartungssoftware müsse aufgespielt werden. Auf diese Weise verschaffen sich Kriminelle Zugang zum Rechner und grasen diesen nach verwertbaren Daten ab.

Ein weiterer fieser Trick: Betrüger verschicken per SMS Rechnungen zu erotischen Dienstleistungen. Diese sind durch rein gar nichts gerechtfertigt – aber manche Empfänger zahlen vor Schreck einfach doch. Das rechnet sich für die Täter.

Heike Seitzer rät dringend davon ab, Zahlungen zu leisten, bei denen man sich unsicher ist, oder unter Druck auf irgendwelche Angebote einzugehen. Der bestmögliche Schutz ist: „Den gesunden Menschenverstand einschalten“.

Gefälschte Mails

Die weit verbreitete Betrugsmasche mit gefälschten E-Mails, die auf eine angeblich geänderte Kontoverbindung hinweisen, ist unter Fachleuten bekannt unter dem Begriff „Payment diversion fraud“, zu Deutsch: Umleiten von Zahlungsströmen.