Waiblingen

Bildhauer-Symposium der Kunstschule

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Kursleiterin Anna Eiber bei der Arbeit mit Holz. © Mathias Ellwanger
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Rolf Stecher und Gisela Rapp bei der Arbeit. © Schneider / ZVW
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Kursleiterin Anna Eiber. © Schneider / ZVW

Waiblingen. In einem Holzstamm oder einem Stein die darin verborgene Skulptur zu erkennen und sie Schlag für Schlag ans Tageslicht zu holen: Das erfordert Kreativität, Mut und Geschick. Beim Bildhauer-Symposium an der Kunstschule haben neun Männer und Frauen ihre ganz persönliche Skulptur geschaffen. „Bildhauerei ist ganz einfach“, sagt Kursleiterin Anna Eiber: „Man klopft weg, was nicht dazu gehört.“

Ganz so einfach sieht die Arbeit der neun Teilnehmer des Symposiums an diesem Morgen allerdings nicht aus. Mike Steinmetz steht im Hof der Kunstschule und legt letzte Hand an seine Frauenskulptur an. Schon vor zwei Jahren hat er beim Bildhauer-Symposium mit der Arbeit begonnen, den Akt aber dann auch zu Hause noch nicht fertiggestellt. „Alleine läuft das nicht so gut“, sagt er. „Hier sind lauter Gleichgesinnte und du kriegst wertvolle Tipps.“

Für die Tipps zuständig ist die freischaffende Künstlerin und Kursleiterin Anna Eiber. Bei einer Vorbesprechung konnten die Teilnehmer ihre Vorstellungen einbringen oder sich auch erst noch anregen lassen. Es folgten eine Dia-Schau und ein zweistündiger Aktzeichenkurs, dann sollten die Teilnehmer eine Skizze oder ein Modell der späteren Plastik machen. Nun stehen Fortgeschrittene und Anfänger gleichermaßen an ihren Skulpturen - und sie inspirieren sich gegenseitig. Einer, der sich vorher nie als Bildhauer versucht hat, ist Rolf Stecher. Er steht an einem Sandstein und versucht, ihn Schlag um Schlag in Form zu bringen. Einige Aquarellkurse hat er bereits besucht, nun wollte er sich an einem anderen Material versuchen. „Die Bildhauerei ist schweißtreibend. Das geht ins Kreuz“, sagt er lachend. Im Moment arbeitet er an seinem zweiten Stein. Der erste bekam Sprünge und wurde aussortiert. Bildhauen, sagt er, habe was Elementares. Lust, nach dem Symposium weiterzumachen, hat er aber schon. „Vielleicht mache ich mal was Größeres.“ Gisela Rapp hat sich schon 1999 der Bildhauerei verschrieben, „aber ich übe noch“, sagt sie und lacht. Aus einem Lindenstamm soll ein ganz besonderer Hocker entstehen: einer mit vier Beinen, Bauch und Po. „Die Bildhauerei ist total meditativ“, schwärmt Rapp. Dazu komme die homogene und inspirierende Gruppe und die super Verpflegung: „Es ist wie im Urlaub.“

Jeder arbeitet für sich, aber auch in der Gemeinschaft

Tatsächlich ist die Gruppe ein wesentlicher Faktor: „Jeder arbeitet für sich, aber auch in der Gemeinschaft“, sagt Anna Eiber. Fast jeder der Teilnehmer erlebe bei der Arbeit auch Krisen, die gemeinsam besprochen werden könnten. „Dafür sind die gemeinsamen Mittagessen super.“ Neun Männer und Frauen, die unterschiedliche Vorkenntnisse und Motivationen mitbringen und doch alle das gleich wollen und erfahren: Dass Bildhauerei ein Kampf sein kann, wie es Anna Eiber formuliert. „Man sieht zwischendurch – nichts.“ Und dann ist sie plötzlich da, die Form, die zuvor nur im Kopf oder auf einer Skizze präsent war.

Diese Erfahrung hat auch Manfred Bodenhöfer gemacht. Normalerweise unterrichtet er an der Kunstschule Schüler im Aktzeichnen, nun hat er die Rollen vertauscht und nimmt selbst als Schüler teil. Vor ihm liegt ein Holzstamm, aus dem sich gerade ein weiblicher Akt schält. „Ganz langsam kann ich selber erkennen, was es wird“, sagt er vergnügt. Bildhauerei, das heißt, vom Zweidimensionalen zum Dreidimensionalen zu kommen, sei viel schwieriger als er dachte. „Und man hat schnell zu viel weggehauen ... Man braucht Geduld.“

Dass der Stein nicht immer reagiert wie geplant, weiß auch Petra Kusnier. Mit Ton hat sie bereits Erfahrung. Nun bearbeitet sie einen Sandstein, dessen Größe allein schon eine Herausforderung ist. „Es ist ein Kraftakt“, sagt sie. Aus der Ebene eine Wölbung entstehen zu lassen: Selbstverständlich ist das nicht. „Ein Stein lässt sich eben nicht einfach formen“, sagt Anna Eiber. „Bildhauerei dauert etwas länger.“

Workshop mit Austausch und Begegnung

Bereits zum 25. Mal hat das Bildhauer-Symposium der Kunstschule stattgefunden, das von den Firmen Schöllkopf, Weißschuh und Staiger unterstützt wird.

Gedacht ist es laut Kunstschulleiterin Christine Lutz als Workshop mit Austausch und Begegnung für Anfänger und Fortgeschrittene.