Waiblingen

Bislang drei Tote, nun endlich Lockerungen: So erlebt die Waiblinger Partnerstadt Mayenne die Coronakrise

Mayenne
Die Straßenreinigung in der menschenleeren Innenstadt von Mayenne. © privat

Eigentlich wollte Michel Angot in diesen Tagen entspannen, Urlaub machen und es sich einfach gutgehen lassen. Der 74-jährige Bürgermeister von Mayenne, der französischen Partnerstadt Waiblingens, hatte sich bei den diesjährigen französischen Kommunalwahlen nicht mehr zur Wahl gestellt. Doch die Wahl wurde nach dem ersten Wahlgang am 15. März jäh unterbrochen, der zweite für 22. März vorgesehene Wahlgang wegen der Corona-Pandemie verschoben auf den 21. Juni. Angot glaubt jedoch, dass dieser frühestens im September nachgeholt wird, und rechnet damit, noch bis Oktober im Amt zu sein, bevor er den Schlüssel für das Rathaus an seinen Nachfolger übergeben kann.

Bislang durfte man in Frankreich nur eine Stunde am Tag raus

Bis dahin wird ihn die Coronakrise immer wieder vor neue Herausforderungen stellen. Die vergangenen acht Wochen seien für die Menschen sehr einschneidend gewesen. Ab 17. März galt in Frankreich eine strenge Ausgangssperre: „Die Menschen durften ihre Wohnung nur mit einem Passierschein verlassen“, berichtet der Bürgermeister. Erlaubt war der Ausgang etwa für den Weg von der Wohnung zur Arbeit bei denjenigen, die kein Home-Office machen können, das Einkaufen für die Grundbedürfnisse, Arztbesuche oder die Betreuung kranker Menschen.

Maximal eine Stunde täglich durften die Franzosen raus, um spazieren zu gehen oder individuell Sport zu machen. Erst Anfang dieser Woche sind die strengen Regeln auch im Nachbarland etwas gelockert worden.

„Das Leben ist praktisch zum Erliegen gekommen“, beschreibt Michel Angot die vergangenen Wochen. Nur ein einziges Unternehmen in Mayenne habe durchgehend gearbeitet – eine Firma, die Medikamente herstellt.

Unterschiedliches Tempo bei Corona-Lockerungen: Rote und grüne Zonen

Alle anderen Betriebe waren mindestens für einige Wochen geschlossen. „Die Wirtschaft muss nun dringend in Gang kommen“, sagt Michel Angot und ist deshalb sehr froh über die Lockerungen in dieser Woche. Dafür wird das Land in Abhängigkeit vom Infektionsgeschehen in rote und grüne Farbzonen unterteilt. In den Gebieten werden die Lockerungen unterschiedlich schnell umgesetzt. „Mayenne liegt glücklicherweise in einer grünen Zone, so dass die Lockerungen hier relativ schnell umgesetzt werden können“, erklärt der Bürgermeister.

In der Stadt habe es drei, im Département 34 Todesfälle gegeben und damit sei seine Heimat relativ gut durch die Corona-Pandemie gekommen. Deshalb hofft Angot, dass die Stadt und ihre Bewohner bis Ende Mai zu einem einigermaßen normalen Rhythmus zurückfinden.

Den ersten Schritt zurück in Richtung Normalität haben am Montag die Geschäfte gemacht, die nun alle wieder öffnen dürfen. Auch die öffentlichen Parks sind in den grün eingestuften Gebieten Frankreichs wieder zugänglich. Passierscheine werden nicht mehr benötigt und die Zeit, die jeder Franzose draußen verbringen darf, ist nicht mehr begrenzt.

Franzosen dürfen wieder bis zu 100 Kilometer weit reisen

Durften sich die Franzosen in den vergangenen Wochen nur unmittelbar rund um ihren Wohnort aufhalten, bekommen sie nun mehr Bewegungsfreiheit: Reisen bis zu 100 Kilometern sind seit 11. Mai erlaubt. Wer dafür öffentliche Verkehrsmittel nutzen möchte, muss eine Maske tragen.

In anderen Bereichen des öffentlichen Lebens wird das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes empfohlen. Michel Angot rechnet damit, dass fast jeder Franzose Mund und Nase auch zum Einkaufen und an anderen öffentlichen Plätzen bedecken wird. „Schon jetzt tragen etwa zwei Drittel der Bevölkerung eine Maske“, so der Bürgermeister.

Von diesem Mittwoch an werden viele Familien entlastet: Dann werden in Mayenne Kinderkrippen und Kindergärten wieder öffnen, am Donnerstag folgen die Vor- und Grundschulen. In den Krippen dürfen maximal zehn, in den Klassen höchstens 15 Kinder gleichzeitig betreut und unterrichtet werden.

Auch Mediatheken, Bibliotheken und kleine Museen können seit 11. Mai wiedereröffnet werden. Große Museen, Kinos, Theater und Konzertsäle, Festsäle und Mehrzweckhallen bleiben dagegen weiterhin geschlossen, Hallen- und Mannschaftssportarten bleiben verboten.

Auch ein Ausflug ans Meer ist tabu: Strände bleiben mindestens bis zum 1. Juni für die Öffentlichkeit gesperrt. Noch gedulden müssen sich unter anderem auch ältere Schüler und Gastronomen, denn die weiterführenden Schulen sowie Bars und Restaurants bleiben ebenfalls zunächst geschlossen.

Über eventuelle weitere Lockerungen soll in Frankreich Ende Mai entschieden werden.

Eigentlich wollte Michel Angot in diesen Tagen entspannen, Urlaub machen und es sich einfach gutgehen lassen. Der 74-jährige Bürgermeister von Mayenne, der französischen Partnerstadt Waiblingens, hatte sich bei den diesjährigen französischen Kommunalwahlen nicht mehr zur Wahl gestellt. Doch die Wahl wurde nach dem ersten Wahlgang am 15. März jäh unterbrochen, der zweite für 22. März vorgesehene Wahlgang wegen der Corona-Pandemie verschoben auf den 21. Juni. Angot glaubt jedoch, dass dieser

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