Waiblingen

Bistro Lindenstraße droht die Schließung

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Bistro Lindenstraße: Ein Idyll auf Zeit_0
Sarah Ahmed hat der „Lindenstraße“ ein neues Gesicht gegeben. © Büttner / ZVW
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Ein vergängliches Idyll.
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Der Wintergarten.

Waiblingen. Für die Stammgäste wie den Endersbacher Pfarrer Michael Schneider ist die Lindenstraße ein Kleinod und ein kleines Stück Heimat. „Jeder ist willkommen, es ist Begegnung mitten in der Stadt“, sagt Schneider. Doch die Idylle hinter den Häusern wird nicht ewig währen. Wirtin Sarah Ahmed hat nur einen befristeten Pachtvertrag. Wenn das Areal neu bebaut wird, muss die Kneipe den neuen Häusern weichen.

Am Heiligen Abend hatte die Lindenstraße geöffnet. Morgens hatte Sarah Ahmed ein Weißwurstfrühstück angeboten, abends zusammen mit Gästen Weihnachten gefeiert. „Man ist ein bisschen Familie“, sagt die 34-Jährige. Die Gäste der Lindenstraße wissen das Flair der Kneipe zu schätzen. Holzmöbel und gerahmte Bilder an den Wänden, Blumen auf den Tischen, der liebevoll dekorierte Wintergarten und im Sommer der Garten beim Haus: Sarah Ahmed hat mit ihrem Bistro ein kleines Idyll geschaffen.

Die Tische abgeschliffen, den Wintergarten renoviert

Auch wenn sie das Ende quasi die ganze Zeit im Hinterkopf hat: In ihrem Bistro Lindenstraße, das sie „extrem urig“ und einzigartig in Waiblingen findet, wirbelt die Wirtin mit großem Engagement. „Als ich anfing, war es ziemlich dunkel und trist“, sagt sie. Die Tische hat sie abgeschliffen, den Wintergarten renoviert und den Garten hinter dem Haus aus dem Dornröschenschlaf geholt. Ihre persönliche Note wollte sie ins Bistro bringen, alles so einrichten, dass sich ihre Gäste und sie selbst zu Hause fühlen. Heute hat sie innen 50 Plätze, im Sommer draußen 80, die meist gut besetzt sind, mit viel bunt gemischtem Publikum. Sie sagt: „Ich bin auf einem guten Weg.“

Stammgäste wie Pfarrer Schneider werden ihr das gerne bestätigen. „Die Location ist spannend“, sagt Schneider. So etwas gebe es immer weniger. „Bitter“ findet es der Pfarrer, dass die „Lindenstraße“ abgerissen werden soll, und schade, sehr schade findet das natürlich auch die Wirtin selbst. Weil es doch ein Stück Waiblinger Kultur sei, das sie so lange wie möglich aufrechterhalten wolle.

Dass es nicht von Dauer sein wird, ist nicht neu. Seit zwei Jahren betreibt Sarah Ahmed die „Lindenstraße“, doch schon zuvor hatte die gebürtige Frankfurterin unter dem früheren Wirt dort gearbeitet. „Damals habe ich mich in den Garten und das Haus verliebt“, erzählt sie. Schon damals habe es aber auch geheißen, dass das Ganze irgendwann plattgemacht werden würde, erinnert sie sich. Sarah Ahmed schloss einen auf ein Jahr befristeten Pachtvertrag ab, später wurde der Vertrag um zwei weitere Jahre verlängert. Auslaufen wird er Ende des Jahres. Was dann kommt, ist für sie – noch - ungewiss.

Auch Einzelhandel war mal im Gespräch

Geht es nach den Plänen der Fiwo-Gruppe, der das Areal an der Unteren Lindenstraße gehört, beginnen die Arbeiten für neue Wohnungen. „Ich denke, dass wir bis dahin in die Gänge kommen“, sagt Fiwo-Geschäftsführer Werner Fischer. Pläne für Einzelhandel, der an dieser Stelle einmal angedacht war, habe man fallengelassen. Dass Sarah Ahmed viel Energie in die „Lindenstraße“ gesteckt habe und ihre Sache gut mache, bescheinigt ihr auch Fischer. Der Fiwo-Chef verweist aber auch darauf, dass die Pacht sehr gering und der Vertrag von Anfang an übergangsweise abgeschlossen worden sei.

Ein neues Gesicht soll nicht nur die Untere Lindenstraße, sondern das ganze Areal bis zur Blumenstraße bekommen. Im Boot sind mehrere Eigentümer, das einzige städtische Grundstück ist der Spielplatz. „Wir wollen eine qualitätsvolle Entwicklung und eine abgestimmte Planung mit allen Eigentümern“, betont Oberbürgermeister Andreas Hesky. Die Stadt übe dabei keinerlei Zeitdruck aus. In nächster Zeit will Hesky auf die Eigentümer zugehen, um mit ihnen Abstimmungsgespräche zu führen.

Das Bistro „Lindenstraße“ kennt auch der Oberbürgermeister. „Die Gaststätte hat Flair, das wird geschätzt“, versichert er. Vielleicht sei es ja möglich, dass im Viertel eine „neue Lindenstraße“ einen Platz findet: „Wir würden uns freuen, sie zu erhalten.“


Der Rahmenplan

Ein Plan für die künftige Entwicklung im Quartier zwischen der Fronacker- und der Bahnhofstraße existiert nicht. Nach etlichen Bauanfragen soll nun aber ein Rahmenplan die Züge der künftigen Bebauung festlegen.

Wie hoch, wie massiv kann und soll gebaut werden? Was fügt sich noch ein zwischen den anderen Häusern? Und wie könnte das Quartier in absehbarer Zukunft aussehen, wie in 30 Jahren? Das sind die Fragen, mit denen sich Stadt und Gemeinderat derzeit auseinandersetzen. Aktuell liegen Anfragen für einen Lebensmittelmarkt mit Wohnungen an der Ecke Blumenstraße/Fronackerstraße und für Wohnbebauung an der Unteren Lindenstraße vor.

Im Zuge der Neubebauung soll auch die Verkehrsführung in der Fronackerstraße überdacht werden.