Waiblingen

b:ohne: Unverpackt-Laden in Waiblingen hat am 20.11. eröffnet

Unverpacktladen
Der Unverpackt-Laden „b:ohne“ liegt an der Ecke von Postplatz und Stadtgraben. © ZVW/Gaby Schneider

Kaum dass am Samstag im Waiblinger Stadtgraben der Unverpackt-Laden „b:ohne“ zum ersten Mal seine Tür geöffnet hatte, gaben sich die Kunden auch schon in einem steten Strom die Klinke in die Hand. Zwei Jahre hatten die Initiatorinnen einen Laden gesucht. Der erste Kunde, berichtete Mitinhaberin Martina Mohr, habe sogar schon an der noch verschlossenen Ladentür gewartet. Es habe sich um einen Stammkunden gehandelt, der auch schon der Erste an ihrem Marktstand unter den Rathausarkaden gewesen sei, um sich dort seine Müsli-Mischung abzuholen. Mehrere Kundinnen hätten ihr bereits gesagt, dass sie sich vom Wochenmarkt, den sie gewohnheitsmäßig ansteuerten, zum neuen Laden am Stadtgraben durchfragen mussten.

Reis, Nudeln, Süßigkeiten, Joghurts und vegane Brotaufstriche

In dem einladend hellen Verkaufsraum, Tür an Tür mit dem Traditionshaus „Wolle Rödel“, findet die Kundschaft in Gläsern, die akkurat in Regalen aufgereiht sind, das umfangreiche Sortiment von „bitte:ohne“. Neben den klassischen Trockenprodukten wie Hülsenfrüchten, Reis, Nudeln, Kaffee, Süßigkeiten, Nüssen sowie Müsli und Flocken findet sich auch eine breite Produktpalette an Joghurts und veganen Brotaufstrichen. Über allem stehe die Forderung, so nachhaltig und so regional wie möglich.

Die Kunden bringen ihre Tüten und Behälter selbst mit

Es „heimele sie an“, bemerkte dazu eine ältere Dame, die kurz nach Ladenöffnung hereinschaute. Ihre 1920 geborene Mutter hätte einen klassischen Tante-Emma-Laden betrieben, in dem sie selbst aufgewachsen sei. Damals sei es noch normal gewesen, dass der Kunde aus den großen Gebinden heraus vom Verkaufspersonal mit Halbpfundschäufelchen bedient worden sei, sinnierte sie. „Damals standen die Säcke direkt im Laden auf dem Boden“, griff Mohr den Gedanken auf, im „b:ohne“ bediene sich die Kundschaft selbst. Dafür sei es notwendig, besonders genau auf Hygiene zu achten, zumal die Behältnisse für die Waren – Stoff- und Papiertüten, Glas- und Kunststoffbehälter – ja in den Laden mitgebracht würden.

Die Großpackungen, in denen die Produkte angeliefert werden, befinden sich in ihrem in Korb angemieteten Lager. Dort werden sie in die Behältnisse umgepackt, in denen sie im Laden präsentiert werden – und dann nach Waiblingen gefahren.

Die Idee zu dem Unverpackt-Laden hatte Martina Mohr vor dreieinhalb Jahren

Daneben hat „b:ohne“ Produkte des täglichen Bedarfs, Haushaltswaren, Shampoos, Seifen, Wasch- und Reinigungsmittel sowie Geschenkideen im Sortiment. Der Grundgedanke sei, soweit als möglich Verpackungsmaterial ganz zu vermeiden, und wenn verpackt, dann auf Mehrweg und Recycling zu setzen. Die eigentliche Idee zu diesem Verkaufskonzept, erzählte Mohr, sei ihr vor ungefähr dreieinhalb Jahren gekommen, als sie selbst ein festes Shampoo in Händen hielt und sich darüber Gedanken machte, wie viel Verpackungsmaterial dies weniger benötige als ein flüssiges aus einem Einweg-Plastikbehälter.

Lange Zeit hätten sie und ihre Mitstreiterin Uta Grasmannsdorf vergebens nach einer Möglichkeit gesucht, ein Lokal für „b:ohne“ – ausgesprochen „besser ohne Verpackung“ – zu mieten, trotz der Aufgeschlossenheit und wohlwollenden Unterstützung durch das Waiblinger Stadtmarketing. Entweder seien die Vermieter skeptisch gewesen, wenn sie ihnen ihr Konzept vorstellten, oder die Vorstellungen über die Miethöhe hätten sich nicht in Einklang bringen lassen.

Stammkundin Christa Gußmann: Die Innenstadt lebt von der Vielfalt

Es sei ein „Armutszeugnis“ für die Waiblinger Ladenbesitzer, merkte dazu die Stammkundin Christa Gußmann vorwurfsvoll an. Die Innenstadt lebe von der Vielfalt der Geschäfte und dass jeder, der sie besuche, das für ihn passende Angebot finde. Dazu gehöre auch, sich neuen Konzepten gegenüber aufgeschlossen zu zeigen und ihnen eine Chance zu bieten.

Schließlich, so Martina Mohr, hätten sie sich dazu entschlossen, am 20. November vergangenen Jahres erstmals auf den Waiblinger Wochenmarkt zu gehen und sich dort mit ihren Waren zu präsentieren. Die Akzeptanz sei ermutigend gewesen, und von einer Kundin seien sie auf die Möglichkeit hingewiesen worden, im Stadtgraben doch noch einen Laden zu erwerben. Mit „Wolle Rödel“ verstehe man sich sehr gut, schließlich gebe es ja durchaus Überschneidungen bei der Kundschaft, von denen beide profitieren könnten. Die Finanzierung für den doch recht umfangreichen Umbau versuche man über eine Crowfunding-Aktion zu stemmen, die noch übers Internet laufe.

Nachhaltig einkaufen

Sie freue sich vor allem über das Angebot, beim Einkaufen auch etwas für den Nachhaltigkeitsgedanken zu tun, erklärte Sieglinde Hahn, ebenfalls Stammkundin, seit Mohr und Grasmannsdorf erstmals auf dem Waiblinger Wochenmarkt ihren Stand aufbauten. Seitdem führe sie ihr samstäglicher Einkauf regelmäßig zu ihnen. Dass dies nun ein attraktiver Laden mitten in der Stadt sei, freue sie umso mehr.

Kaum dass am Samstag im Waiblinger Stadtgraben der Unverpackt-Laden „b:ohne“ zum ersten Mal seine Tür geöffnet hatte, gaben sich die Kunden auch schon in einem steten Strom die Klinke in die Hand. Zwei Jahre hatten die Initiatorinnen einen Laden gesucht. Der erste Kunde, berichtete Mitinhaberin Martina Mohr, habe sogar schon an der noch verschlossenen Ladentür gewartet. Es habe sich um einen Stammkunden gehandelt, der auch schon der Erste an ihrem Marktstand unter den Rathausarkaden gewesen

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