Waiblingen

Boom vorbei? Viele Schnelltest-Zentren in Waiblingen könnten bald wieder schließen

Altenheim
Wie läuft die Impfung im Altenheim Wilhelmine-Canz-Haus ab? Stiftung Großheppacher Schwestern.  Drinnen wird vom mobilen Impfteam geimpft, außerdem werden Schnelltests gemacht © ALEXANDRA PALMIZI

Die Schnelltestzentren sind in den vergangenen Wochen wie Pilze aus dem Boden geschossen. Im Bürgerzentrum, bei Apotheken und Ärzten sowieso – aber auch bei der Tanzschule Fun and Dance, beim Sitzmöbel-Fachhänder Seats and Sofas, bei der Veranstaltungstechnik GmbH Ilux oder beim Autohaus Lorinser. Aber so schnell, wie sie entstanden sind, könnten viele von ihnen auch schon wieder verschwinden.

Einkaufen ohne Schnelltest, Friseurbesuche oder ein Nachmittag im Freibad: All das ist bei stabiler Corona-Inzidenz unter 35 wieder ohne Schnelltest möglich. Damit bricht ein großes Stück des schnell gewachsenen Marktes weg. Andere Einsatzgebiete bleiben vorerst: Zum Beispiel in Fitnessstudios, bei Privatfeiern in Restaurants oder bei Konzerten im Innenraum gilt die 3-G-Regel: genesen, getestet oder geimpft.

Apotheker stellen die Renditefrage

Nach Betrugsvorwürfen gegen einzelne Anbieter und wohl auch wegen des flächendeckenden Angebots plant das Bundesgesundheitsministerium, die Vergütung für die kostenlosen Bürgertests zu senken. die Testzentren sollen pro Test nicht mehr 18, sondern nur noch elf Euro abrechnen können. Der Apothekerverband stellt bereits die Renditefrage und warnt vor dem Ausstieg vieler Apotheken aus der kostenlosen Bürgertestung.

Die Betreiber der Schifffahrtsgesellschaft „Neckar Käpt’n“ haben in Stuttgart und der Region in kürzester Zeit mit der Firma „NK Medical Services“ ein Netz von Schnelltest-Zentren aufgebaut – in Waiblingen in der der Tanzschule Fun and Dance sowie in der Cocktail- und Shisha-Bar Toledo. Was die geplante geringere Vergütung für das Geschäftsmodell bedeuten würde? „Diese Frage können wir momentan nicht beantworten“, sagt Heiko Volz als Pressesprecher beim Neckar-Käpt’n. „Wir müssen sehen, was es finanziell für uns bedeutet, dann mit unseren Partnern und möglicherweise den Gemeinden reden.“ Die Gemeinden müssten für ausreichend Testzentren sorgen – und notfalls in die Bresche springen: „Wenn wir dies finanziell nicht mehr stemmen können sollten, müssen wir Stationen oder Subventionen seitens der Gemeinden erhalten.“

Spucktests immer beliebter

Im März wurden nach Angaben von Heiko Volz täglich rund 100 Tests pro Schnelltest-Zentrum durchgeführt, mittlerweile liege man zwischen 200 und 700 Tests, je nach Station. „Um dies zu bewältigen, erfordert es eine hohe Vorfinanzierung. Die Kostenerstattungen erhält man erst im Nachhinein.“ In den vergangenen Wochen sei die Nachfrage durch Lockerungen der Corona-Bestimmungen in Verbindung mit der Verfügbarkeit von Schnelltests rapide gestiegen. Die medizinische Bedeutung der angebotenen Spucktests entspreche den verbreiteteren Stäbchentests. Auch sie seien vom Paul-Ehrlich-Institut validiert – aber angenehmer. Immer mehr Kunden verlangten danach.

Neckar-Käpt'n: Test-Anzahl wird kontrolliert

Vor Ort betrieben werden die Testzentren von den Partnern, also im Fall Waiblingen durch die Mitarbeiter der Tanzschule und der Bar. Die „Medical Services“ stellen die Infrastruktur und schulen die Test-Teams. Zudem, sagt Heiko Volz, kontrollieren sie täglich die Listen aller Schnelltest-Zentren und gleichen diese mit den gelieferten Tests ab. „Dies liegt in unserer Verantwortung.“ Die Partner würden im Vorfeld genau angeschaut. Das ärztliche Team mit vier Medizinern sei „permanent“ damit beschäftigt, zu schulen, betreuen und zu kontrollieren. „Waiblingen sehen wir als einen wichtigen Standort. Gerade in der Peripherie sind Testzentren dünn gestreut.“

Schließungen möglich

Sollte es tatsächlich zu einer Reduzierung der Kostenerstattung kommen, treffe sie genau die Anbieter, die ehrlich abrechneten. „Die dies ohnehin nicht tun, werden dann künftig vermutlich einfach noch mehr Tests als tatsächlich durchgeführt abrechnen“, befürchtet der Sprecher des Neckar-Käpt’ns. „Bei Anbietern wie uns, die eine große Logistik im Hintergrund haben, um gewissenhaft arbeiten zu können, könnte es finanziell eng werden und zur Schließung von Test-Zentren führen, wenn es keine Subventionen oder Unterstützung von anderer Seiten geben sollte.“ Dies gelte ebenso für die Partner, mit denen NK Medical Services die Kostenerstattungen teile.

Dekra macht künftig Stichproben

In den vergangenen Wochen wurden bundesweit immer mehr Verdachtsfälle von Betrug mit zu viel abgerechneten Schnelltests publik. Für den Rems-Murr-Kreis sind bislang nur Einzelfälle von Unregelmäßigkeiten bekannt. So erhielten laut Auskunft des Landratsamts Personen ein negatives Ergebnis, die gar nicht zum Test erschienen waren. Diesen Fällen werde nachgegangen. In Zukunft soll es landesweit mehr Kontrollen geben. Um die Arbeit der Gesundheitsämter zu unterstützen, hat Baden-Württemberg die Dekra zusätzlich als externen Dienstleister beauftragt, der stichprobenartig und unangekündigt kontrollieren soll.

Bereits in den vergangenen Tagen und Wochen hatten Gesundheitsämter im Land vereinzelt Teststellen aufgrund mangelnder Qualität geschlossen. Auch die Firma Hi-Competence, die unter anderem eine Station auf dem Parkplatz des Waiblinger Obi-Markts betreibt, stand schon in der Kritik. Das Hauptaugenmerk bei den Kontrollen liegt vor allem auf der korrekten Einhaltung der Hygieneanforderungen und auf der ordnungsgemäßen Durchführung der Tests, beispielsweise in der Handhabung der Teststäbchen.

Die Schnelltestzentren sind in den vergangenen Wochen wie Pilze aus dem Boden geschossen. Im Bürgerzentrum, bei Apotheken und Ärzten sowieso – aber auch bei der Tanzschule Fun and Dance, beim Sitzmöbel-Fachhänder Seats and Sofas, bei der Veranstaltungstechnik GmbH Ilux oder beim Autohaus Lorinser. Aber so schnell, wie sie entstanden sind, könnten viele von ihnen auch schon wieder verschwinden.

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