Waiblingen

Brand im Bürgerzentrum: Geständnis zum Prozessauftakt

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Eine Drohnenaufnahme zeigt die Löscharbeiten am Tag nach der Brandstiftung. © Laura Edenberger

Waiblingen. Sieben Monate nach dem mutmaßlichen Brandstifter jetzt in die Gänge gekommen. Der 22-Jährige, der beim Berufsbildungswerk wohnt und arbeitet, gestand die Tat. Viele Details kamen ans Licht, die Frage nach dem Motiv indes bleibt vorläufig noch offen.

Klar scheint, dass der junge Mann am Abend des 27. März betrunken war – ziemlich sogar. Waren die ersten Verhandlungstermine beim Landgericht Stuttgart schon nach kürzester Zeit abgebrochen worden, weil ein psychologisches Gutachten noch ausgestanden hatte, beschäftigte sich die Siebte Große Strafkammer am Dienstag nun ausführlich mit dem Fall.

Mit leiser Stimme antwortete der labil wirkende junge Mann auf Fragen des Richters Rainer Gless zu seiner Kindheit, zu Trinkgewohnheiten und dem Tathergang. Oft mit tief gesenktem Kopf, als wolle er sich in seinen auf dem Tisch vor ihm verschränkten Armen verstecken. Laut der Anklage ist er geistig behindert, die Staatsanwaltschaft geht von einer verminderten Schuldfähigkeit aus.

Bier und Wodka im Park, dann am Container gezündelt

Der Tag der Tat fing nicht gut an. Statt zur Arbeit ins Berufsbildungswerk (BBW) kommen, verschlief der Angeklagte und folgte dem Vorschlag eines Kumpels, sich im Stuttgarter Schlosspark zu treffen. Dort saßen sie in kleiner Runde auf einer Bank und konsumierten Bier und Wodka, den sie mit Energydrinks mixten.

Der Angeklagte trank schon da reichlich und ging seinen Begleitern wohl bald so auf die Nerven, dass sie ihn wegschickten. Wieder in Waiblingen, traf er sich umgehend mit einem anderen Freund und dessen Freundin im Park beim Bürgerzentrum, um der gleichen Beschäftigung nachzugehen. Allein bei diesem abendlichen Stelldichein leerte er offenbar zwei Bier und die Hälfte der Wodkaflasche.

„Es gab sofort eine hohe Stichflamme, wie wenn Fett brennt“

Als das Pärchen mit dem Bus die Heimfahrt antrat, ging er nicht ebenfalls nach Hause, sondern machte sich folgenreich am Bürgerzentrum zu schaffen. Zuerst beschädigte er in der Tiefgarage ein Räumfahrzeug, bevor er aus einem Müllcontainer ein Stück Pappe zog, anzündete und wieder hineinwarf.

Von der Wirkung war er offenbar selbst überrascht: „Es gab sofort eine hohe Stichflamme, wie wenn Fett brennt.“ Da bekam er es mit der Angst zu tun, man könnte ihn entdecken, entfernte sich und ging nach Hause in seine Wohngruppe, um seinen Rausch auszuschlafen.

Am nächsten Morgen erfuhr er durch einen Mitbewohner vom Großbrand im Büze, ließ sich aber nichts anmerken. Im Lauf des Tages fuhr er mit dem Bus am Tatort vorbei, „aber ich konnte nicht hinschauen“. Videoaufnahmen und Fingerabdrücke hatten ihn überführt.