Waiblingen

Brummis rollen weiter

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Bis dahin müsse man Dosierampeln und Blitzer eben akzeptieren. Denn an einem zweifelt er nicht: Der Verkehr wird weiter zunehmen. © Archivbild: Palmizi / ZVW

Waiblingen/Remseck. Das Durchfahrverbot für Lkw in Neckarrems kommt nicht. Stattdessen soll eine Pförtnerampel dafür sorgen, dass der Stau draußen bleibt. Oberbürgermeister Andreas Hesky hat den Beschluss erleichtert zur Kenntnis genommen, nachdem die Gefahr von immer mehr Lastwagen in den engen Ortsdurchfahrten von Neustadt und Hohenacker damit gebannt ist. Zufrieden ist Hesky damit noch nicht.

In Neckarrems sollte es für reinere Luft sorgen. Doch gegen das Lkw-Durchfahrtsverbot und damit gegen die Verlagerung des Schwerlastverkehrs auf andere Straßen haben die Nachbarkommunen Waiblingen, Fellbach und Schwaikheim energisch protestiert. Mit Erfolg: Das Regierungspräsidium ist in seinem Luftreinhalteplan für Remseck von diesem Plan wieder abgerückt. Die Begründung: Der Verkehr würde auch auf Straßen in den Nachbarkommunen ausweichen, auf denen schon jetzt die Grenzwerte für Lärm und Feinstaub überschritten würden.

Helfen soll eine Dosier-Anlage

Helfen soll den geplagten Neckarremsern stattdessen ab Mitte 2017 eine Dosier-Ampelanlage: eine Ampel vor dem Ortseingang, die mit der Ampel in der Ortsmitte gekoppelt ist und immer nur so vielen Fahrzeugen grünes Licht gibt, wie durchfahren können. Konsequenz: Der Stau bleibt draußen. Bis zu 300 Meter weit in Richtung Hegnach, in Ausnahmefällen auch mal bis an die Ortsgrenze, werden sich Brummis und Autos Oberbürgermeister Hesky zufolge zurückstauen. Weil sich der Feinstaub in der freien Landschaft anders als in einer engen Häuserschlucht nicht sammelt, sondern abziehen kann, ist das gut für die Feinstaubbilanz.

Am Grundproblem der Verkehrsmassen vor Neckarrems ändert das aber nichts, stellt Andreas Hesky fest. Weshalb die Dosierampel für ihn nur „ein Herumdoktern an den Symptomen und nicht an der Ursache“ ist.

Der Verkehr wird nicht weniger

Fakt ist für ihn: Der Verkehr ist da, und er wird auch nicht weniger – das hätten umfangreiche Verkehrszählungen schon vor Jahren ergeben. Dass Neckarrems überhaupt eine Dosierampel braucht, um nicht im Verkehr zu versinken, ist für ihn ein weiteres Zeichen dafür, dass die Region „eine leistungsfähige Straßenverbindung außerhalb der Ortskerne“ brauche. Ganz bewusst vermeidet er dabei das Wörtchen „Nord-Ost-Ring“, da dieser im Bundesverkehrswegeplan vierspurig wäre.

„In Waiblingen herrscht Konsens, dass wir keinen vierspurigen Nord-Ost-Ring brauchen, aber eine zweispurige, an Steigungen dreispurige Nord-Ost-Tangente wünschen“, erinnert er an einen Beschluss des Gemeinderats. Zwingend sei die Untertunnelung des Schmidener Feldes, wo immer das machbar ist. Dass eine mehrspurige Straße über das ökologisch sensible Feld trotzdem höchst umstritten ist, weiß er durchaus. Ein Hindernis ist das für ihn nicht: „Ökologie ist wertvoll, aber nicht so bedeutend wie die menschliche Belastung.“

„Nord-Ost-Ring würde die Feinstaubbelastung reduzieren“

Da werden dem Oberbürgermeister und Fraktionsvorsitzenden der Freien Wähler im Regionalparlament die neusten Ergebnisse zum Nord-Ost-Ring gerade recht kommen. Auf Antrag der Freien Wähler von Januar 2016 hatte der Verband Region Stuttgart die Auswirkungen eines Nord-Ost-Rings und Filderaufstiegs auf Feinstaub und Stickoxide prüfen lassen. Jetzt liegen die Ergebnisse vor. Die beiden Straßenbauvorhaben zusammen würden den Kern des Ballungsraums nahezu flächendeckend entlasten, heißt es in der Sitzungsvorlage des Verkehrsausschusses.

Mit beiden Maßnahmen zusammen, so das Untersuchungsergebnis weiter, würde die jährliche Kfz-Fahrleistung im Stuttgarter Talkessel um rund 13 Prozent verringert werden. Stickoxide und Feinstaub würden sich im Talkessel um 14 Prozent reduzieren, im Stadtgebiet (bei einer Filterung der Abluft im Filderaufstiegstunnel) um sechs Prozent. Um mehr als 70 Prozent (bezogen auf die Querschnittsbelastung im Bezugsszenario 2025) würde die Remstalstraße in Neckarrems entlastet werden.

Sowohl für den drei- als auch vierspurigen Nord-Ost-Ring kommen die Gutachter in ihrer Gesamtbeurteilung im Verkehrsplan zum Ergebnis, dass den unbestritten erheblichen ökologischen Folgen sehr hohe verkehrliche Vorteile mit einer starken Entlastung des nordöstlichen Kernraums gegenüberstehen. Weitere positive Auswirkungen wären aus Sicht der Gutachter auch „umfangreiche Entlastungen der Ortsdurchfahrten, eine erhebliche Erhöhung der Verkehrssicherheit sowie eine große Reduktion bei Lärm- und Schadstoffen“.

Das Land zeigt keinerlei Bestrebungen

„Ich fühle mich bestätigt“, sagt Oberbürgermeister Andreas Hesky angesichts dieses Untersuchungsergebnisses. Eine direkte Auswirkung wird das Gutachten trotzdem nicht haben, da die Region weder die Planung noch den Bau beschließen kann. „Wir können nur deutlich machen, dass der Nord-Ost-Ring nötig ist“, meint Hesky. Dass das Land für solch bombastische und auch umstrittene Straßenbaumaßnahmen momentan keinerlei Bestrebungen zeigt, ist ihm durchaus klar. „Wenn der Nord-Ost-Ring in 15 Jahren gebaut wäre, wäre das schon schön.“