Waiblingen

Bunte Buchstaben am Remstalradweg

Buchstaben an der Rems werden bunt_0
Die Mitglieder der Künstlergruppe Art-U-Zehn gestalten die Buchstaben an der Rems neu. Am „R“ arbeitet Linda Kauffmann. © Habermann / ZVW

Waiblingen. Das R wird gelb, das M orange, das T rot, ein L violett, das U blau und ein anderes L grün. Seine Farben bekommt der Schriftzug "Remstalquellen" nach dem Farbkreis. Wer welchen Buchstaben bemalen darf, das hat die Künstlergruppe Art-U-Zehn ausgelost. Die Aktion soll Schmierfinken künftig davon abhalten, die Skulpturen zu verunstalten – denn genau das war mit den ursprünglich rostroten Buchstaben geschehen.

Die Waiblinger Künstlergruppe Art-U-Zehn bemalt derzeit 13 der 14 Buchstaben, die am Remsufer entlang des Remstalradwegs stehen. Einen Buchstaben, ein L, wollen die Künstler in seinem ursprünglichen Zustand in rostrotem Metall lassen. „Als Denkmal sozusagen“, wie Michael Schäfer erklärt. Die restlichen Buchstaben bemalen die Mitglieder von Art-U-Zehn derzeit in bunten Farben.

„Wir haben uns dabei am Farbkreis orientiert“, erklärt Schäfer weiter. Das Spektrum reicht von Gelb über Orange, Rot, Violett und Blau bis Grün. Ein Buchstabe wird außerdem grau – auch ein Element des Farbkreises. Weil die Gruppe mehr Mitglieder hat, als Werke gestaltet werden sollen, teilen sich einige Mitglieder „ihren“ Buchstaben.

Hintergrund: Schmierereien auf den Buchstaben

Hintergrund der Aktion sind Schmierereien, die Unbekannte auf den Buchstaben hinterlassen hatten. Um Schmierfinken künftig abzuschrecken, ging die Stadt Waiblingen mit dem Vorschlag, die Buchstaben neu zu gestalten und zu kleinen Kunstwerken zu machen, auf Art-U-Zehn zu. Die Künstler berieten sich, ob es für sie angesichts anderer laufender Projekt möglich sei – und sagten zu.

Das Neue, die Herausforderung, war es, was sie reizte. Denn „klein“ sind die Kunstwerke höchstens im übertragenen Wortsinne: Die Buchstaben sind inklusive der Ständer etwa 2,30 Meter hoch, stehen draußen und sind der Witterung ausgesetzt.

Auf Leinwand arbeitet es sich anders

Das machte eine ganz andere Arbeitstechnik nötig, als die Künstler sonst gewohnt sind. Auf Leinwand arbeite es sich anders, darin stimmen sie überein. Und auch die Farbe ist anders als gewohnt: „Sie ist zäh und trocknet schnell, sie lässt sich nicht so wischen, wie zum Beispiel Acrylfarbe“, berichtet Ursula Rieger.

Sie hat gemeinsam mit Anke Kratz das blaue „U“ am Beinsteiner Brückle bemalt. Wasserflaschen haben die beiden sich als Thema gesucht, wegen der Nähe zum Mineralbrunnen und zur ehemaligen Sprudel-Abfüllung. Das „U“ ist fertig – andere Künstler haben ihre Buchstaben bislang nur grundiert oder stehen mitten im Schaffensprozess.

„Das M ist eventuell fertig“, sagt Bettina Wyderka. Sie hat gemeinsam mit Margarete Laible gemalt und auf ihrem Buchstaben („Weil es so ein warmer Buchstabe ist“) sind zwei Menschen zu sehen, die sich anblicken. Außerdem sind dort jede Menge altmodische Worte mit M zu lesen.

Wassertierchen, ein Leuchtturm und rotviolette Strukturen

Auch das „N“ (dort lässt Gabriele Negele den Mond auf- oder untergehen, je nach Betrachter), das „Q“ (geziert von Roswita Otts Formensprache), ein „E“ (darauf haben Susanne Thumm und Christa Rilling Wassertierchen gemalt) und ein „L“ (auf dem Ortrud Zawadzki einen Leuchtturm hat entstehen lassen) sind bereits fertig.

An den Zahnrädern auf einem anderen „E“ arbeitet Ursula Schäfer noch. Ihr Mann möchte auf dem anderen „L“ Gesichter in Lila entstehen lassen. „Ich muss noch überlegen, wie das geht, ohne dass es zu düster wird“, sagt er. Denn im Gegensatz zu den meisten anderen Buchstaben stehe seiner im Schatten.

Auf dem derzeit noch weißen „A“ möchte Anette King-Boeck rotviolette Strukturen entstehen lassen, vielleicht aber auch etwas ganz anderes. „Die Ideen kommen, wenn ich angefangen habe. Ich habe keine Entwürfe gemacht“, sagt sie. Elke Jergler hingegen hat für ihr rotes T jede Menge Entwürfe gemacht, entschieden hat aber auch sie sich noch nicht. Immerhin hat sie drei Favoriten: Tee, eine Tomate oder einen Skater. Welcher es wird? „Das entscheide ich spontan“, so Jergler.

Die Künstler wollen noch in diesem Jahr fertig werden

Es ist ein kreativer Prozess. So mancher Entwurf verändert sich beim Malen – und auch die Farbe bestimmt einiges. Die Stadt hat eine Vorgabe gemacht: Bis zur Remstal-Gartenschau 2019 sollen die Kunstwerke fertig sein.

Ein eigenes Ziel haben sich die Künstler gesetzt. Sie wollen ihre Arbeit noch in diesem Jahr abschließen – wenig verlockend erscheint ihnen die Vorstellung, in Jacke, Schal und Handschuhe gemummelt in der Kälte zu stehen und Buchstaben zu bemalen. Zumal sich dann auch die Farbe möglicherweise schlechter verarbeiten lasse.

Bis zur Eröffnung der Gartenschau 2019 werden die Buchstaben also wohl allemal fertig.


Aktuelle Ausstellung in der VHS

Derzeit sind Werke der Künstlergruppe „Art-U-Zehn“ in der VHS Waiblingen (Bürgermühlenweg 4, Foyer im 1. OG) zu sehen.

Noch bis Mittwoch, 23. Januar, kann dort die Ausstellung „Albbacken“ besichtigt werden. Gezeigt werden Werke der Künstler, die während eines gemeinsamen Backtages im Beinsteiner Backhäusle entstanden sind. Dabei kam nämlich nicht nur Brot heraus, sondern auch Bilder rund um das gemeinsame Backen. Vorausgegangen war ein Ausflug auf die schwäbische Alb, ausgestattet mit Skizzenbüchern.

Die VHS ist montags, mittwochs und donnerstags, jeweils von 9 bis 12.30 Uhr und 14.30 bis 18 Uhr, sowie dienstags und freitags, jeweils von 9 bis 12 Uhr geöffnet. Zu diesen Zeiten kann die Ausstellung besichtigt werden.