Waiblingen

Burkinis sind meistens erlaubt

Burkini
Der Burkini – in Berliner Freibädern wird er getragen. Im Rems-Murr-Kreis eher nicht. © dpa

Waiblingen. An den Stränden von etwa 30 französischen Kommunen war er kurzzeitig verboten: Frauen durften dort nicht mehr im Burkini baden. Der französische Staatsrat, das oberste Verwaltungsgericht des Landes, hat die Burkini-Verbote jedoch für illegal erklärt. Burkinis sind Badeanzüge, die den ganzen Körper bedecken, und werden üblicherweise von Muslimas getragen.

Lange Ärmel, lange Hosen, ein weites Gewand, das sowohl über den Po geht als auch ein integriertes Kopfteil hat – so sieht üblicherweise ein Burkini aus. Manch Sportlehrerin ist dankbar um das Kleidungsstück, weil dank des Ganzkörper-Badeanzugs auch die muslimischen Mädchen am Schwimmunterricht teilnehmen. Andere sehen die Verhüllung kritisch. Im Rems-Murr-Kreis allerdings sind, so zeigt die Umfrage, die Burkinis eine Seltenheit und daher noch nicht als Problem aufgefallen.

Schorndorf: Burkini ist kein Problem und darf getragen werden

In den Schorndorfer Bädern ist der Burkini bislang kein großes Thema. „Bisher hatten wir noch niemand, der damit baden wollte“, sagt Alexander Huschka, stellvertretender Betriebsleiter bei den Stadtwerken. Prinzipiell wäre das muslimische Bekleidungsstück aber kein Problem für die Stadt. Solange die Bekleidung fürs Baden zugelassen sei, komme man damit auch ins Schwimmbad. Erfahrungen mit Burkinis hat das Bädle in Schorndorf-Weiler noch keine, wie Gisela Mahr, Erste Vorsitzende des Fördervereins, berichtet. Dafür sei in dieser Saison ein anderes Problem zum ersten Mal aufgetaucht: Jugendliche und junge Erwachsene, die unter der Badehose eine normale Unterhose tragen. „Aus hygienischen Gründen lehnen wir das ab“, sagt Mahr. Eine Änderung der Badeordnung ist für kommende Saison bereits in Planung.

Winterbach: Erwünscht sind Badeanzug und Badehose

Rainer Blessing, Leiter des für Schwimmbäder zuständigen Bauamts in Winterbach kann sich an keinen Fall erinnern, bei dem jemand mit einem Burkini im Bad aufgetaucht wäre. Blessing sagt aber ganz klar: „Das wollen wir nicht.“ Erwünscht seien Badeanzug und Badehose. Auch einem Mann, der kürzlich mit einem String-Tanga baden gehen wollte, musste die Gemeinde eine Absage erteilen. Es gebe schließlich auch Kinder und Jugendliche im Schwimmbad. „Unsere Sitte und unser Anstandsgefühl verbietet da so etwas.“ Eine Zeit lang habe man auch ein Problem mit Flüchtlingen gehabt, die mit T-Shirt und Jogginghose ins Wasser gehen wollten. „Aus hygienischen Gründen ist das aber nicht akzeptabel.“ Der Bademeister sei angewiesen worden, niemanden damit baden zu lassen. Nach einem Gespräch mit dem örtlichen Arbeitskreis Flüchtlinge sei das aber kein Thema mehr. „Aktuell funktioniert es“, sagt Blessing.

Urbach: Schon im vergangenen Jahr wurde mit Burkinis gebadet

In Urbach wurde hingegen bereits mit Burkinis gebadet: „Schon letztes Jahr waren ein paar Damen damit zu sehen“, berichtet Schwimmmeister Hans-Peter Lied. Prinzipiell sei das aber kein Problem. Urbach gibt sich tolerant. Auch bei Textilien, die eigentlich untersagt seien, drücke man ab und an ein Auge zu, etwa wenn die Besucher sehr sonnenempfindlich seien. Absolut tabu sei lediglich das Nacktbaden: „Wir sind schließlich ein Familienbad.“

Rudersberg: Noch keine Regelung, weil noch kein Burkini

Den Nassbereich dürfe man in Rudersberg „nur in der üblichen Badebekleidung“ betreten, sagt Bettina Bischof, Hauptamtsleiterin der Gemeinde Rudersberg. T-Shirts und Jogginghosen seien deshalb untersagt. Der Burkini sei bislang hingegen kein Thema gewesen. Darum gebe es noch keine Regelung, wie damit umzugehen sei.

Remshalden: Es wird „geeignete Badekleidung“ gefordert

Auch Remshalden sieht im Moment keinen Handlungsbedarf. „Das Thema Burkini ist bislang kein Thema“, sagt Melanie Pfrommer, Sachgebietsleiterin für die Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde. Die Badeordnung sehe lediglich vor, dass „geeignete Badekleidung“ verwendet werde. Näheres sei dort nicht definiert.

Plüderhausen: Der See kennt keine Kleidervorschriften

Am Plüderhausener Badesee hat man noch keine Erfahrung mit Burkinis gemacht. Verboten wäre er allerdings auch nicht. Laut Badeordung ist es zwar untersagt, am See zu reiten oder nach 23 Uhr zu baden. Kleidervorschriften finden sich darin jedoch keine.

Winnenden: Bade-Burkini aus Synthetik erlaubt

Mit der momentanen Mode und auch religiösen Vorstellungen geht das Wunnebad liberal um. Ob Badehose in Lederhosenoptik oder Schlabberbermuda – solange sie fürs Schwimmen hergestellt sind, geht das in Ordnung. Bäderleiterin Kerstin Fuchs berichtet, dass die Haus- und Badeordnung das Tragen von „üblicher Badekleidung“ vorschreibt, wie man sie in Sportgeschäften kaufen kann. Das heißt, wer ins Wasser möchte, sollte etwas aus synthetischem Gewebe anhaben, das sich nicht mit Wasser vollsaugt. Wer hingegen mit Baumwoll-, Jeans- oder echter Lederhose badet, der läuft Gefahr unterzugehen – und wird von der Aufsicht am Schwimmen gehindert.

Schwimmmeister überprüft das Material

„Wir hatten vor zwei, drei Jahren tatsächlich eine Dame da, die im Burkini baden wollte. Die Schwimmmeister durften das Material anfassen und es war in Ordnung“, erzählt Kerstin Fuchs. „Unsere weiblichen Badegäste, die mit Kopftuch kommen, sitzen aber meist im Schatten auf der Wiese, beobachten ihre Kinder und gehen nicht ins Wasser“, sagt Fuchs. Einen muslimischen Badetag hat sie zuletzt vor etwa 25 Jahren in Bremen erlebt, eine Gemeinde hat das Bad gemietet und peinlich darauf geachtet, dass sämtliches Personal nur aus Frauen besteht. „Wenn hier so etwas gemacht wird, dann werden Vereins- oder Hotelbäder dafür gemietet“, meint Kerstin Fuchs.

Knappe Kleidung macht mehr Probleme

Sie berichtet weiter, dass Badegäste sich hingegen schon beschwert haben, wenn Männer und Frauen zu knapp bekleidet waren. „Ein Stringtanga beim Herrn oder Federballspielen oben ohne wird schon als Erregung öffentlichen Ärgernisses begriffen. Wir sagen daher, die Badekleidung muss auch familientauglich sein. Wir sind ja nicht an der Copacabana.“

Weinstadt: Kein Frauenbadetag, kein muslimischer Badetag

Hier die Auskunft der Stadt Weinstadt in Sachen Burkini. Es gibt in Weinstadt zwei Freibäder und zwei Hallenbäder.

Simone Beißwenger ist stellvertretende Leiterin des Amts für Öffentlichkeitsarbeit, Kultur und Stadtmarketing in Weinstadt. Sie erklärt: „Es gibt keine Regelung, wonach Burkini-Trägerinnen ausgeschlossen werden.“ Heißt: Burkini-Trägerinnen dürften die zwei Frei- und die zwei Hallenbäder in Weinstadt im Burkini benutzen. Es gibt allerdings weder einen Frauenbadetag noch einen muslimischen Badetag.

Waiblingen: In allen Waiblinger Bädern darf Burkini getragen werden

Und was macht Waiblingen? René Schmidt von den Stadtwerken und zuständig für den gesamten städtischen Badebetrieb, ist in Sachen Badebekleidung vollkommen entspannt. Burkinis, sagt er, sind erlaubt, genauso wie die langen Badenhosen der Jungs. Während die langen Badehosen aber viel genutzt werden, halte sich das Auftauchen der Burkinis „in Grenzen“. Und wenn, dann würden sie in Hallenbädern genutzt. Freibäder sind noch burkinifrei.

Burkini-Geschichte

Die Öffnung des australischen Rettungsschwimmwesens für Muslime und insbesondere muslimische Frauen inspirierte die libanesisch-australische Designerin Aheda Zanetti im Jahr 2004 dazu, eine entsprechende Schwimmbekleidung zu entwerfen – den Burkini.

Burkinis waren schon immer umstritten: Einerseits ermöglichen sie auch muslimischen Frauen und Mädchen, schwimmen zu gehen. Andererseits lehnen selbst Menschen aus muslimischen Ländern den Burkini ab.

In Deutschland wurde der Burkini als Möglichkeit gesehen, muslimische Mädchen in den Schwimmunterricht zu bringen. Am 11. September 2013 entschied das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, dass muslimische Schülerinnen regelmäßig keine Befreiung vom koedukativen Schwimmunterricht verlangen könnten, wenn ihnen die Möglichkeit offenstehe, hierbei einen Burkini zu tragen.

In Frankreich verbot Ende Juli 2016 die Stadt Cannes das Tragen von Burkinis am Strand. Andere Städte folgten. Der Hintergrund: Frankreich wurde mehrfach von islamistischem Terror erschüttert. Der Burkini wird unter anderem auch als Symbol für diesen gesehen.