Waiblingen

Bus-Streik in Waiblingen: Schüler-Eltern sind genervt

20210701065741_5I7A1851
Streikende Busfahrer am Donnerstag, 1. Juli 2021, vor der Betriebsstätte von OVR in Waiblingen-Beinstein. © ZVW/Gabriel Habermann

„Dass man streikt, ist in Ordnung – aber der Zeitpunkt ist völlig daneben“: Eltern aus Bittenfeld sind stinksauer auf die Gewerkschaft Verdi, die für diesen Donnerstag zum Warnstreik im privaten Omnibusgewerbe aufgerufen hat. Betroffen sind unter anderem sämtliche Buslinien der Omnibus-Verkehr Ruoff GmbH (OVR) in Waiblingen, nämlich die Linien 205, 207, 208, 209, 216 und 218. Auch von Fischle fahren an diesem Tag keine Busse. Neben den genannten OVR-Linien müssen Fahrgäste laut der Stadt Waiblingen auf Busse der Linien 201, 201A, 202, 204, 431 und X43 verzichten.

Eltern müssen am Morgen und mittags ihre Kinder zur Schule fahren – und dadurch steigt natürlich die Gefahr, dass die Eltern am Salier-Schulzentrum wie am ersten Warnstreiktag am 22. Juni 2021 in Staus verwickelt werden. Dort ist nämlich die Verkehrslage eh schon angespannt, weil die Leute über die einspurige Straße "Im Sämann" die gesperrte Winnender Straße umfahren.

Bereits am Warnstreiktag am 22. Juni 2021 gab es Stau vor dem Salier-Schulzentrum

Eine Mutter aus Bittenfeld berichtet, dass sie allein für die Fahrt zur Salier-Realschule an jenem Morgen 45 Minuten brauchte. Normalerweise, sagt sie, seien nur 20 Minuten nötig. „Es war eine Mordsschlange – wir sind im Kreisverkehr gestanden.“ Eine Mutter einer Schülerin des Salier-Gymnasiums hat den Stau ebenfalls erlebt, bestätigt die Blechlawine bis runter zum Kreisverkehr beim ehemaligen Waiblinger Krankenhaus und spricht von einem „absoluten Horror“.

Auch am 1. Juli gibt es morgens ein Verkehrschaos

Das ganze Szenario hat sich am 1. Juli wiederholt. Für die Hinfahrt zum Salier-Gymnasium brauchte die Mutter morgens zwar nur 15 Minuten, doch für die Rückfahrt waren schon 35 Minuten nötig. Ihre Tochter hat die Bittenfelderin vor dem Gymnasium auf der Straße rausgelassen, so wie viele andere Eltern auch. Der Parkplatz, sagt sie, sei bereits voll gewesen - und damit sei es nicht möglich gewesen, dort zu halten. 

Erfahren haben die Eltern von dem Warnstreik am Dienstagabend, weil eine Mutter in einer Eltern-Whatsapp-Gruppe eine Mitteilung des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS) geteilt hat.

Eltern haben aus Solidarität trotz Lockdown weiter Busticket bezahlt

Die Eltern haben das Gefühl, dass auf sie keine Rücksicht genommen wird. Aus Solidarität haben beide Mütter, wie andere Eltern aus Bittenfeld auch, trotz des monatelangen Fernlernunterrichts nicht das Busticket für ihre Töchter gekündigt – und jeden Monat rund 45 Euro gezahlt. Nachdem nun dank der niedrigen Inzidenzzahlen wieder ein halbwegs normaler Schulalltag möglich ist, ärgert es die Bittenfelderin besonders, dass die Gewerkschaft Verdi ausgerechnet jetzt Warnstreiks durchzieht. Schließlich sind es nicht zuletzt die Kinder, die wegen der Pandemie besonders benachteiligt sind. „Warum die Kinder immer wieder die Leidtragenden sind, verstehen wir nicht.“ Aus ihrer Sicht hätte Verdi die aktuelle Tarifauseinandersetzung auch ein halbes Jahr später führen können.

Logistische Herausforderung für Eltern

Die Mutter der Gymnasiastin betonte, dass solch ein Warnstreiktag für viele Eltern eine logistische Herausforderung ist. Sie selbst hat drei Kinder: eines besucht die Grundschule, eines die Kita und das dritte eben das Salier-Gymnasium. Und alle drei Kinder muss sie mit dem Auto fahren. Theoretisch könnte ihre älteste Tochter mit dem Fahrrad unterwegs sein – allerdings beträgt die Strecke von Bittenfeld zum Salier-Schulzentrum auf der kürzesten Route an der Kreisstraße entlang laut Google Maps acht Kilometer.

Schulbusse fahren nach Warnstreik am 22. Juni zum zweiten Mal nicht

Thassilo Schriegel, Ortschaftsrat in Bittenfeld, findet es als Vater zweier schulpflichtiger Kinder eine Schande, jetzt zum zweiten Mal keine Schulbusse fahren zu lassen, gerade mit Blick auf die Zumutungen für die Kinder durch die Pandemie. „Jeder Arbeitnehmer konnte weitgehend seiner Tätigkeit nachgehen. Nur die Schüler hat man nicht an ihren Arbeitsplatz gelassen mit Verweis auf die Pandemie. Jetzt sollen es Elterntaxen und Elternfahrgemeinschaften richten.“

OVR-Geschäftsführer Horst Windeisen kritisiert Verdi-Forderungen

Gestritten wird in dem aktuellen Tarifkonflikt nicht ums Gehalt, sondern um Pausenregeln sowie Nacht- und Sonntagszuschläge. Horst Windeisen, Geschäftsführer der vom Streik betroffenen Busfirma OVR, sagt, dass die Gewerkschaft dafür sorge, dass kein Bus die OVR-Betriebsstätte in Beinstein am Donnerstag verlässt. Aus diesem Grund würden alle Fahrten am Donnerstag ausfallen. „Wir können keine einzige Linie bedienen.“ Im aktuellen Tarifkonflikt würden Arbeitgeber und Gewerkschaften weit auseinanderliegen. „Die Gewerkschaft Verdi hat Forderungen, die die Personalkosten explodieren lassen.“ Dazu komme, dass ein Unternehmen wie OVR 30 bis 40 Prozent weniger Fahrgäste habe als vor Corona.

Horst Windeisen glaubt, dass sich Verdi mit dem Streik keinen Gefallen tut, da viele Bürger in der aktuellen Situation dafür kein Verständnis hätten. Verdi wirft wiederum den Arbeitgebern aktuell vor, die vierte Verhandlungsrunde verlassen und keine weiteren Verhandlungstermine vereinbart zu haben.

Auch das Busunternehmen Fischle ist vom Streik betroffen

Ralf Steinmetz vom Busunternehmen Fischle Regionalverkehr hat am Dienstag erfahren, dass erneut der OVR-Betrieb in Beinstein bestreikt wird. „Da wir dort Mieter sind und der OVR im Subauftrag für uns fährt, sind wir indirekt betroffen.“ Busse von Fischle fahren am Donnerstag laut Ralf Steinmetz aus mehreren Gründen nicht: In der Regel würden von den Streikenden die Ausfahrten blockiert, und man wisse im Vorfeld nicht, ob und wie viele Fahrer zur Verfügung stünden. Da OVR direkt bestreikt wird, fielen wesentliche Teile der Leistungen von Fischle aus – „auch wenn wir teilweise fahren könnten“. Weder für die Fahrgäste noch für Fischle selbst besteht in solch einer Konstellation Planungssicherheit, ob und welche Linien bedient werden können.

Die Stadt Waiblingen wurde laut dem Fachbereich Bildung und Erziehung am Dienstag, 29. Juni, vom Landratsamt Rems-Murr-Kreis über den Streik des Busunternehmens OVR per E-Mail informiert. "Die Information wurde von der Schulverwaltung unverzüglich an die Schulen weitergeleitet", teilt die Stadtverwaltung mit. Die Eltern seien direkt über die Schulen oder den Elternbeirat informiert worden.

Die Eltern wurden laut der Stadt gebeten, den Schulweg ihrer Kinder am Streiktag entsprechend umzuorganisieren, etwa durch den Umstieg auf andere Verkehrsmittel. In anderen Kommunen im Rems-Murr-Kreis, etwa in Schorndorf, wird indes nicht gestreikt. 

„Dass man streikt, ist in Ordnung – aber der Zeitpunkt ist völlig daneben“: Eltern aus Bittenfeld sind stinksauer auf die Gewerkschaft Verdi, die für diesen Donnerstag zum Warnstreik im privaten Omnibusgewerbe aufgerufen hat. Betroffen sind unter anderem sämtliche Buslinien der Omnibus-Verkehr Ruoff GmbH (OVR) in Waiblingen, nämlich die Linien 205, 207, 208, 209, 216 und 218. Auch von Fischle fahren an diesem Tag keine Busse. Neben den genannten OVR-Linien müssen Fahrgäste laut der Stadt

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper