Waiblingen

BVB-Fans von VfB-Fans attackiert: War ein Waiblinger dabei?

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Die Tat ereignete sich vor Spielbeginn im Tunnel am Stadion. © AdobeStock

Waiblingen/Bad Cannstatt. Von hinten getreten, Fanschal entwendet, Trikot zerrissen und geschlagen: Weder für eine Gruppe VfB-Fans noch für Borussia-Dortmund-Mitfieberer verlief das Fußballspiel im Oktober vergangenen Jahres so, wie sie sich das vorgestellt hatten. Ein 19-Jähriger musste sich nun wegen Körperverletzung vor dem Waiblinger Amtsgericht verantworten.

Es sollte ein friedlicher Fußballtag mit Freunden und Bekannten werden. Doch vergebens. Ein 19-jähriger Waiblinger steht nun wegen Körperverletzung vor dem Amtsgericht, weil ein Borussia-Dortmund-Fan in Begleitung seiner Verlobten, seines künftigen Schwiegervaters und Schwagers von einer Gruppe VfB-Fans angegriffen worden ist. Das Gericht soll klären, ob der Angeklagte dabei war.

„Irgendwann habe ich von hinten einen Tritt gespürt“

Die Tat ereignete sich vor dem Spiel im Tunnel am Stadion. „Irgendwann habe ich von hinten einen Tritt gespürt“, sagt der Geschädigte im Zeugenstand. Als er sich nach dem Täter umdrehte, habe er eine Gruppe schwarz und uniform gekleideter Menschen gesehen. Die Situation artete in wenigen Sekunden in eine wüste Schlägerei aus, bei der dem Geschädigten mit Gewalt das Trikot und der Fanschal ausgezogen wurden. Als sein Schwager zu den Sicherheitsleuten im Stadion lief und andere zur Hilfe eilten, verschwanden die Täter.

„Es scheint einstudiert zu sein unter den Jungs“, sagt der Schwiegervater im Zeugenstand. Er musste in ein Krankenhaus eingeliefert und medizinisch versorgt werden. Ebenso wie seine Tochter und sein Schwiegersohn ist er der Meinung, den Angeklagten erkannt zu haben. Nur sein zweiter Schwiegersohn ist sich etwas unsicher. „Ich würde behaupten, er war einer der zwei Täter, die das Ganze ausgelöst haben“, sagt er. Der Täter soll eine schwarze Kappe getragen haben. Woran die junge Frau den Angeklagten erkannt habe, möchte der Richter Armin Blattner wissen. „An seinen Augen“, sagt sie. „Es sind ja eigentlich auch schöne Augen.“

Der Angeklagte streitet es ab und geht von einer Verwechslung aus

Doch der Angeklagte streitet die Vorwürfe ab. Er geht von einer Verwechslung aus. Denn weder habe er ein T-Shirt mit einem Logo angehabt, welches für die organisierte Fangemeinde Commando Cannstatt steht, noch sei er in einer großen Gruppe unterwegs gewesen, sagt er dem Richter. An diesem Tag sei er mit seinen drei Freunden von Waiblingen aus nach Cannstatt ins Stadion gefahren. Er sei ein normaler Fan, einer organisierten Fangemeinde gehöre er nicht an. Eine Dauerkarte habe er nicht, nur gelegentlich gehe er ins Stadion. Vor dem Eingang hätten sich die vier Freunde aufgeteilt und seien nacheinander ins Stadion gekommen, berichtet der Angeklagte. Als er am Drehkreuz wartete, habe plötzlich die Verlobte des Geschädigten auf ihn gezeigt und behauptet: „Er war’s.“

War er es wirklich? Bei der Durchsuchung auf der Polizeiwache wurden bei ihm jedenfalls weder der Schal noch das Trikot des Geschädigten gefunden worden, so der ermittelnde Polizeibeamte im Zeugenstand. Weil im Beweisordner ein Lichtbild des Angeklagten fehlte, konnte die Täterbeschreibung der Geschädigten nicht überprüft werden. Die Jugendgerichtshilfe bezeichnet den Angeklagten als einen sensiblen, überaus angepassten Jugendlichen. Weder in der Schule noch anderweitig sei er negativ aufgefallen. Das sieht der Staatsanwalt ähnlich. „Bei besten Willen kann ich eine Verwechslung nicht ausschließen.“ Daher fordert er Freispruch. So sieht es auch der Richter: Bei der Frage, was der Angeklagte angehabt habe, gebe es gewisse Zweifel. „Die ziehen sich alle dunkel an und haben eine Mütze auf – das ist das Problem bei diesen Fällen.“ Er könne sich nicht erklären, weshalb jemand, der so etwas gemacht haben soll, am Eingang stehen bleiben und warten sollte. Das Ergebnis der Verhandlung sei bedauerlich für die Geschädigten. Andererseits könnte im Zweifelsfall sonst ein Unschuldiger verurteilt werden.