Waiblingen

CBC, Teneria, Mauritius, Sachsenheimer: Was bleibt von der Gastronomie in Waiblingen?

Teneria
Die Teneria in Waiblingen kämpft um ihre Existenz. © Alexandra Palmizi

Die Zapfsäulen in den Restaurants und Bars sind abgestellt und die Tische bleiben leer. Vor allem für die Gastronomen ist der Teil-Lockdown eine enorme Herausforderung. In der Waiblinger Innenstadt sprechen die ersten Wirte davon, dass ihre wirtschaftliche Existenz ernsthaft bedroht sei. Vor allem für die vergleichsweise jungen Unternehmerinnen und Unternehmer scheint die Lage schmerzhaft zu sein.

„Es steht auf der Kippe“

Im Sommer hatte Stefanie Gleich, Wirtin der Teneria in Waiblingen, wieder Mut gefasst. Es sollte weitergehen. In ihren Wintergarten hatte sie sogar noch mal rund 6000 Euro und eine Menge Zeit investiert. Sogar einen zweiten Boden für die Heizung habe sie eingezogen. „Da sollte eine romantische Hüttenstimmung aufkommen“, sagt sie. Außerdem hatte sie Weinproben organisiert. Der Lockdown im November stoppte das Team und ihre Pläne allerdings komplett. „Wir stehen da wie Idioten“, sagt Gleich. Die wirtschaftliche Lage des Restaurants sei kritisch. „Es steht auf der Kippe“, sagt die Wirtin des Restaurants.

Das Restaurant Teneria musste eine Auszubildende entlassen

Besonders bitter sei es gewesen, dass sie ihre erst frisch angestellte Auszubildende vor Ablauf der Probezeit wieder kündigen musste, finanziell sei es einfach nicht anders gegangen. Die Mitarbeiter in der Küche seien außerdem in Kurzarbeit. Am Telefon ist Stefanie Gleich anzuhören, dass ihr all das sehr nahegeht.

Mit dem Verkauf von To-go-Produkten versucht

Vor elf Jahren habe sie das besondere Gebäude an der Rems gekauft, und ihr Restaurant eröffnet. Wenn es so weitergehe, dann werde sie das Haus aber wohl verkaufen müssen. Derzeit brüte sie über der Buchhaltung und versuche das Geschäft zu retten. An den vergangenen Wochenenden hatte es Gleich auch mit dem Verkauf von To-go-Produkten versucht.

Aus dem Fenster der Teneria bot sie Glühwein und kleine Essen an. Damit bot sie in der Stadt eine kleine Alternative zum Weihnachtsmarkt. Doch der Verkauf habe sich kaum gelohnt, erzählt sie. Die Aktion habe sie daher vorerst wieder eingestellt. Wenn sie tatsächlich schließen muss, dann sei die Arbeit der vergangenen elf Jahre zerstört, meint sie.

Wie geht es dem Mauritius in der Fronackerstraße?

Auch das Mauritius in der Fronackerstraße leidet unter der aktuellen Situation. Ivica Sagolj, Chef des Restaurants in Waiblingen und Fellbach sagt offen: „Wir kämpfen“. Er sei bereits im Gespräch mit seiner Bank und dem Finanzamt. Er hofft, dass die Novemberhilfe des Bundes bald fließt, noch ist kein Geld bei ihm angekommen. Während viele Kosten, wie beispielsweise die Miete für die Unternehmen bleibt, fallen die Einnahmen zum allergrößten Teil weg. Sagolj bietet zwar im Mauritius einen Abholservice an, doch die Einnahmen bezeichnet er als einen „Tropfen auf den heißen Stein“. Auch bei ihm wird es offenbar eng.

Insgesamt 44 Mitarbeiter

Er habe insgesamt 44 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, fast alle sind fest angestellt. Entlassen habe er bislang niemand, viele Mitarbeiter seien seit Anfang dabei. Sobald es nach dem Lockdown richtig weitergeht, sei er auf sein Personal auch wieder angewiesen, über Jahre habe er viele eingearbeitet.

Im Jahr 2011 hat Ivac Sagolj das Mauritius in Fellbach eröffnet, 2014 schließlich das zweite Standbein in Waiblingen. Es handelt sich dabei um Franchise-Unternehmen. Auch in vielen anderen Städten in Süddeutschland gibt es Restaurants mit diesem Namen und dem Angebot. Auch wenn die aktuelle Situation wirklich sehr schwierig ist, der Mauritus-Chef betont, dass er noch nicht aufgeben wolle.

Jürgen Olma vom Sachsenheimer: „Wir werden das überstehen“

Optimistisch zeigt sich hingegen Jürgen Olma vom Restaurant Sachsenheimer und Café Tagblatt. Olma sagt: „Wir werden das überstehen“. Wenn es das Sachsenheimer aber erst seit wenigen Jahren geben würde, dann wäre das wohl anders. Das Unternehmen habe Rücklagen, davon profitiere man nun. Der heute 60-jährige Unternehmer hat 1985 das Café Tagblatt eröffnet, im Jahr 1995 schließlich das Sachsenheimer. Die aktuelle Situation zu überstehen sei nur deshalb möglich, weil er schon so lange dabei ist.

„Das ist eigentlich Beschäftigungstherapie“

Derzeit bietet das Sachsenheimer Essen zum Mitnehmen an, sowohl mittags aus auch abends. Doch das sei nur gerade so kostendeckend. Derzeit habe Olma einen Mitarbeiter in der Küche und einen im Service beschäftigt. „Das ist eigentlich Beschäftigungstherapie“, sagt er offen. Es geht vor allem darum, weiterzumachen. All seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien in Kurzarbeit, immerhin habe er bislang niemanden entlassen müssen, meint er. Er hofft, dass bald ein Impfstoff zur Verfügung steht und es wieder weitergehen kann.

Auch Gastro-Schwergewicht Matthias Hönes ist optimistisch

Auch Matthias Hönes, der unter anderem Chef des CBC in Waiblingen ist, bleibt trotz Krise optimistisch. Spurlos geht auch an ihm die Krise nicht vorbei, große Teile der Umsätze fehlen, doch noch kann er seine Mitarbeiter halten. Die Differenz zwischen Kurzarbeitergeld und dem vollen Lohn zahle er seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sogar freiwillig aus. „Ich bin guten Mutes“, sagt er.

Iguana übernehmen

Mit einem Angebot zum Mittagessen versucht er derzeit, die Kundschaft anzulocken. Vor wenigen Tagen erklärte Hönes sogar, das ehemalige Iguana zu übernehmen und einen Ableger des Franchise-Unternehmens Joe Peña’s dort zu eröffnen. Damit expandiert Hönes, der nun seit 20 Jahren in der Gastronomie ist, sogar noch.

Was bringt der Teil-Lockdown in Sachen Corona-Zahlen?

Die Schuld für die schwierige Situation der Gastronomen sucht Hönes auch bei der Politik. „Der Teil-Lockdown bringt in Sachen Corona-Zahlen nichts, während er den Unternehmern schadet“, sagt er. Sinnvoller wäre gewesen, die Gastronomie nach Weihnachten zu schließen, wenn ohnehin viele Betriebsferien machen. Diese Zeit sei wirtschaftlich ohnehin recht ruhig, da wäre ein strikter Lockdown für alle zielführender gewesen, meint er.

Die Zapfsäulen in den Restaurants und Bars sind abgestellt und die Tische bleiben leer. Vor allem für die Gastronomen ist der Teil-Lockdown eine enorme Herausforderung. In der Waiblinger Innenstadt sprechen die ersten Wirte davon, dass ihre wirtschaftliche Existenz ernsthaft bedroht sei. Vor allem für die vergleichsweise jungen Unternehmerinnen und Unternehmer scheint die Lage schmerzhaft zu sein.

„Es steht auf der Kippe“

Im Sommer hatte Stefanie Gleich, Wirtin der Teneria in

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