Waiblingen

„Chancen überwiegen“: Was Apotheken in Waiblingen vom E-Rezept halten

E-Rezept
Barbara Nogrady ist Inhaberin der Bahnhof-Apotheke Dr. Riethmüller in der Bahnhofstraße 25 in Waiblingen. © ZVW/Alexandra Palmizi

Wenn Barbara Nogrady von der Bahnhof-Apotheke Dr. Riethmüller in Waiblingen bisher ein fehlerhaft ausgefülltes Rezept bekommen hat, führte das mitunter zu Problemen. Da war etwa der Fall, wenn die Unterschrift vom Arzt fehlte. Auch ein abgelaufenes Rezept konnte nachher bei der Abrechnung mit der Krankenkasse Schwierigkeiten verursachen. Mit dem E-Rezept, das vom 1. September 2022 an jede Apotheke in Deutschland annehmen können soll, würde das vorbei sein. Barbara Nogrady ist darauf seit langem vorbereitet. „Ich sehe langfristig schon, dass die Chancen sicher überwiegen.“

Jeder Patient kann auf Wunsch sein Rezept weiterhin klassisch in Papierform erhalten

Alle Patienten, die sich mit der modernen Technik schwertun, kann die Waiblinger Apothekerin zugleich beruhigen: Selbst wenn ein Arzt schon auf die Ausstellung von E-Rezepten umgestellt hat, kann jeder Patient auf Wunsch sein Rezept weiterhin klassisch in Papierform erhalten. Allerdings wird sich dieser Ausdruck vom bisherigen Rezept unterscheiden, da dort nicht mehr zu sehen ist, welches Medikament genau verschrieben wurde. Diese Information ist für die Apotheken durch einen QR-Code ablesbar. Auch ist das Rezept ohne Unterschrift des Arztes gültig.

Barbara Nogrady erhofft sich Vereinfachungen bei der Abrechnung

Auch wenn die Apotheken bundesweit ab 1. September bereit sein müssen, E-Rezepte anzunehmen: Ausstellen sollen diese ab September erst mal nur Ärzte in bestimmten Modellregionen - und da gehört Baden-Württemberg nicht dazu. Auch gibt es das E-Rezept erst mal nur für gesetzlich Versicherte und hier auch nur für verschreibungspflichtige Arzneimittel. Darum muss Barbara Nogrady keinen Ansturm befürchten. Technisch sind bei ihr in der Apotheke schon lange alle Voraussetzungen gegeben, um E-Rezepte bearbeiten zu können. Wirklich testen konnte sie das bislang nicht. Sie selbst erhofft sich Vereinfachungen bei der Abrechnung mit den Krankenkassen oder bei möglichen Fehlern im Rezept. Ob sich damit wirklich Papier sparen lässt, wird aus ihrer Sicht die Zeit zeigen. Denn das hängt ja auch davon ab, wie viele Kunden das E-Rezept per Smartphone-App nutzen werden.

Apothekerin Hazha Mohammed sieht durchs E-Rezept keinen Nachteil für klassische Apotheken

Hazha Mohammed, Inhaberin der Burg-Apotheke in Hohenacker und der Söhrenberg-Apotheke in Neustadt, glaubt nicht, dass das E-Rezept im Wettbewerb mit den Online-Apotheken ein Nachteil für klassische Apotheken sein wird. Gerade die vielen älteren Kunden, welche die Apotheke vor Ort aufsuchen, wollen aus ihrer Sicht weiter ihre persönliche Beratung. Einen Vorteil des E-Rezepts für die Patienten sieht Hazha Mohammed darin, dass das E-Rezept direkt nach dem Arztbesuch elektronisch an die Apotheke geschickt werden kann – so erfahren die Leute schnell, ob das benötigte Medikament gerade verfügbar ist oder erst noch bestellt werden muss. Dadurch müssen Kunden nur einmal statt zweimal vorbeikommen. Allerdings ermöglicht es Hazha Mohammed schon jetzt bei den klassischen Papierrezepten mit Arztunterschrift, verschreibungspflichtige Medikamente über die Internetseiten der Söhrenberg-Apotheke und der Burgapotheke vorzubestellen. Dazu muss das Rezept nur fotografiert und hochgeladen werden. So gesehen ist für die Kunden von Hazha Mohammed dieser Vorteil nichts Neues.

Die Inhaberin der Burg-Apotheke und der Söhrenberg-Apotheke geht davon aus, dass vor allem erst mal die jüngeren Kunden mit E-Rezepten auf dem Smartphone in die Apotheke kommen werden. Dass sich so langfristig Papier sparen lässt, findet sie mit Blick auf die Umwelt und die derzeit hohen Papierkosten sehr gut. Sorgen vor dem Start hat sie nicht. „Wir sind zum Glück tipptopp vorbereitet.“

Neue E-Rezept-App von Gematik, der "Nationalen Agentur für Digitale Medizin"

Kathrin König, Inhaberin der Engel-Apotheke in Waiblingen-Süd, sieht im E-Rezept generell einen Vorteil – und ist schon lange vorbereitet. „Wir könnten schon seit vier Jahren.“ Dass die vom Arzt verordneten Medikamente gleich direkt über die neue E-Rezept-App von Gematik, der "Nationalen Agentur für Digitale Medizin", bestellt werden können, findet die Apothekerin gut. „Das ist der große Vorteil, dass die Leute sich einen Weg sparen.“

Für ihre Apotheke wird durch das E-Rezept die Abrechnung mit den gesetzlichen Krankenkassen leichter. Denn bei Fehlern im klassischen Papierrezept hing es laut Kathrin König bisher stark von der jeweiligen Arztpraxis und der jeweiligen Krankenkasse ab, ob und wie schnell die Apothekerin zu ihrem Geld kam. Da war es nach ihrer Darstellung möglich, dass ein Jahr verging und das Geld für ein an den Kunden ausgegebenes Medikament immer noch nicht erstattet wurde. „Das sind Sachen, die passieren können.“ Kathrin König musste dann mit sehr viel Aufwand nacharbeiten. Hier sieht sie im E-Rezept einen entscheidenden Vorteil. „Da geht es einfach leichter, weil man es digital schneller lösen kann.“

Kathrin König von der Engel-Apotheke rechnet mit Nachfragen der Kunden

Dass in den Apotheken wegen des E-Rezepts vermehrt Fragen von Kunden gestellt werden, damit rechnet Kathrin König schon. Schließlich steht auf dem ausgedruckten E-Rezept nicht mehr drauf, was genau der Arzt verschrieben hat. Diese Information ist ja nur über den QR-Code abrufbar. Die Waiblinger Apothekerin sieht diese Aufgabe indes als machbar an, schließlich beraten die Apotheken ihre Kunden in allen möglichen Dingen. „Wir kriegen das hin.“

Ob sich das E-Rezept schnell durchsetzt, ist eine andere Frage. Am 22. August gab die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein bekannt, aus dem Projekt vorerst auszusteigen - und zwar wegen Bedenken von Datenschützern, wie der Spiegel berichtet. Dieser Ausstieg könnte, so die Befürchtung, den weiteren bundesweiten Zeitplan durcheinanderbringen.

Wenn Barbara Nogrady von der Bahnhof-Apotheke Dr. Riethmüller in Waiblingen bisher ein fehlerhaft ausgefülltes Rezept bekommen hat, führte das mitunter zu Problemen. Da war etwa der Fall, wenn die Unterschrift vom Arzt fehlte. Auch ein abgelaufenes Rezept konnte nachher bei der Abrechnung mit der Krankenkasse Schwierigkeiten verursachen. Mit dem E-Rezept, das vom 1. September 2022 an jede Apotheke in Deutschland annehmen können soll, würde das vorbei sein. Barbara Nogrady ist darauf seit

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