Waiblingen

Chef der Stadtwerke Waiblingen: Windräder lösen keine aktuellen Energie-Probleme

windrad winterbach
Windrad am Goldboden bei Winterbach. © ZVW/Joachim Mogck

Eigentlich, so die FDP-Landtagsabgeordnete Julia Goll, stamme die Idee, auf der Buocher Höhe Windräder zu errichten, vom ehemaligen Waiblinger Oberbürgermeister Andreas Hesky. Nachdem diese Option wieder in den Bereich des Möglichen gerückt ist, so Goll, haben die FDP-Ortsgruppen Waiblingen und Winnenden am Donnerstag nach Hanweiler eingeladen.

Gegenwind im Gemeinderat der Stadt Waiblingen

Die Buocher Höhe sei 2011/12 mit dem Goldboden im Windkraftatlas erstmals ins Auge gefasst worden, referierte Goll in Hanweiler. Dies habe Hesky zum Anlass genommen, um dafür zu werben. Nachdem er dafür im Waiblinger Gemeinderat auf Gegenwind gestoßen war, habe man sich darauf geeinigt, zunächst einen 60 Meter hohen Windmessmast errichten zu lassen, um die tatsächlichen Windverhältnisse zu messen. Ausgebremst wurden dann alle Maßnahmen von der Deutschen Flugsicherung mit Hinweis aufs Drehfunkfeuer bei Affalterbach.

Dieses soll nun aber im vierten Quartal 2023 abgeschaltet werden. Damit rückt auch ein Windrad auf der Buocher Höhe wieder in den Bereich des Möglichen. Die Waiblinger FDP hat sich laut Julia Goll bisher weder für noch gegen ein solches Windrad entschieden. Allerdings sei man sich mit den Winnender Parteifreunden darin einig, dass die Fakten auf den Tisch müssten: Lohne es sich, eins zu errichten? Gebe es übers Jahr überhaupt ausreichend Wind? Und: Rechtfertige dies überhaupt, die Belange von Natur- und Landschaftsschutz hintanzustellen? Nachdem seit Februar alle von der Sorge um die Energiewirtschaft ergriffen seien, so Goll, habe sie ihren Parteifreund Daniel Karrais, den Vorsitzenden des Landtagsausschusses für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, sowie Frank Schöller, den Geschäftsführer der Stadtwerke Waiblingen, gebeten, an dieser Veranstaltung teilzunehmen.

Frank Schöller von den Stadtwerken Waiblingen hat einst seine Diplomarbeit über Windkraft verfasst

Als er vor 29 Jahren seine Diplomarbeit über Windkraft schrieb, meinte Schöller, sei dies so außergewöhnlich gewesen, wie wenn man sie heute über Atomkraft verfassen würde. Für eine Windkraftanlage brauche es Wind, und bevor man eine neue baue, würde er diesen über ein Jahr hinweg messen. Mit einem lasergestützten Messgerät sei dies kein Problem. Bevor nicht die Ergebnisse dieser Messung vorlägen, würde es sich seiner Ansicht nach auch nicht lohnen, über den Bau zu streiten. Allerdings, gab Schöller zu bedenken, würde der Bau von einer oder zehn Windkraftanlagen auch nicht die gegenwärtigen Energieprobleme lösen. Allein um den Strom zu ersetzen, der in dem zum 31. Dezember abgeschalteten Block des Atomkraftwerks Neckarwestheim erzeugt wird, wären 2058 Windkraftanlagen nötig, wie sie in Winterbach stehen. Doch die seien nicht vorhanden, so wenig wie die Menschen und das Material, die für deren Bau erforderlich seien.

Offshore-Windkraftanlagen sind effektiver

Im Augenblick, bestätigte Daniel Karrais, sei Baden-Württemberg „nicht gut aufgestellt“, was die Energie von morgen anbelangt. Aber im Land werde der Ausbau regenerativer Energie beschleunigt. Zu den bestehenden 780 Windkraftanlagen wolle man 1000 weitere aufstellen. Für den Bau einer Anlage würden 1,3 bis 1,5 Hektar Fläche benötigt, für ihren Betrieb 0,6 bis 0,8 Hektar. Der Umfang der Abholzungen sei seiner Ansicht nach vertretbar, zudem könne ja auf bereits bestehende Forststraßen und Wege zurückgegriffen werden. Aufgrund des stärkeren und kontinuierlicher blasenden Windes seien Offshore-Windkraftanlagen zwar effektiver, aber es funktioniere bisher nicht, den Strom von Norden, wo er vor der Küste erzeugt wird, in den Süden zu bringen, wo man ihn benötigt. Die geplanten Fernübertragungsleitungen seien bereits an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit, über den Bau weiterer werde noch nicht einmal diskutiert.

Trasse für Stromtransport: Unterirdische Leitung dreimal so teuer wie Freilandleitung

Die Planungen für „Südlink“, ergänzte Schöller, hätten 2014 begonnen. Nach mittlerweile 50.000 Einsprüchen rechne man, die Leitung 2025 in Betrieb nehmen zu können. Der Bau einer unterirdischen Leitung sei dreimal so teuer wie der einer Freilandleitung, die operativen Kosten seien achtmal so hoch. Dabei gebe es letztendlich keinen Unterschied. Bei beiden Varianten werde eine 800 Kilometer lange Schneise durch die Landschaft geschlagen, bei der unterirdischen Leitung müssten fußballfeldgroße Konverterstationen und alle 80 Meter ein Kontrollgebäude errichtet werden.

Julia Goll outete sich als „Freund des Wasserstoffs“. Angesichts steigender Energiepreise würden sich auch Alternativen rechnen. Wasserstoff, stimmte Karrais zu, sei für die Industrie relevant. Er könne grüne Energie speicherbar und transportierbar machen, und dafür könnten bereits vorhandene Gasleitungsnetze genutzt werden. Lösungen, gab Schöller zu bedenken, benötige man jetzt: „Wir müssen jetzt, sofort bauen: Leitungen, Speicher, regenerative Kraftwerke. Denn das Problem kommt zum Jahresende, wenn Neckarwestheim wegfällt.“

Eigentlich, so die FDP-Landtagsabgeordnete Julia Goll, stamme die Idee, auf der Buocher Höhe Windräder zu errichten, vom ehemaligen Waiblinger Oberbürgermeister Andreas Hesky. Nachdem diese Option wieder in den Bereich des Möglichen gerückt ist, so Goll, haben die FDP-Ortsgruppen Waiblingen und Winnenden am Donnerstag nach Hanweiler eingeladen.

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Gegenwind im Gemeinderat der Stadt Waiblingen

Die Buocher Höhe sei 2011/12 mit dem Goldboden im Windkraftatlas erstmals ins

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