Waiblingen

Corona in Heimen in Waiblingen: Trotz Impfung Angst vor der dritten Welle

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Die ersten Impfungen gegen Corona im Pflegestift Waiblingen am Kätzenbach Mitte Januar 2021. © Benjamin Büttner

Die dritte Corona-Welle ist kaum noch zu stoppen. Die Infektionszahlen steigen deutschlandweit an – und damit fällt der Blick wieder auf die Alten- und Pflegeheime. Zwar sind auch in den Waiblinger Heimen bereits viele Mitarbeiter und Bewohner geimpft, aber trotzdem herrscht dort Sorge vor weiteren Infektionen und Todesfällen. Das Haus Miriam, das Pflegestift am Kätzenbach, das Haus Elim in Bittenfeld sowie die Heime des Alexander-Stifts in Hegnach und Hohenacker haben unserer Redaktion mitgeteilt, wie die aktuelle Lage an Ostern ist.

Friedemann Müns-Österle macht die Pressearbeit bei der Paul-Wilhelm-von-Keppler-Stiftung, zu der das Haus Miriam in Waiblingen-Süd gehört. Im Dezember 2020 gab es in dem Heim einen Corona-Ausbruch, in dessen Folge mehrere Bewohner an Covid-19 starben. Aktuell, sagt Friedemann Müns-Österle, gebe es keine Corona-Fälle im Haus Miriam – allerdings beunruhigen die steigenden Inzidenzzahlen die Bewohner. „Das spürt man.“

Das Haus Miriam kommt auf 1500 Schnelltests pro Monat

Dabei trifft das Heim nach eigenen Angaben alle gesetzlich notwendigen Vorgaben. Wer es betreten will, muss einen negativen Schnelltest vorweisen. Dieser kann auch vor Ort im Heim gemacht werden. Möglich ist dies von Montag bis Freitag – und in Ausnahmefällen auch am Wochenende. Das Personal macht im Haus Miriam dreimal in der Woche einen Schnelltest. Auf 1500 Tests kommt das Heim laut Friedemann Müns-Österle insgesamt pro Monat. Das Tragen von FFP2-Masken ist ebenfalls Pflicht.

Im Haus Miriam sind nur 24 von 68 Heimbewohnern geimpft

Im Haus Miriam sind längst nicht alle geimpft. Von 86 Mitarbeitern sind 39 vom mobilen Impfteam im Heim vollständig geimpft worden. Ob andere Beschäftigte in einem Impfzentrum waren, entzieht sich der Kenntnis von Friedemann Müns-Österle. Von den aktuell 68 Heimbewohnern sind nur 24 geimpft. Die niedrige Zahl liegt indes am Corona-Ausbruch vom Dezember: Wer infiziert war, erhält ein halbes Jahr lang keine Impfung. „Es soll aber für die nächsten Wochen einen Nachholtermin geben“, sagt Friedemann Müns-Österle.

Pflegestift Waiblingen: Bislang keine Infektionen

Im Pflegestift Waiblingen am Kätzenbach, das zum Esslinger Sozialunternehmen „Dienste für Menschen“ (DfM) gehört, gibt es keine Infektionen mit dem Coronavirus. Das teilt Heike Schneider mit, die für DfM die Pressearbeit macht. „Die Bewohnerinnen und Bewohner sowie die Mitarbeitenden haben die Impfangebote gerne angenommen und im Allgemeinen gut vertragen.“ Am 30. März war das mobile Impfteam zum vierten Mal vor Ort – und impfte unter anderem Gäste der Tagespflege.

Angehörige wie alle anderen Gäste, die das Pflegestift betreten, werden laut Heike Schneider zuvor getestet oder weisen sich mit einem gültigen Testergebnis aus. „Mitarbeitende unterziehen sich dreimal pro Woche einer Schnelltestung. Die Senioren erhalten ebenfalls wöchentlich Angebote zum Schnelltest.“

Auf Ostern wurde im Pflegestift indes nicht verzichtet. So gab es die Osterdekoration, und als Ostermenü wurde an Karfreitag gebratener Wildlachs mit Bärlauch serviert und an Ostern frisch zubereiteter Braten. Für die Besucherinnen und Besucher gab es laut Heike Schneider an den Feiertagen Testmöglichkeiten, Ostern wurde also mit Besuch gefeiert. Die bekannten Beschränkungen bei Gottesdiensten und andere Vorgaben mussten im Pflegeheim eingehalten werden.

Haus Elim in Bittenfeld: Bislang nur zwei Infektionen

Im Haus Elim in Bittenfeld gab es seit den Impfungen keine Corona-Infektionen. Das sagte Hausleiter Tim Böhringer im Gespräch mit unserer Zeitung. Im Gegensatz zum Haus Miriam gab es im Haus Elim nur zwei Corona-Fälle – einmal im Frühjahr 2020 bei einem Bewohner und einmal kurz vor Jahresende 2020 bei einer Mitarbeiterin. Das mobile Impfteam hat im Haus Elim 28 von 30 Bewohnern geimpft – aber bislang nur 20 von etwa 50 Mitarbeitern.

Dass so wenig Mitarbeiter bisher eine Impfung erhalten haben, liegt laut Hausleiter Tim Böhringer auch daran, dass sich im Januar relativ wenige für eine Impfung durchs mobile Impfteam angemeldet haben. Nun, sagt Tim Böhringer, gebe es einige Mitarbeiter, die sich nun doch noch impfen lassen wollen. Sie erhalten daher vom Haus Elim einen Berechtigungsschein, den sie in einem Impfzentrum nutzen können.

Tim Böhringer vom Haus Elim: Bewohner haben Angst vor einem Impfdurchbruch

Sorgen vor einem sogenannten Impfdurchbruch gibt es im Haus Elim in Bittenfeld durchaus. Das bedeutet, dass ein Mensch trotz Impfung an Corona erkrankt. „Man hofft dann natürlich auf einen milderen Verlauf“, sagt Tim Böhringer. Wer Bewohner im Haus Elim besuchen will, muss weiter einen Schnelltest vorweisen – allerdings gab es trotzdem zwei Lockerungen: Nun dürfen zwei Personen einen Bewohner gleichzeitig besuchen – und die maximale Besuchszeit wurde von einer halben Stunde auf zwei Stunden verlängert. Abstandsregeln müssen natürlich weiter befolgt werden, auch FFP2-Masken sind Pflicht.

Seit dem Ausbruch im November 2020 keine neuen Fälle in Hegnach

Im Seniorenzentrum des Alexander-Stifts in Hegnach, das wie das Haus in Hohenacker zur Diakonie Stetten gehört, gab es im November 2020 einen Corona-Ausbruch, bei dem insgesamt 20 Bewohner und sieben Mitarbeiter betroffen waren. „Seitdem sind keine neuen Fälle aufgetreten“, betont Steffen Wilhelm, Pressesprecher der Diakonie Stetten. Im Gemeindepflegehaus des Alexander-Stifts in Hohenacker habe es seit Beginn der Pandemie erfreulicherweise keine Corona-Infektionen gegeben.

Ein Jahr Pandemie: Extreme psychische und physische Belastungen für die Mitarbeiter

Sowohl die Mitarbeiter als auch die Heimleitungen sind nach Steffen Wilhelms Angaben froh, dass sich das Infektionsgeschehen im Alexander-Stift aktuell beruhigt hat. „Aber nach einem Jahr Pandemie mit extremen psychischen und physischen Belastungen macht sich bei vielen auch eine Erschöpfung bemerkbar.“ Durch die nach wie vor bestehenden Schutzmaßnahmen, die Einschränkungen im Alltag und den Mehraufwand, zum Beispiel bei den Schnelltests, seien die Mitarbeitenden immer noch stark gefordert. „Von einem Normalzustand sind wir immer noch weit entfernt, und das beeinflusst, bei aller Erleichterung über das beruhigte Infektionsgeschehen, mancherorts auch die Stimmung bei den Mitarbeitenden.“ Nach den Osterferien beginnt deshalb in allen Häusern des Alexander-Stifts eine Veranstaltungsreihe mit Workshops für die Mitarbeiter – zum Austausch über die belastenden Erfahrungen und zum Krafttanken.

Im Heim in Hohenacker sind rund 90 Prozent der Bewohner und 60 Prozent der Mitarbeiter durch ein mobiles Impfteam vollständig geimpft worden. Bei den Bewohnern und Mitarbeitern in Hegnach ist der Anteil jeweils etwas niedriger. „Das liegt daran, dass die Personen, bei denen im November eine Infektion nachgewiesen wurde, aktuell noch kein Impfangebot erhalten“, erläutert Steffen Wilhelm.

Alexander-Stift: Mitarbeiter werden dreimal in der Woche getestet

Zu den bereits bestehenden Hygiene- und Schutzmaßnahmen wie der konsequenten Umsetzung der Basishygiene einschließlich der Händehygiene, dem Tragen von FFP2-Masken, einem regelmäßigen Luftaustausch oder der hygienischen Reinigung gelten im Alexander-Stift in Hegnach und Hohenacker weitere Regeln: Die Mitarbeiter werden dreimal pro Woche getestet. Bei den Bewohnern wird zweimal pro Woche ein Schnelltest gemacht. Die Besuchsregelungen orientieren sich an der aktuell geltenden Corona-Verordnung. Pro Tag und pro Bewohner ist ein Besuch von maximal zwei Personen möglich, die dem gleichen Haushalt angehören – oder ein zeitlich versetzter Besuch von zwei Einzelbesuchern.

Ein Besuch ist laut Steffen Wilhelm nur mit Nachweis eines negativen Schnelltests und einer selbst mitgebrachten FFP2-Maske möglich. „Schnelltests für Besucher bieten wir nach Terminvereinbarung jeweils vor Ort an.“

Die dritte Corona-Welle ist kaum noch zu stoppen. Die Infektionszahlen steigen deutschlandweit an – und damit fällt der Blick wieder auf die Alten- und Pflegeheime. Zwar sind auch in den Waiblinger Heimen bereits viele Mitarbeiter und Bewohner geimpft, aber trotzdem herrscht dort Sorge vor weiteren Infektionen und Todesfällen. Das Haus Miriam, das Pflegestift am Kätzenbach, das Haus Elim in Bittenfeld sowie die Heime des Alexander-Stifts in Hegnach und Hohenacker haben unserer Redaktion

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