Waiblingen

Corona-Krise: Warum der Ruhestand der Waiblinger Diakonin Kornelia Minich ganz anders wird als geplant

Kornelia Minich
Mehr als 32 Jahre lang war das Diakonat Kornelia Minichs Arbeitsplatz. © Gabriel Habermann

Die vergangenen Wochen waren für Kornelia Minich genau wie für alle anderen Menschen geprägt von sozialer Distanz: Abstand halten, Kontakte vermeiden und Gespräche nach Möglichkeit via Telefon und Videokonferenz führen. Das Beste daran: „Ich hatte genug Zeit, mein Büro aufzuräumen und auszumisten.“ Denn in gut 32 Jahren als Diakonin der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Waiblingen kommt einiges zusammen. Dennoch hätte sich Minich einen anderen Abschied aus dem Berufsleben gewünscht. Denn gerade die Begegnungen mit Menschen waren es, die für sie ihren Beruf ausmachen.

Viele Kontakte hatte sie zwar auch in ihrem ersten Beruf. Die ausgebildete Drogistin war Geschäftsführerin einer Drogerie in Süßen im Landkreis Göppingen, wo sie aufgewachsen ist. Doch ihr Traumberuf war das nicht, weshalb sie sich mit 26 Jahren entschied, die fünfjährige Ausbildung zur Diakonin zu machen. „Mich interessiert, was die Menschen bewegt und was sie brauchen und ich möchte etwas für sie tun.“ Als Diakonin gab es dazu viele Möglichkeiten. Kornelia Minich initiierte beispielsweise die Stadtranderholung für Senioren und brachte das generationenübergreifende Wohnen in der Woge mit auf den Weg. Als Gemeindediakonin war sie unter anderem verantwortlich für die Kinderbibelwoche, den Seniorenmittag, den Frauentreff und die Frauenliturgie. Bei allen Projekten war die Zusammenarbeit mit anderen Menschen essenziell: „Keine Diakonin kann alleine arbeiten. Es kommt auf die ganze Gemeinde an.“

Seelsorge auf dem Wochenmarkt

Ebenso wichtig wie die Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen waren für sie die ganz persönlichen Begegnungen unter vier Augen. „Unterwegs-Seelsorge“ nennt Kornelia Minich diese wichtigen Gespräche, die sich auch auf dem Wochenmarkt abspielen können. „Diakone haben durch ihre theologische und sozialpädagogische Ausbildung einen anderen Zugang zu Menschen als Pfarrer.“ So kamen viele Gemeindemitglieder zu ihr, um über gesundheitliche oder zwischenmenschliche Probleme zu sprechen und einen Rat einzuholen. In den vergangenen Monaten beherrschte ein Thema diese Gespräche, die coronabedingt telefonisch oder schriftlich stattfanden: die Einsamkeit. „Wer keine Angehörigen hat oder beeinträchtigt ist, erlebt die Isolation als besonders bedrückend“, sagt die scheidende Diakonin. Bei all den Telefonaten oder Briefen sei ihr noch klarer geworden, was sie eigentlich schon wusste: „Kein Medium kann die persönliche Begegnung ersetzen.“

Auch die Kirche und der Glaube leben ihrer Ansicht nach von der Gemeinschaft, die sich zusammen an der biblischen Botschaft ausrichte. Entscheidender als das gesprochene Wort sei, diese Botschaft mit vielen Sinnen zu erleben: „Als ich einmal einen Konfirmanden fragte, woran er sich aus der Kinderbibelwoche erinnere, sprach er von der Salbung, die wir einmal gemeinsam gemacht haben, nicht aber von den unzähligen Geschichten, die er gehört hatte“, erklärt sie zur Veranschaulichung.

Möbel restaurieren statt Fernreise

Weil Gemeinschaft und gemeinsame Erlebnisse für Minich einen hohen Stellenwert haben, fällt es ihr schwer, die von ihr geleiteten Gruppen jetzt wegen Corona nicht so verabschieden zu können, wie sie es sich gewünscht hätte. Auch ihre persönlichen Pläne für den Ruhestand haben sich wegen der Einschränkungen durch die Pandemie geändert: „Eigentlich wollte ich am 1. Juli für sechs Wochen nach Vanuatu fliegen.“ Der Inselstaat im Südpazifik ist 2021 Schwerpunktland des Weltgebetstags der Frauen, mit dem sich Kornelia Minich während ihres Berufsleben beschäftigt hat. Anfangs sei die Enttäuschung über die geplatzte Reise sehr groß gewesen.

Doch langweilig wird es Minich in den kommenden Monaten nicht werden: Sie möchte einige Möbel restaurieren, sich als Silberschmiedin versuchen und ihre Englischkenntnisse aufpolieren. „Vielleicht schaffe ich es sogar, endlich Spanisch zu lernen“, verrät die Südamerika-Liebhaberin. Dann wäre sie umso besser gerüstet für Fernreisen, wenn diese wieder möglich sind. Bis dahin denkt Minich aus der Ferne an fremde Länder: „Ich möchte zum Abschied keine Geschenke, sondern sammele Spenden für eine Gemeinde in Argentinien, der die Corona-Pandemie zusetzt.“ Die Gemeinde lebe vom Wintersport und habe wegen ausbleibender Touristen keinerlei Einnahmen. Der Blick in die Welt relativiere einiges: „Auch wenn viele Deutsche unter den derzeitigen Einschränkungen leiden, geht es uns doch vergleichsweise gut.“ Und dank der Lockerungen kann in kleinen Gruppen mit geladenen Gästen sogar ein bisschen Abschied gefeiert werden an Minichs letztem Arbeitstag am 23. Juni.

Die vergangenen Wochen waren für Kornelia Minich genau wie für alle anderen Menschen geprägt von sozialer Distanz: Abstand halten, Kontakte vermeiden und Gespräche nach Möglichkeit via Telefon und Videokonferenz führen. Das Beste daran: „Ich hatte genug Zeit, mein Büro aufzuräumen und auszumisten.“ Denn in gut 32 Jahren als Diakonin der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Waiblingen kommt einiges zusammen. Dennoch hätte sich Minich einen anderen Abschied aus dem Berufsleben gewünscht. Denn

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper