Waiblingen

Corona-Partys, Unterricht mit Maske und Zukunftsängste - zwei Waiblinger sprechen darüber, wie der Corona-Alltag der Jugend wirklich aussieht

Jugendgemeinderat
Georg Giannadakis (links) und Max Losert (rechts) sind Jugendgemeinderäte in Waiblingen. © Gabriel Habermann

Der 18-jährige Georg Giannadakis und der 17-jährige Max Losert sprechen offen über die Situation von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Corona-Krise. Im Gespräch mit ihnen erzählen sie vom Schul-Alltag und den Sorgen der Jungen. Außerdem haben wir den beiden die Frage gestellt: Feiert die Jugend wirklich Corona-Partys?

„Ich sitze quasi fast auf meinem Nebensitzer“, spitzt Georg die Situation zu. Abstand halten im Klassenzimmer sei quasi unmöglich. Zwar tragen sie alle Masken, aber sicher fühlt er sich trotzdem nicht. Derzeit befinden sich die Schülerinnen und Schüler zwar im Lockdown, doch laut Ankündigung der Kultusministerin Susanne Eisenmann soll es bald schon wieder losgehen.

Am Telefon sprechen die jungen Männer über die Lage. Die beiden sind zwar Jugendgemeinderäte, doch das Gespräch mit der Zeitung führten sie als Privatpersonen, betonen die beiden. Schließlich sei das weder eine Aktion des Gremiums, noch gebe es einen Beschluss.

Max Losert hatte erst kürzlich einen Fall in der Klasse

Max Losert erzählt, er hatte erst kürzlich einen Corona-Fall in seiner Klasse. Er habe nur wenige Meter hinter der Person gesessen, in Quarantäne habe er aber nicht müssen. Ihn wundert, dass es keine einheitlichen Regeln gibt. Es habe beispielsweise keine Pflicht gegeben, sich auf das Virus testen zu lassen. „Eine regelmäßige Kontrolle wäre gut“, findet er. Manchmal hätten die beiden jungen Männer schon ein mulmiges Gefühl, dass sie womöglich ihre Eltern oder Großeltern anstecken könnten. Irgendwie sei es schon ein Widerspruch, mit 30 Leuten zusammenzukommen und gleichzeitig keine Freunde treffen zu dürfen.

Georg Giannadakis erzählt, dass er vor einigen Wochen sogar Sportunterricht mit Maske gehabt habe. Die Noten fürs Basketballspielen hätten noch gemacht werden müssen, weil man da eben keinen Abstand halten kann, mussten die Schüler mit Maske spielen.

Im Klassenzimmer ist es kalt

Für das Maskentragen im Unterricht haben die beiden Verständnis, auch wenn es auf Dauer schon anstrengend werde. Aber vor allem sei es im Klassenzimmer vor den Weihnachtsferien sehr kalt gewesen. Alle 20 Minuten werde gelüftet. „Die meisten saßen die ganze Zeit mit ihrer Winterjacke da“, erzählt Georg Giannadakis. Viele hätten außerdem auch Decken mit in die Schule gebracht.

Ärgerlich findet Max Losert aber vor allem, dass die Busse und Bahnen nach dem Unterricht meist sehr voll sind. Dafür hat er kein Verständnis, es müssten mehr Fahrzeuge oder eine andere Lösung her, findet der 17-Jährige. Denn Abstand halten sei kaum möglich. Die Corona-Krise hat ihn im Sommer auch ganz persönlich getroffen. Seinen Aushilfs-Job in einem Getränkemarkt habe er verloren. Es habe einfach nicht genug Arbeit gegeben.

Die Orientierungslosigkeit ist groß, sagt Georg Giannadakis

Jugendgemeinderatskollege Georg Giannadakis bedauert, dass mit der Krise beispielsweise auch der Besuch der Hochschulen und Universitäten ausfallen musste, der in der Oberstufe normalerweise ansteht. Es herrsche eine große Orientierungslosigkeit, viele Schüler wissen nicht, was sie nach dem Abitur machen sollen. Ihn bedrücke die aktuelle Situation. „Ich denke sehr viel über meine Zukunft nach“, sagt er. Der 18-Jährige erzählt, dass er derzeit oft ins Grübeln kommt. Gleichaltrigen mit denen er spreche, gehe es ähnlich. „Man macht sich einfach einen großen Kopf“, sagt er. Inzwischen hat Georg Giannadakis Pläne für seine Zukunft geschmiedet, er will nach dem Abitur im Sommer Volkswirtschaft studieren.

Online-Unterricht schafft neue Probleme

Der Online-Unterricht, den die beiden im ersten und zweiten Lockdown hatten, sei keine Alternative zum normalen Unterricht gewesen, sind sich die beiden jungen Männer einig. Georg Giannadakis meint, dass vor allem in den naturwissenschaftlichen Fächern, wie Mathematik und Physik, die Möglichkeit, Fragen zu stellen, fehle. Max Losert ergänzt, dass auch der Englischunterricht gelitten habe. Denn das Sprechen habe im Online-Unterricht fast vollständig gefehlt. Ihren Lehrerinnen und Lehrern machen die beiden keinen Vorwurf, die Probleme seien der Situation geschuldet.

Wie viele Arbeitnehmer berichten auch die beiden Schüler darüber, dass die Trennung von Freizeit und Schularbeiten sich sehr erschwere. Sie verbringen viel Zeit an ihren digitalen Geräten, sowohl für die Schule als auch für die Kommunikation mit Freunden. Das Abschalten sei dann oft schwierig. Max Losert kritisiert, dass derzeit auch der Geldbeutel der Eltern eine große Rolle spiele. Wer wenig Geld habe, dem fehle es oft an der technischen Ausstattung oder beispielsweise dem Geld für Nachhilfe.

Werden im Umfeld der beiden Corona-Partys gefeiert?

In der Öffentlichkeit wurden in den vergangenen Wochen immer wieder Fälle illegaler Corona-Partys bekannt. Die beiden jungen Männer betonen aber, dass sich die Mehrheit der Gleichaltrigen von solchen Veranstaltungen entfernt halte. Anfangs habe manch einer darin wohl noch einen Reiz des Verbotenen gesehen. Doch inzwischen würden sie keinen mehr kennen, der auf solche Partys gehe. Der Ernst der Lage sei der Jugend durchaus bewusst.

Der 18-jährige Georg Giannadakis und der 17-jährige Max Losert sprechen offen über die Situation von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Corona-Krise. Im Gespräch mit ihnen erzählen sie vom Schul-Alltag und den Sorgen der Jungen. Außerdem haben wir den beiden die Frage gestellt: Feiert die Jugend wirklich Corona-Partys?

„Ich sitze quasi fast auf meinem Nebensitzer“, spitzt Georg die Situation zu. Abstand halten im Klassenzimmer sei quasi unmöglich. Zwar tragen sie alle Masken,

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper