Waiblingen

Corona-Pause beim Theater unterm Regenbogen in Waiblingen: So sieht es im Magazin aus

Theater Regenbogen
Veit Utz Bross inmitten der Marionetten, die er selbst angefertigt hat. © Benjamin Büttner

Der grimmig dreinblickende Che Guevara schaut der schwäbischen Putzfrau Besine Stäuble über die Schulter. Auf der anderen Seite des Raums treffen ein Polizist in Uniform und ein Clown aufeinander, während gegenüber Figuren aus Tausendundeiner Nacht sachte den Kopf neigen und Götz von Berlichingen über die ganze Szene wacht. Jede Puppe ist einzigartig und haben doch eines gemeinsam: Alle Puppen wurden von Veit Utz Bross oder seinem Vater gebaut und waren bereits auf der Bühne des Theaters unterm Regenbogen zu sehen. „Während des ersten Lockdowns und im Frühsommer habe ich ein kleines Magazin eingerichtet mit den Puppen der Stücke, die ich nicht mehr spiele“, erzählt Bross.

Wer sich in dem Raum unter dem Dach umschaut, kann sich kaum vorstellen, dass es dort noch vor wenigen Monaten aussah wie in einer Rumpelkammer. „Es war so voll, dass nichts mehr reinpasste“, erzählt der Puppenspieler. Mindestens zehnmal sei er mit seinem Lieferwagen zur Deponie gefahren, um alten Krempel zu entsorgen. So ist Platz entstanden für eine Art kleines privates Museum auf dem Dachboden des Gebäudes, in dessen Keller sich die Bühne des Theaters unterm Regenbogen befindet.

Puppen erzählen Geschichten

Die vielen Dutzend Puppen sind nicht nur schön anzuschauen, sondern erzählen auch die Geschichte des Theaters unterm Regenbogen und seines Machers. „Diese Kasperle-Figuren habe ich von meinem Vater zum fünften Geburtstag bekommen“, erzählt Bross und zeigt in eine Ecke des Raums. Ein paar Schritte weiter stehen die Puppen aus dem Soloprogramm „Besine Stäuble lässt bitten“, zu denen der Künstler eine besondere Verbindung hat. „Die ersten Szenen aus diesem Stück habe ich bereits mit zwölf Jahren gespielt und außerdem habe ich mit diesem Stück meinen professionellen Einstieg gegeben, bei einem Auftritt in der Stadtbibliothek Heidelberg, als ich 16 war.“ Solo-Programme sind für Veit Utz Bross das i-Tüpfelchen auf dem Marionettenspiel, da er sich dabei ganz auf eine Szene mit wenigen Figuren konzentrieren kann und Details herausarbeiten kann, für die ihm bei einem Handlungsstück keine Zeit bleibt.

Hinter jeder Puppe verbirgt sich nicht nur eine Geschichte, sondern auch jede Menge Handarbeit: Rund vier Wochen braucht Bross, um eine Marionette herzustellen. Dafür muss man ein handwerklicher und künstlerischer Allrounder sein: Das Gesicht muss geschnitzt, plastisch modelliert und bemalt werden, früher hat Bross sogar Spielkreuze und Gelenke selbst an der Drehmaschine hergestellt. „Da ich beim Nähen nicht so geschickt bin, übernimmt meine Frau meistens die Kostüme für mich“, erzählt der Puppenspieler. In seinem kleinen Magazin kann man auch sehen, was sich unter den Kostümen versteckt. „Am wichtigsten ist, dass der Schwerpunkt der Puppe aus Blei in der Körpermitte sitzt, wie bei uns Menschen auch. Alles andere muss ganz leicht sein.“ Weniger aufwendig und meist in wenigen Tagen fertig sind Handpuppen, Flachpuppen aus Holz und direkt geführte Puppen, in die der Puppenspieler direkt mit der Hand greift.

Veit Utz Bross vermisst das Spielen

Fürs Erste wird wohl nur Veit Utz Bross selbst das Magazin nutzen, um für sich seine liebsten Szenen mit den Puppen zu spielen, die nie mehr auf der Bühne zu sehen sein werden. Denn keine vier Wochen nach der Wiedereröffnung des Theaters Anfang Oktober musste er wegen der Corona-Pandemie schon wieder schließen. „Das war eine schwere Zeit. Ich vermisse das Spielen und das Publikum, war richtig deprimiert“, sagt der Künstler. Ohne ständige Auftritte verliere er auch seine Stimme und verlerne sein Handwerk.

Dennoch will Veit Utz Bross nicht aufgeben. „Zusammen mit dem Autor Peter Kundmüller werde ich ein neues Stück machen. Man braucht in dieser Zeit etwas, das einen aufbaut.“ Er fürchte zwar, dass der Kampf gegen das Coronavirus sogar noch länger dauern könne, plane aber trotzdem die Premiere des neuen Stücks im Herbst 2021. Dann möchte er auch wieder allen Zuschauern nach den Vorstellungen anbieten, das Magazin unter dem Dach zu besichtigen. Individuelle Termine zur Besichtigung des Magazins können übrigens auch per E-Mail an mail@veit-utz-bross.de vereinbart werden.

Der grimmig dreinblickende Che Guevara schaut der schwäbischen Putzfrau Besine Stäuble über die Schulter. Auf der anderen Seite des Raums treffen ein Polizist in Uniform und ein Clown aufeinander, während gegenüber Figuren aus Tausendundeiner Nacht sachte den Kopf neigen und Götz von Berlichingen über die ganze Szene wacht. Jede Puppe ist einzigartig und haben doch eines gemeinsam: Alle Puppen wurden von Veit Utz Bross oder seinem Vater gebaut und waren bereits auf der Bühne des Theaters

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