Waiblingen

Corona: Remstal-Werkstätten noch diese Woche geschlossen - und ein neuer Ausbruch im Alexanderstift in Schnait

Remstal-Werkstätten
Die Remstal-Werkstätten an der Ecke Bahnhofstraße/Oppenländer Straße. © Gabriel Habermann

Nach dem Corona-Ausbruch in den Remstal-Werkstätten der Diakonie Stetten ist die Einrichtung in der Oppenländer Straße noch bis mindestens Ende dieser Woche vorsorglich geschlossen. Dann wird der Träger nach Lage entscheiden, ob in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung wieder gearbeitet werden kann. 50 Menschen sind in Zusammenhang mit diesen Infektionen in Quarantäne. Beruhigt hat sich die Lage am Alexander-Stift in Hegnach – allerdings sind jetzt zwei andere Alexander-Stift-Heime betroffen.

Nach ersten bestätigten Corona-Fällen in den Werkstätten hatte die Diakonie in eigener Regie eine Reihentestung mit rund 180 Schnelltests durchgeführt, die bei 21 Behinderten und sechs Betreuern positiv ausfielen. Wie angekündigt, sollen die Ergebnisse nun durch PCR-Tests verifiziert werden. Noch liegen diese nicht vollständig vor. Aber inzwischen wurden fünf weitere Klienten positiv getestet.

Besuche in Hegnach möglich

Am Standort der Remstal-Werkstätten in Waiblingen werden rund 380 Menschen unterstützt - in Form eines Platzes im Arbeitsbereich, im Berufsbildungsbereich oder im Förder- und Betreuungsbereich. Davon entfallen rund 80 Plätze auf die Rehawerkstatt in der Bahnhofstraße, in der Menschen mit psychischer Erkrankung unterstützt werden. Schwere Symptome hat bisher noch keine der positiv getesteten Personen entwickelt. Einige haben leichte Symptome, andere bisher keine. Bei den 50 Personen, die sich nun in häuslicher Quarantäne befinden, handelt es sich zu zwei Dritteln um erwachsenene Menschen mit Behinderung und zu einem Drittel um Betreuer.

Im Gemeindepflegehaus des Alexander-Stifts in Hegnach, das ebenfalls zur Diakonie Stetten gehört, sind wie berichtet vier Bewohner im Zusammenhang mit dem Coronavirus verstorben. Während sich das Infektionsgeschehen dort beruhigt hat, muss die Diakonie aus anderen Häusern neue Ausbrüche melden: Im Alexander-Stift Kirchberg/Murr wurden sechs Mitarbeiter und sieben Bewohner positiv getestet. Und im Alexander-Stift in Schnait fiel der Test bei einer Pflegekraft sowie bei zehn Bewohnern positiv aus. Dadurch, dass der Diakonie seit kurzer Zeit Schnelltests in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen, kann recht schnell ein Überblick über das Infektionsgeschehen erreicht werden. Die Schnelltests bei den Besuchern werden nun sukzessive auch in den anderen Häusern des Alexander-Stifts eingesetzt.

Teilhabe und Inklusion

In Hegnach dürfen inzwischen wieder Besuche stattfinden - und zwar unter ganz bestimmten Voraussetzungen: Besuche müssen angemeldet sein. Pro Bewohner können täglich maximal zwei Personen aus einem gleichen Haushalt kommen. Unmittelbar davor müssen sich Besucher einem Schnelltest unterziehen - der natürlich negativ ausfallen sollte. Nach Möglichkeit sollten Besuche in separaten Besuchsräumen stattfinden, nur in Ausnahmen sind Besuche im Bewohnerzimmer möglich.

Von Normalität kann dennoch nicht die Rede sein. Gruppenveranstaltungen wie Bastelangebote oder Singkreise mit 20 Bewohnern wie vor der Corona-Pandemie finden längst nicht mehr statt. Unter der Voraussetzung, dass in einem Haus keine Corona-Symptome oder Verdachtsfälle auftreten, bewegten sich die Bewohner „frei und selbstbestimmt“, wie Alexander-Stift-Geschäftsführerin Gaby Schröder sagt. Für das Konzept eines offenen Hauses mit Inklusion und Teilhabe stehe die Diakonie Stetten. Zwar werde den Bewohnern das Tragen von Masken empfohlen – jedoch sei dies vielen Bewohnern, die unter Demenz leiden, nicht zu vermitteln. Anders die Mitarbeiter: Seit März tragen alle, von der Haustechnik bis zur Pflege, medizinische Masken. Bei Verdachtsfällen werden die Schutzmaßnahmen verstärkt: Als in Hegnach anlässlich einer Routine-Untersuchung im Krankenhaus bei einer Bewohnerin das Coronavirus festgestellt worden war, mussten von dem Zeitpunkt an alle FFP2-Masken und Schutzanzüge tragen. In so einem Fall müssen die Bewohner in ihren Wohngruppen bleiben.

Hohe Belastung für Pflegekräfte

Bis die im Oktober bestellten Schnelltests beim Alexander-Stift eingetroffen sind, vergingen einige Wochen. Es herrschte vorübergehend eine Mangelsituation wie im Frühjahr mit den Masken, als viele gleichzeitig das Gleiche wollten. Eine Testpflicht für Bewohner und Mitarbeiter gibt es im Alexander-Stift nicht. Nach der Testkonzeption des Hauses sollen sie sich einmal die Woche testen lassen. Besucher, die täglich kommen, brauchen sich nicht jedes Mal einem Test zu unterziehen, aber doch immer wieder. Ziel ist, die tückische symptomfreie Ansteckung möglichst zu verhindern.

Für Mitarbeitende in der Altenpflege bedeute ein Corona-Ausbruch im Haus, „an sämtliche Grenzen der Belastbarkeit zu gehen“. Sie müssten erhebliche Mehrarbeit leisten, körperliche Zusatzbelastungen wie Schutzkleidung ertragen, Sorgen um die eigene Gesundheit und eine mögliche Ansteckung des eigenen Umfelds durchstehen und Ängste von Angehörigen aushalten, die anrufen und wissen wollen, wie es ihren Lieben geht – all dies taten sie mit hoher Aufopferungsbereitschaft, sagt Gaby Schröder anerkennend.

Nach dem Corona-Ausbruch in den Remstal-Werkstätten der Diakonie Stetten ist die Einrichtung in der Oppenländer Straße noch bis mindestens Ende dieser Woche vorsorglich geschlossen. Dann wird der Träger nach Lage entscheiden, ob in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung wieder gearbeitet werden kann. 50 Menschen sind in Zusammenhang mit diesen Infektionen in Quarantäne. Beruhigt hat sich die Lage am Alexander-Stift in Hegnach – allerdings sind jetzt zwei andere Alexander-Stift-Heime

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