Waiblingen

Corona verändert die Mobilität in Waiblingen: Weniger Fahrten mit Bus, Bahn und Auto, mehr Spaziergänge

S-Bahn
Nur noch halb so viele Fahrgäste wie vor der Pandemie nutzen Bus und Bahn. © Gabriel Habermann

Home-Office, geschlossene Restaurants und Kneipen, kein Training im Verein, Kontaktbeschränkungen. Corona beeinflusst den Alltag auch ein Jahr nach dem ersten Lockdown. Das wirkt sich auch auf die Mobilität aus, die Menschen sind weniger unterwegs, offenbar vor allem auf den Straßen. Verkehrszählungen zum allgemeinen Mobilitätsverhalten wurden im vergangenen Jahr nach Angaben der Stadtverwaltung wegen der Corona-Pandemie zwar nicht vorgenommen, die „Automatischen Straßenverkehrszählstellen“ des Landes sind aber natürlich auch während der Pandemie aktiv, darunter die Zählstelle an der L 1142 zwischen Hegnach und der Kernstadt.

Rund ein Fünftel weniger Fahrzeuge

Zwischen Dezember 2019 und Dezember 2020 war dort laut dem Fachbereich Stadtplanung eine Abnahme von 18,1 Prozent des durchschnittlichen täglichen Gesamtverkehrs festzustellen. Vor allem an Sonn- und Feiertagen waren deutlich weniger Fahrzeuge unterwegs (32,5 Prozent weniger Verkehr), was darauf hindeutet, dass sich viele Menschen vor allem bei privaten Unternehmungen deutlich zurückhalten. Auch zwischen Montag und Freitag hat das Verkehrsaufkommen an der L 1142 deutlich abgenommen (17,8 Prozent). Auch wenn dies nur ein Ausschnitt ist, geht die Stadtverwaltung davon aus, dass die Zahlen auf eine generelle Abnahme hindeuten. Dafür sprechen auch die aktuellen Zahlen der Blitzersäulen am Bundesstraßenteiler der B14 und B29 bei Waiblingen. Die Blitzer wirken dabei wie Apparate zur Verkehrszählung und zeigen, dass auch der zweite Shutdown einen erneuten „Corona-Knick“ erkennen lässt.

Auch der städtische Vollzugsdienst schätzt aus den Einsätzen in den vergangenen Monaten, dass generell weniger Pkw in Waiblingen unterwegs sind. Beim Fußverkehr haben die Mitarbeiter dagegen den Eindruck einer Zunahme, vor allem von Spaziergängern in der Mittagszeit oder am Abend.

50 Prozent weniger Fahrgäste in Bus und Bahn

Das liegt einerseits sicher daran, dass die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung während des Lockdowns eingeschränkt sind. Andererseits ist spazieren gehen auch eine risikoarme Beschäftigung. Ende vergangenen Jahres befragte der ADAC mehr als 2000 Menschen zu ihrem Mobilitätsverhalten. Nur fünf Prozent sahen damals eine Gefahr, sich beim Spazierengehen mit dem Coronavirus anzustecken. Bei einer Fahrt mit einem öffentliche Verkehrsmittel sahen 51 Prozent der Befragten ein hohes Ansteckungsrisiko, jeder Fünfte gab an, Bus uns Bahn nicht zu nutzen. Es ändert sich also während der Pandemie nicht nur das Mobilitätsverhalten, sondern auch die Wahl des Fortbewegungsmittels.

Seit Beginn der Pandemie wird der öffentliche Nahverkehr deutlich weniger genutzt, bestätigt Niklas Hetfleisch, Pressesprecher des Verkehrsverbunds Stuttgart (VVS): „Aktuell nutzen rund 50 Prozent weniger Fahrgäste die Öffentlichen.“ Im ersten Lockdown seien es noch deutlich weniger gewesen, im April 2020 seien die Fahrgastzahlen um 80 Prozent eingebrochen. Im Sommer und Herbst habe sich das Fahrgastaufkommen erholt, der VVS verzeichnete 20 bis 30 Prozent weniger Fahrten als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Seit dem Lockdown Mitte Dezember sind die Fahrgastzahlen wieder gesunken, besonders deutlich war die Abnahme laut Hetfleisch in den Abendstunden während der Ausgangssperre, als nur wenige Pendler unterwegs waren.

Handys zeigen Mobilitätsverhalten

Wie sich das Mobilitätsverhalten seit Beginn der Corona-Pandemie verändert hat, untersucht auch das Statistische Bundesamt. Grundlage für die interaktiven Karten sind anonymisierte Mobilfunkdaten aus dem Netz des Mobilfunkanbieters Telefónica. Mobilfunkbetreiber erfassen zum Beispiel, wenn die Smartphones ihrer Kunden die Funkzelle wechseln, und ermöglichen so Schlüsse auf das Mobilitätsverhalten. Die Daten können auch für den Rems-Murr-Kreis abgerufen werden und zeigen, dass sich die Beschränkungen zum Infektionsschutz auswirken.

Beispiel 8. März dieses Jahres: Die Corona-Verordnung wurde gelockert, unter anderem durften Buchhandlungen, Gärtnereien und Baumärkte wieder öffnen. Nach wie vor sind die Menschen im Rems-Murr-Kreis weniger unterwegs, laut Mobilfunkdaten-Analyse nämlich um fünf Prozent weniger als im Durschschnitt der Montage im März 2019. Es sind allerdings deutlich mehr Menschen unterwegs als noch im Februar: Circa einen Monat zuvor, am 11. Februar 2021, verzeichnete das Statistische Bundesamt noch elf Prozent weniger Mobilität im Kreis im Vergleich zum Vorkrisen-Niveau. Auch für Waiblingen zeigen die Zahlen des Mobilfunkanbieters, die das Statistische Bundesamt auf einer interaktiven Karte darstellt, dass die Menschen in den vergangenen Wochen wieder mobiler geworden sind. Das Gebiet mit dem höchsten Mobilitätsaufkommen, das am 18. Februar vor allem die Kernstadt und ihre nächste Umgebung umfasste, ist - Stand 17. März - größer geworden.

Home-Office, geschlossene Restaurants und Kneipen, kein Training im Verein, Kontaktbeschränkungen. Corona beeinflusst den Alltag auch ein Jahr nach dem ersten Lockdown. Das wirkt sich auch auf die Mobilität aus, die Menschen sind weniger unterwegs, offenbar vor allem auf den Straßen. Verkehrszählungen zum allgemeinen Mobilitätsverhalten wurden im vergangenen Jahr nach Angaben der Stadtverwaltung wegen der Corona-Pandemie zwar nicht vorgenommen, die „Automatischen Straßenverkehrszählstellen“

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