Waiblingen

Corona: Wie läuft es in den Waiblinger Kneipen und Bars?

Kneipen/Bars
Zum Wohl: Die Gäste in der Waiblinger Brasserie Sonne (Kurze Straße 36) haben ihren Aufenthalt sichtlich genossen. © ALEXANDRA PALMIZI

Ein Anlass findet sich immer, um in die facettenreiche Waiblinger Kneipenszene einzutauchen, ob nun zum Afterworken oder einfach nur, um die laue Nacht nicht ungenutzt verstreichen zu lassen. Der achtzehnjährige Stipe Matosevic hatte sogar aus Stuttgart heraus den Weg zum Alten Postplatz gefunden, um es sich gemeinsam mit seinem Waiblinger Altersgenossen Ajdin Tahic im CBC gutgehen zu lassen. Was er hier in der Stauferstadt findet, dass es in der Landeshauptstadt nicht gibt?

Was lockt die Kunden ins CBC?

„Die wunderbare Altstadt“, kommt seine Antwort wie aus der Pistole geschossen. Die besondere Atmosphäre der engen, verwinkelten Gassen mit den Fachwerkhäusern haben es Stipe Matosevic angetan. Und dass alles so nah beieinander liege, die Talaue, der Apothekergarten, die unendlich vielen Ecken und Winkel, die zum Verweilen einladen. Was die beiden ins CBC lockte? „Pizza und Tiramisu“, antwortet diesmal Tahic. Das gute Essen, die angenehme Atmosphäre, die netten Leute, die man hier treffe, und der aufmerksame Service.

Wie läuft es in der Brasserie Sonne?

Unter den wachsamen Augen eines einsamen Security-Mitarbeiters leert sich nach und nach das Postplatzforum. Währenddessen füllen sich einen Katzensprung davon entfernt in der Brasserie Sonne und unter dem Wettersegel daneben nach und nach die Tische. An einer Tafel im Freien feiert eine sechsköpfige Runde ausgelassen, Gesprächsfetzen und Gelächter hallen in den Abend hinaus. Ein Paar am Nebentisch genießt ganz offensichtlich die Zweisamkeit.

„Wenn du hier isst, dann ist das kein Unterschied zu Italien“

Laura Hinz und Marc Sellinger sind mit Hündin Leni von Neustadt herunterspaziert. Sie gehören seit Jahren zu den Stammgästen, erzählen sie. „Wenn du hier isst, dann ist das kein Unterschied zu Italien“, begeistern sie sich. „Und wenn du hierherkommst, dann triffst du so gut wie immer irgendwelche Bekannte, Freunde, mit denen du gesellig beisammensitzen kannst. Ja, wir haben es vermisst, dass wir während des Lockdowns nicht ausgehen und die Kochkunst des Chefs des Hauses genießen konnten“, versichern sie, während ihr Essen aufgetragen wird. Als es nach dem Lockdown wieder möglich war, habe sie ihr erster Weg hierhergeführt.

Schwere Zeiten seien es gewesen, bestätigt der Wirt Lorenzo Parrotta. Dankbar sei er für die staatliche Hilfe, die ihren Teil mit dazu beigetragen habe, dass die Brasserie Sonne gut aus der Krise herausgekommen sei. Sogar die Agentur für Arbeit habe sehr zügig, gut und zuvorkommend geholfen, geradezu unbürokratisch, als es darum ging, Mitarbeiter zur Kurzarbeit anzumelden, hebt er hervor.

Licht am Ende des Tunnels

Ja, die staatliche Soforthilfe habe geholfen, um über das Schlimmste hinwegzukommen, bestätigt Arthur Bross, der Wirt von „Bobby’s Irish Pub“. Und seit den jüngsten Lockerungen gebe es wenigstens Licht am Ende des Tunnels. Wobei es allerdings für kleine Pubs besonders schwierig sei. Er biete auch einfache Speisen an, aber seinen Hauptumsatz erwirtschafte er mit Getränken. „Und wenn du in einem Pub mit 80 Plätzen nur 30 Personen bewirten darfst, weil du sonst die Abstandsregeln nicht einhältst, dann halten sich die Einnahmen in Grenzen.“

Die Kneipenkultur im "Bobby's"

Am Samstagabend ist im „Bobby’s“ Feiern angesagt. An der Theke und im Garten tobt das Leben – unter strikter Beachtung der geltenden Regeln, versichert Arthur Bross’ Ehefrau Jelena. Sie begrüßt die Besucher am Eingang und weist ihnen ihre Plätze. „Habt ihr reserviert?“ lautet die erste Frage an eine Gruppe junger Leute. „Nein? Ihr seid zu sechst. Oh je, dann wird es knapp, aber kommt erst einmal herein, wir finden eine Lösung.“ Ja, sinniert sie, es sei noch ein weiter Weg hin zu der gewohnten Kneipenkultur, die das „Bobby’s“ auszeichne. Wie soll sie auch aufkommen, wenn die Gäste anderthalb Meter zueinander Abstand halten müssen, wenn das Servicepersonal Schutzmasken trägt?


Seit 30 Jahren ihr zweites Wohnzimmer

Roger Steffen sowie das Ehepaar Rainer und Saadet Pfund haben es sich auf Barhockern an der Theke gemütlich gemacht. Vor jedem steht ein Guinness, ein Baguette sorgt für die notwendige Grundlage. Seit bald dreißig Jahren sei das „Bobby’s“ ihr zweites Wohnzimmer. Irlandverliebt seien sie sowieso, „und selbst wenn du allein hierher kommst, dann bist du nie einsam“, erzählt Rainer Pfund. „Du kommst sofort mit anderen ins Gespräch.“ - „Unsere Gäste sind im Alter von 18 bis 80“, ergänzt Jelena Bross, „und sie mischen kunterbunt untereinander, jeder spricht mit jedem und entdeckt Gemeinsamkeiten.“

Ein Anlass findet sich immer, um in die facettenreiche Waiblinger Kneipenszene einzutauchen, ob nun zum Afterworken oder einfach nur, um die laue Nacht nicht ungenutzt verstreichen zu lassen. Der achtzehnjährige Stipe Matosevic hatte sogar aus Stuttgart heraus den Weg zum Alten Postplatz gefunden, um es sich gemeinsam mit seinem Waiblinger Altersgenossen Ajdin Tahic im CBC gutgehen zu lassen. Was er hier in der Stauferstadt findet, dass es in der Landeshauptstadt nicht gibt?

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